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Lückenschluss der A39: Forsa-Umfrage spaltet die Gemüter



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Lückenschluss der A39: Forsa-Umfrage spaltet die Gemüter

Während die Stadt Wolfsburg die Akzeptanz des Projekts bestätigt sieht, kritisiert die Gifhorner Landtagsabgeordnete Imke Byl die Umfrage als einseitig.

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Symbolbild Foto: pixabay

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Wolfsburg. Die von der IHK in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage zum Lückenschluss der A39 zwischen Wolfsburg und Lüneburg zeigt, dass sich die Menschen der Region deutlich für den Ausbau der Autobahn zwischen den beiden Städten aussprechen. Auch die Stadt Wolfsburg unterstützt den Lückenschluss. Das teilt die Stadt Wolfsburg in einer Pressemitteilung mit. Ganz anders sieht die Sache Imle Byl. Die Landtagsabgeordnete der Grünen aus Gifhorn kritisiert, die Umfrage sei einseitig, weil sie eine wichtige Alternative nicht berücksichtigt habe. Begrüßt wird die Umfrage dagegen vom SPD-Bundestagsabgeordneten Hubertus Heil und der IHK Braunschweig.



"Viele Pendlerinnen und Pendler sprechen mich an, dass sie sich eine bessere und schnellere Verbindung in den Norden wünschen", sagt Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs. "Der Lückenschluss der A39 wird einiges leichter machen." Für die Stadt Wolfsburg stelle die ausgebaute A39 eine wichtige Anbindung der Region Ostniedersachsen in den Norden dar und trage maßgeblich zur Attraktivität als Lebens- und Arbeitsstandort bei, zumal der Ausbau der Autobahn auch zur Verkehrsentlastung der Ortschaften in der Region beitragen werde. Nicht zuletzt deshalb fordern sowohl die Stadt, als auch die Betriebe und Unternehmen vor Ort bereits seit langer Zeit den schnellen Lückenschluss. Die Forsa-Umfrage unterstützt diese Forderung und zeigt die große Akzeptanz für das Infrastrukturprojekt in der Bevölkerung.

"Günstigere und umweltverträglichere Alternative unterschlagen"


Dem widerspricht Imke Byl gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Detlev Schulz-Hendel in einer Pressemitteilung. Die IHK habe den Ausbau der B4 als günstigere und umweltverträglichere Alternative unter den Tisch fallen lassen. Mit einer einseitigen Umfrage wolle die IHK Wolfsburg-Lüneburg den Anschein erwecken, dass der umstrittene Neubau der A39 in der Region gewollt sei. Auffallend an der am heutigen Donnerstag veröffentlichten Befragung des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag der IHK Lüneburg-Wolfsburg sei, dass wichtige Informationen ausgeklammert wurden. „Der vollständige Ausbau der Bundesstraße 4, der sich als Alternative anbietet, weil er viel günstiger und ökologisch sinnvoller als der Neubau der A39 ist, war überhaupt nicht Gegenstand der Befragung“, kritisiert der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag Detlev Schulz-Hendel. "Ich bin überzeugt, dass wir mit mehr Informationen über die Alternative zu immer neuem Beton und weiterer Landschaftszerstörung die große Mehrheit der Menschen überzeugen können."


„Gerade im Verkehrssektor sind in den letzten Jahren kaum Fortschritte mit Blick auf die Klimaziele gemacht worden. Offensichtlich haben CDU und SPD auch gar nicht den Willen, hier endlich die nötige Reduktion der klimaschädlichen Emissionen voranzubringen und damit europäische Klimaschutzverpflichtungen einzuhalten", so Imke Byl, klimapolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. Statt in teure neue Autobahnen müsse endlich mehr Geld in eine Mobilitätswende fließen, die die Alternativen stärke. Durch den zusätzlichen Flächenverbrauch würden die Bodenpreise außerdem weiter in die Höhe getrieben. "Wir Grüne wollen alle nicht im Bau befindlichen Autobahn-Abschnitte einer Klima-, Umwelt- und Bedarfsprüfung unterziehen. Dazu zählt auch der Neubau der A 39", betont Byl.

