Lage dramatischer als je zuvor: Landeselternat fordert vorzeitige Weihnachtsferien

Das Infektionsgeschehen in den Schulen sei besorgniserregend, sagt der Landeselternrat. Das Ministerium ist anderer Meinung.

von Anke Donner


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Symbolfoto. Foto: Pixabay

Region. Alle Jahre wieder könnte man bei der Forderung nach früheren Weihnachtsferien schon beinahe sagen. Denn wie schon im vergangenen Pandemie-Winter, fordert der Landeselternrat auch dieses Jahr vorgezogene Weihnachtsferien in Niedersachsen, um die Schüler aus der Infektions-Schusslinie zu bringen. Das Kultusministerium sieht da noch keinen Handlungsbedarf.


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Ginge es nach dem Landeselternrat, würde man Niedersachsens Schüler schon am 17., statt am 23. Dezember in die Weihnachtsferien schicken. Begründet wird der Vorstoß damit, dass man der Auffassung sei, in den Schulen werde nicht genug für den Infektionsschutz getan. Dieser sei "praktisch nicht existent".

Ein Treffen mit kommunalen Elternvertretungen aus ganz Niedersachsen habe dahingehend übereinstimmende Meinungen gezeigt, dass die derzeitige Situation das Resultat eines kompletten Führungsversagens auf politischer Ebene sei, macht der Landeselternrat deutlich. Die Elternvertretungen würden hierbei vornehmlich die Entscheidungsunfähigkeit des Kultusministeriums bemängeln, das aussagt, dass das Sicherheitskonzept in den Schulen aufgehe. Das betont das Kultusministerium auch auf Nachfrage von regionalHeute.de.

"In der aktuellen Lage und für die Schule leisten wir bereits einen sehr großen Beitrag, um das Virus einzudämmen und tragen so zur allgemeinen Sicherheit bei. Mit Maskenpflicht, Hygienekonzepten, strengen Lüftungsvorschriften und insbesondere den eng getakteten Schülertestungen machen wir Schule sicher, aber auch das Leben drumherum. Und die aktuelle Lage bestätigt, dass dieses Sicherheitskonzept aufgeht. Die Schule findet niedersachsenweit in Präsenz statt und wir haben bisher relative Ruhe in den Schulen", teilt die Pressestelle des Ministeriums mit.

Kultusministerium versteht Sorge, handelt aber nicht


In Hannover ist die Forderung des Landeselternrates bereits angekommen und man könne die Sorge durchaus nachvollziehen, heißt es. Den Problemlöser dürfe man aber nicht allein in den Schulen suchen. "Es sind dafür auch alle Lebensbereiche gefordert. Im Unterschied zu vor einem Jahr bestand damals bis auf den Bildungsbereich ein weitestgehender Lockdown. Die Debatte über sichere Weihnachten muss daher in allen gesellschaftlichen Bereichen geführt werden. Ein vereinzelter Blick auf die Schule reicht nicht aus. Dabei müssen insbesondere die Erwachsenen ihren Beitrag leisten, sich impfen lassen und private Aktivitäten reflektiert betreiben. Das ist ein notwendiger Hebel für ein sicheres Fest."

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Da nach Auffassung des Kultusministeriums das Konzept in den Schulen aufgegangen sei und es auch noch einige Wochen bis zu den Ferien seien, sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, frühere Ferien zu verkünden oder auszuschließen. "Es sind noch viereinhalb Wochen bis zu den Ferien. Viereinhalb Wochen in der Pandemie sind eine lange Zeit. Wir werden die weitere Entwicklung genau beobachten und daraus die Rückschlüsse ziehen, wie wir den Bildungsauftrag, Lernen in Präsenz und den verständlichen Wunsch nach einer Weihnachtsfeier im Kreise der Familie mit gutem Gewissen gewährleisten können", erklärt ein Ministeriumssprecher.

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Zahlen sprechen andere Sprache


Die exponentiell wachsenden Zahlen in der Gruppe der 5- bis 14- jährigen Schulkinder würden jedoch eine andere Sprache sprechen, macht der Landeselternrat deutlich. Infektionsschutz sei in Schulen nach wie vor praktisch nicht existent, die Anschaffung von Luftfiltern bleibe an EU-weite Ausschreibungen geknüpft, Land und Kommunen würden sich in Zuständigkeitsgeplänkel verwickeln, die Kohortenregelung wurde aufgeweicht und die Maskenpflicht in den Klassen 1 und 2 aufgehoben. "Und jedes Gesundheitsamt kocht sein eigenes Nachverfolgungssüppchen und auslöffeln dürfen es unsere Kinder, deren Schutz angeblich ja allen so sehr am Herzen liegt", kritisiert der Rat und fordert ein sofortiges und geschlossenes Handeln aller Entscheidungsträger.

Schule muss sicher sein


"Was zu tun ist, erklärt uns die Wissenschaft seit 21 Monaten. Für Politiker ist das offenbar möglich, für Kinder nicht. Schule muss sicher sein. Wir fordern krisensichere Klassenzimmer, kleine, definierte Kohorten und sichere Schülerbeförderung, auch im ÖPNV. Gerade zurzeit sollten alle Schüler täglich getestet werden, um eine Ausbreitung des Virus in den Schulen einzudämmen. Wir brauchen einfache, klar verständliche, nachvollziehbare und einheitliche Regelungen. Die Lage ist dramatischer als je zuvor und chronisches Zögern wird die Welle nicht brechen", appelliert der Landeselternrat.


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