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LKW-Unfälle verhindern: Drastische Bußgelder sollen kommen

von Robert Braumann


LKW-Unfall auf der A2, Foto: aktuell24(BM)
LKW-Unfall auf der A2, Foto: aktuell24(BM)

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04.10.2016

Region. Mit höheren Strafen und dem verpflichtenden Einsatz von Abstandswarnern soll etwas gegen schwere Lastwagenunfälle auf Autobahnen getan werden. Die Pläne kommen aus Niedersachsen, gerade auf der A2 hatte es in den vergangenen Monaten viele schwere Unfälle gegeben.


Nun wollen die Verkehrsminister der Länder mit drastischen Maßnahmen LKW-Unfälle auf Autobahnen verhindern. So sollen die Bußgelder für zu geringen Abstand deutlich erhöht werden. Das geht aus einem Beschlusspapier für die Verkehrsministerkonferenz hervor, aus dem die Saarbrücker Zeitung zitiert. Niedersachsen ist Initiator des Vorstoßes. "Als Hauptunfallursachen gelten zu dichtes Auffahren und immer wieder Unaufmerksamkeit durch Ablenkung der Lkw-Fahrer", sagte Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) gegenüber dem Blatt. Wie sieht die Polizei den Vorstoß aus der Politik?

Prävention wird groß geschrieben


Der Braunschweiger Polizeisprecher Wolfgang Klages betonte, dass sich in jedem Fall etwas tun müsse: "Wir müssen europaweite Standards schaffen." Er würde sich zudem mehr Verkehrskontrollen wünschen. „Ich plädiere für Konsequenzen. Verstößt jemand gegen die Vorschriften, helfen aktuell Fahrverbote und Punkte in Flensburg am Ehesten.“ Die derzeitigen Bußgelder würden kaum jemanden abschrecken. „Nehmen wir als Beispiel mal das Telefonieren am Steuer: die Geldbuße hat sich mittlerweile von 30 auf 60 Euro verdoppelt und dennoch haben wir im letzten Jahr 230 Personen beim Telefonieren erwischt.“ Der Lerneffekt der aktuellen Strafen sei demzufolge nicht ausreichend. „Die Verkehrsteilnehmer haben mehr Angst davor, ein Fahrverbot zu erhalten, als Bußgelder zahlen zu müssen. Das liegt auch daran, dass diese vergleichsweise niedrig sind." Die Gelder stehen in keinem Zusammenhang mit den Schäden die durch Ablenkung, zu schnelle Fahren und wenig Abstand verursacht werden. "Ich habe es aufgegeben, da auf die Vernunft zu hoffen, dass hilft leider nicht." Deshalb seien die Pläne durchaus begrüßenswert, so der Polizeisprecher. Man müsse aber natürlich abwarten, was am Ende wirklich konkret beschlossen werde.

Alle anderen Maßnahmen gescheitert



Thomas Arth. Foto:



Auch Thomas Arth, Leiter Kriminalermittlungsdienst bei der Polizei Wolfenbüttel, sieht die Erhöhung der Bußgelder als einzige Maßnahme, die LKW-Unfälle zu senken. Denn alle anderen Maßnahmen seien gescheitert. "Wir würden eine Erhöhung der Strafen befürworten, da man hier mehr sensibilisieren muss und dass das offenbar nur über Sanktionen geht. Wir erleben es tagtäglich, dass schwere Unfälle passieren, obwohl viele Fahrzeuge mit Frühwarnsystemen ausgestattet sind. Diese technischen Geräte werden aber oftmals von den Fahrern ausgeschaltet, was schon an Vorsatz grenzt. Oft haben die Fahrzeuge große Mängel. Starke Kontrollen, wie auch wir sie durchführen, brachten nur wenig Erfolg. Die Unfallzahlen hier nehmen zu", so Arth.

Auch die Goslarer Polizei hält eine Erhöhung der Bußgelder für angebracht. "Ich glaube schon, dass es wirksam wäre, die Bußgelder zu erhöhen. Wir in Deutschland liegen was das angeht, auch im europäischen Vergleich unter der dem Durchschnitt. In andern Ländern, wie Frankreich beispielsweise, werden Verstöße gegen den Mindestabstand sehr viel härter geahndet. Da haben wir noch sehr viel Nachholbedarf", erklärt Hans-Werner Röhrken, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Goslar.

https://regionalbraunschweig.de/polizei-tempolimits-allein-werden-a2-nicht-sicherer-machen/


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