"Wichtige Impulse für die Ansiedlung neuer Unternehmen"


Der SPD-Bundestagsabgeordnete für Gifhorn und Peine Hubertus Heil sieht das ganz anders. In seinem Pressestatement heißt es: "Die A39 ist das wichtigste Infrastrukturprojekt im Landkreis Gifhorn. Deswegen freue ich mich sehr über die breite Befürwortung des Ausbaus quer durch die gesamte Bevölkerung im Landkreis. Der Lückenschluss wird wichtige Impulse für die Ansiedlung von neuen Unternehmen und damit von neuen Arbeitsplätzen, insbesondere im Nordkreis, geben. Ich werde mich in Berlin weiter mit voller Kraft für das Projekt einsetzen."

Ähnlich sieht man dies erwartungsgemäß bei der IHK Braunschweig. Der Lückenschluss stärke die gesamte Wirtschaftsregion Braunschweig-Wolfsburg, heißt es in einer Pressemitteilung. Die A39 sei neben der Weddeler Schleife das wohl wichtigste Verkehrsprojekt in unserer Region. Die Industrie- und Handelskammer Braunschweig unterstütze die Umsetzung der A39 und den damit zusammenhängenden Lückenschluss zwischen Lüneburg und Wolfsburg daher weiterhin nach Kräften. „Nur durch eine verbesserte Vernetzung von Ballungsräumen werden wir zukünftig die Stärkung unserer Wirtschaftsregionen von Braunschweig über Wolfsburg und Lüneburg bis nach Hamburg sowie einer Stärkung unserer Infrastruktur in Niedersachsen erreichen“, betont IHK-Präsident Tobias Hoffmann. „Zudem trage eine vollständig ausgebaute A39 zur Verlagerung von Verkehren von und nach Hamburg bei“, so Hoffmann weiter. „Solche Verkehrsverlagerungen beinhalten gleich mehrere positive Nebeneffekte. Insbesondere würde eine vollständig ausgebaute A39 andere, stark frequentierte Bundesstraßen und Bundesautobahnen wie die B4, die A2 oder die Nord-Süd-Hauptverkehrsachse A7 spürbar entlasten.“

Fast drei Viertel für den Ausbau


Wie die Forsa-Umfrage im Auftrag der IHK Lüneburg-Wolfsburg zeige, sei der Bekanntheitsgrad des Bauvorhabens auch sieben Jahre nach der ersten Befragung auf sehr hohem Niveau. Während sich ein Drittel der Personen im Panel noch umfassendere Informationen zum Planungsstand (Baubeginn, Dauer, Fertigstellung), zur endgültigen Trassenführung sowie mehr Transparenz in Bezug auf die Entscheidungsfindung wünschten, sei die Zustimmung für einen Ausbau der A39 seit 2015 gestiegen. Fast drei Viertel der Befragten befürworteten einen Ausbau. Insbesondere die gestiegene Zustimmung ist ein wichtiges Signal für das Vorhaben, findet Dr. Florian Löbermann: „Aufgrund der Verzögerungen durch langwierige Planfeststellungsverfahren, anderweitige Bürokratiehürden und Klageverfahren verschiedener Gruppen zieht sich die Umsetzung nun seit Jahren in die Länge. Mit Blick auf die Relevanz des Ausbaus der A39 für unseren Wirtschaftsraum gilt es, gerade an solchen Punkten gemeinsam mit unserer Schwester-IHK Lüneburg-Wolfsburg besonders auf die positiven und dringend notwendigen Effekte hinzuweisen und die Bürgerinnen und Bürger für die Bedeutung des Ausbaus der A39 in unserer Region zu sensibilisieren.“


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