Löwentor Wolfenbüttel: So zufrieden sind die Händler

Nach gut zweieinhalb Jahren "Löwentor" haben wir die Händler um ein Fazit gebeten.

von Anke Donner


Wie läuft es im Löwentor?
Wie läuft es im Löwentor? Foto: Anke Donner

Wolfenbüttel. Das Löwentor war und ist noch heute die Achillesferse der Lessingstadt und wird mitunter von Bürgern und Politik gleichermaßen kritisiert. Vor allem wohl auch deshalb, weil es am Ende nicht ganz so geworden ist, wie es anfänglich geplant und angekündigt war. Statt Handel ist viel Verwaltung eingezogen und ein Mieter hat noch immer nicht eröffnet. regionalHeute.de hat bei den Unternehmen im Löwentor nachgefragt, wie die Geschäfte laufen.


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2020 eröffneten mit Woolworth, Kult und Schäfer’s die Händler im Löwentor ihre Geschäfte. Es folgten ein Gastronomiebetrieb, die Tourist-Info und Kreis- und Stadtverwaltungen. Doch auch zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung sind noch nicht alle Flächen vermietet. Vor allem ein bereits vor mehr als vier Jahren angekündigter Mieter fehlt noch immer.

Wo bleibt dm?


Stolz verkündeten Stadt und Löwentor-Entwickler iandus vor über vier Jahren – am 28. April 2017 –, dass die Drogeriekette dm in die Gewerbeimmobilie einziehen solle. Doch mit Informationen darüber, ob und wann dm eröffnen wird, ist man sparsam. iandus-Geschäftsführer Benedikt Schmidt-Waechter erklärt auf Nachfrage lediglich, dass man "gegenwärtig nichts Neues" zu berichten hätte. Im vergangenen April lautete die Antwort auf selbige Frage, dass der Mietvertrag mit dm im Löwentor unverändert bestehe, aber ein Eröffnungstermin noch nicht feststehe.

Seitens der Drogeriekette hüllt man sich ebenfalls in Schweigen. Von dort heißt es auf Nachfrage, dass man zu Standortentscheidungen grundsätzlich keine Auskunft gibt.

Es wird also weiterhin spannend bleiben, ob sich der Drogerieriese noch im Löwentor niederlässt. Glaubt man jedoch den Aussagen des SPD-Ratsherren Ralf Achilles, wird das wohl nicht geschehen. Offenbar befinden sich iandus und dm im Rechtsstreit wegen der Nichterfüllung eines Mietvertrages.

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Entwicklung genau beobachten


Während man noch auf den einen Mieter wartet, bewerten die anderen das Geschäft eher mittelmäßig. Auch, weil eben genau ein Ankermieter fehlt. Von der Edeka-Minden-Stiftung, die die Bäckerei Schäfer's im Löwentor betreibt, heißt es: "Wir haben das Schäfer's-Fachgeschäft an der Löwenstraße 1 in Wolfenbüttel vor gut zwei Jahren eröffnet mit dem Ziel, den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort einen Treffpunkt zum Genießen und Verweilen zu bieten. Aufgrund der Pandemie war bereits der Start schwierig. Auch heute noch liegt das Fachgeschäft deutlich hinter den Erwartungen. Insbesondere die Laufkundschaft bleibt aufgrund der zahlreichen Leerstände in der unmittelbaren Umgebung aus. Als ein Tochterunternehmen der EDEKA Minden-Hannover haben wir die Möglichkeit, defizitäre Standorte länger als gewöhnlich zu halten. Aber auch wir müssen die Wirtschaftlichkeit langfristig berücksichtigen. Daher beobachten wir die Entwicklung des Fachgeschäftes in der Löwenstraße zurzeit sehr genau."

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Schwerer Start


Und auch das Fazit der Woolworth GmbH klingt nicht gerade überschwänglich. "Unser Kaufhaus in Wolfenbüttel hatte zugegebenermaßen einen vergleichsweise schweren Start. Der von uns als Mitmieter erwartete Drogeriemarkt dm hat den Standort auch nach zwei Jahren nicht realisiert. Die von uns erwarteten Synergieeffekte sind daher ausgeblieben. Zudem war der Standort kurz nach der Eröffnung vom ersten bundesweiten Lockdown betroffen. Der Aufbau eines festen Kundenstamms wurde daher durch die äußeren Einflüsse anfangs erschwert", teilt ein Unternehmenssprecher mit, der anfügt, dass man nach anfänglich herausfordernden Zeiten nun aber sehr zufrieden mit der weiteren Entwicklung sei. Auch ohne dm als Mitmieter würde man nun vor Ort immer mehr Menschen erreichen. Die Kundenfrequenz und Umsätze würden stetig ansteigen und die positive Entwicklung anhalten.

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Angefragt waren auch das Modeunternehmen Kult sowie der Gastronomiebetreiber. Beide äußerten sich auch auf mehrmalige Nachfrage leider nicht oder wollten keine Stellung beziehen. Allerdings geht aus einer früheren Berichterstattung hervor, dass man zumindest seitens der Gastronomie nicht ganz so glücklich sei. Vor allem Corona habe das Geschäft nachhaltig und negativ geprägt.

Verkauf noch immer Thema


Keine Stellung bezog auch iandus auf die Frage, wie weit denn die angekündigte und geplante Veräußerung des Komplexes ist. Die Stadt Wolfenbüttel war im Jahr 2018 mit einem Anteil von 80 Prozent bei der iandus Objektgesellschaft Wolfenbüttel l GmbH & Co. KG eingestiegen, gibt aber Presseanfragen an die Objektgesellschaft, also wieder an Benedikt Schmidt-Waechter, ab. Dieser erklärt: "Ja, die Absicht, das Löwentor zu veräußern, besteht unverändert. Über den Status von Verhandlungen, deren Erfolg von Vertraulichkeit lebt, kann ich Ihnen keine Informationen geben."

Sollte die Drogeriekette wirklich nicht ins Löwentor einziehen, wäre sie nicht der erste Mieter, der abspringt. Zu Beginn der Entwicklungsphase wurde die schwedische Modekette H&M als Ankermieter angepriesen. Doch wenig später platzten die Verhandlungen. Man sei zu keiner Einigung mit dem Investor gekommen, hieß es seinerzeit von H&M.


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