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Leopold-Zunz-Platz bekommt Zuspruch aus New York



Wolfenbüttel

Leopold-Zunz-Platz bekommt Zuspruch aus New York

von Anke Donner


Rabbiner Prof. Dr. Ismar Schorsch, Ehrenpräsident des Leo Baeck Institute und Kanzler-Emeritus des Jewish Theological Seminary New York, begrüßt die Auseinandersetzung mit Zunz.  Foto: Katrin Keßler, Israel Jacobson Netzwerk
Rabbiner Prof. Dr. Ismar Schorsch, Ehrenpräsident des Leo Baeck Institute und Kanzler-Emeritus des Jewish Theological Seminary New York, begrüßt die Auseinandersetzung mit Zunz. Foto: Katrin Keßler, Israel Jacobson Netzwerk

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Wolfenbüttel. Die Diskussion und Berichterstattung über eine Würdigung von Leopold Zunz wird im Leo Baeck Institute in New York aufmerksam verfolgt. Zunz gilt als Begründer der Wissenschaft des Judentums, deren Auswirkungen auf Emanzipation und Bildung für die Entstehung des modernen Judentums von größter Bedeutung ist, lässt das Leo Baeck Institute wissen.



Rabbiner Prof. Dr. Ismar Schorsch, Ehrenpräsident des Leo Baeck Institute und Kanzler-Emeritus des Jewish Theological Seminary New York, begrüßt die Auseinandersetzung mit Zunz: „Ich freue mich aus der Ferne sehr über die Diskussion in Wolfenbüttel, wie Leopold Zunz angemessen zu ehren sein könnte. Mit einem brillanten Aufsatz begründete er 1818 die Anwendung der kritischen Wissenschaft im Judaismus und im Studium der jüdischen Geschichte. Er inspirierte Generationen von Gelehrten und veränderte unser Verständnis von der jüdischen Geschichte für immer.“

Prof. Schorsch veröffentlichte eine grundlegende Biografie über Zunz und die Wissenschaft des Judentums (Leopold Zunz: Creativity in Adversity; University of Pennsylvania Press 2016. Bislang nur auf Englisch erhältlich). Er gilt als weltweit führender Experte auf diesem Gebiet. Schorsch betont die persönliche Beziehung von Zunz zu der niedersächsischen Stadt: „Zunz verbrachte seine ihn prägende Zeit in Wolfenbüttel. Auch später kehrte er oft und gern zurück. Die Stadt war ihm Ersatzheimat. Der Ruf von Leopold Zunz als einer der bedeutendsten modernen Gelehrten des deutschen Judentums setzt neben Lessing einen weiteren Glanzpunkt für Wolfenbüttel als Stadt der Aufklärung und Bildung.“


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Rabbiner Prof. Dr. Ismar Schorsch. Foto:



Dr. Jörg Munzel, Vorstand des Israel Jacobson Netzwerks, ergänzt: „Es ist in der Region Braunschweig-Wolfsburg immer noch wenig bekannt, welchen kulturellen Schatz unser jüdisches Erbe darstellt. Zwei Zunz-Jubiläen stehen in Kürze an. Die Wissenschaft des Judentums wird im kommenden Jahr 200 Jahre alt; 2019 ist der 225. Geburtstag von L. Zunz. Wir besprechen aktuell mit dem Leo Baeck Institute, in welcher Form wir diese Ereignisse mit gemeinsamen Projekten ausgestalten können. Wolfenbüttel wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Das Erinnern an Leopold Zunz kann das Profil als Stadt bedeutender Gelehrter schärfen und neue Möglichkeiten im Kulturtourismus eröffnen.“ Im Fokus dabei stehe auch die Aufklärung der Bürger der Region über den berühmten jüdischen Bürger der Stadt Wolfenbüttel.



Prof. Dr. Alexander von Kienlin, Präsident des Israel Jacobson Netzwerks und Leiter der Bet Tfila – Forschungsstelle an der Technischen Universität Braunschweig: „Leopold Zunz und seine internationale Bedeutung stand bereits 2016 im Zentrum unserer Ausstellung „Von Wolfenbüttel nach New York“, die im Braunschweigischen Landesmuseum (Jüdisches Museum Hinter Aegidien) gezeigt wurde. Sie basierte auf einer Ausstellung zur „Wissenschaft des Judentums“ ein Jahr zuvor am Leo Baeck Institute in New York und war vom LBI gemeinsam mit dem IJN mit besonderem Blick auf die Wirkung von Persönlichkeiten unserer Region auf die Modernisierungsbestrebungen des deutschen Judentums im religiösen wie wissenschaftlichen Sinne neu konzipiert worden. Die ebenfalls 2016 erschienene Monographie über Zunz von Ismar Schorsch, die vor einem Jahr vom Autor selbst in der Herzog August Bibliothek vorgestellt wurde, stellt Leopold Zunz in ein neues Licht und lässt keinen Zweifel, dass in ihm eine Größe der modernen Wissenschaftsgeschichte zu sehen ist.

Das Israel Jacobson Netzwerk


Im April 2016 hat sich das Israel Jacobson Netzwerk für jüdische Kultur und Geschichte als eingetragener, gemeinnütziger Verein gegründet. Das IJN ist ein Zusammenschluss von Institutionen (darunter Museen, Forschungseinrichtungen und Gedenkstätten sowie die Jüdische Gemeinde Braunschweig), politischen Gemeinden, Initiativen und Privatpersonen, die sich in der Region Braunschweig der Erforschung, Erhaltung und Vermittlung jüdischer Kultur und Geschichte widmen. Für seine Arbeit kooperiert es mit deutschen und internationalen Partnern, insbesondere aus den USA und aus Israel. Die einmalige Verbindung von Wissenschaft und Forschung, Dokumentation, Präsentation und Bildungsarbeit im Israel Jacobson Netzwerk bedeutet eine Chance, den Bekanntheitsgrad der Region als exemplarischen Ort der jüdischen Aufklärung und des Wegs der deutsch-jüdischen Kultur in die Moderne auf regionaler, bundesweiter und internationaler Ebene zu steigern und somit Themen, authentische Orte und Objekte deutsch-jüdischer Kultur in Geschichte und Gegenwart als wesentliche Aspekte der kulturellen Identität in der Region zwischen Harz und Heide und weit darüber hinaus dauerhaft sichtbar zu machen. Mit möglichst anschaulichen Veranstaltungen und Bildungsmaterial (beispielsweise dem Reiseführer „MerianGuide Jüdische Kultur und Geschichte in der Region Braunschweig-Wolfsburg) gibt es transparente Informationen für interessierte Menschen aus der ganzen Welt.

Das Leo Baeck Institute New York


Führende deutsch-jüdische Intellektuelle gründeten 1955 das Leo Baeck Institut (LBI). Das neu geschaffene Institut mit seinen drei unabhängigen Niederlassungen in Jerusalem, London und New York sowie der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft in Deutschland widmet sich unter der Schirmherrschaft des LBI International der Aufgabe, das kulturelle Vermächtnis des deutschsprachigen Judentums zu bewahren. Heute verfügt das LBI New York | Berlin über eine 80.000 Bände umfassende Bibliothek, eine Kunstsammlung und ein umfangreiches Archiv. Letzteres beinhaltet Dokumente, Bücher, Schriften sowie Erinnerungsstücke, die meist von jüdischen Geflüchteten oder ihren Nachfahren an das Institut übergeben wurden, wodurch es zur bedeutendsten Sammlungsstätte von Primärquellen und Forschungsmaterial zur deutsch-jüdischen Geschichte und dem zentralen Archiv der deutschsprachigen Diaspora wurde. Anlässlich der Gründung des Jüdischen Museums in Berlin 2001 richtete es dort eine Zweigstelle seines Archivs ein. Seit der Einführung des Online-Portals DigiBaeck im Jahre 2012 wurden zudem über 3,5 Millionen Seiten aus den Archivbeständen digitalisiert und stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung.

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