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Merkel in Braunschweig: Frauen machen Deutschland stark!

von Alexander Dontscheff


Angela Merkel bei der Frauen Union in Braunschweig. Fotos: Nick Wenkel
Angela Merkel bei der Frauen Union in Braunschweig. Fotos: Nick Wenkel Foto: Archiv

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26.08.2017

Braunschweig. Zum Bundesdelegiertenkongress der Frauen Union eingeladen, machte Bundeskanzlerin Angela Merkel heute in Braunschweig Station. Vor begeistertem Publikum in der Stadthalle hielt sie eine knapp einstündige Rede, in der sie nicht nur auf die Bedeutung der Frauen in unserer Gesellschaft hinwies, sondern auch in den Wahlkampfmodus wechselte.



Von Beginn an fühlte sich die Kanzlerin sichtlich wohl. "Nichts gegen Herren im feinen Zwirn, aber so viel Buntheit ist auch schön. Ein toller Anblick", so ihr erster Eindruck der bunt gemischten, aus allen Landesteilen zusammengekommenen Delegierten der Frauen Union.Sie sei gerne gekommen. Sie wisse, dassviele Frauen sie unterstützten, gerade auch in der CDU/CSU.


"Für ein starkes Deutschland brauchen wir die Frauen. Frauen machen unser Land in ganz besonderer Weise stark", stieg Merkel dann ins Thema ein. Gerade in Kitas, Krippen, Schulen, da wo Kindern ein Rüstzeug mitgeben werde, würden überwiegend Frauen arbeiten. Gleiches gelte für die Pflege. "Wo Menschen für Menschen arbeiten, das ist leider noch immer eine Frauendomäne".

"Wir schreiben den Familien nichts vor"


Den Frauengebühre Dank.Doch heute geben sich Frauenmit einem einfachen Dankeschön nicht mehr zufrieden.Sie wollen teilhaben. Nicht nur beim Wählen, sie streben auch immer mehr eine Beteiligung an den Entscheidungsstrukturen an. Auch in ihrer eigenen Partei habe man sich damit lange beschäftigt. Bei ihrem ersten CDU-Parteitag1990sei die beste Frau nochHeiner Geißler gewesen, scherzte die Kanzlerin. Es habeviele Jahre gedauert, bisalle in der Union begriffen hätten, dass Wahlfreiheit wirklich Wahlfreiheit ist. Und dass Frauen manchmal anders entscheiden würden als Männer denken. Damit noch mehr Frauen wirklich zwischen Familie und Beruf wählen können, forderte Merkel nach dem Rechtsanspruch auf Kindergartenplatzund Krippeauch einen Anspruch aufNachmittagsbetreuung für den Grundschulbereich. "All dies dient der Wahlfreiheit. Wir schreiben Familien nicht vor, wie sie leben sollen!".


Angela Merkel wusste die Stadthalle hinter sich. Foto: Archiv


Volkspartei braucht Frauen in Entscheidungspositionen



Ein weiterer Punkt sei die Teilhabe an denEntscheidungsstellen in Politik und Wirtschaft.Sie befürchte, dass durch die zu erwartenden vielen erfolgreichen CDU-Direktkandidateneher weniger als mehr Frauen im nächsten Bundestag vertreten sein werden. Darüber müsse man nachdenken. Frauen würdenneue Themen mitbringen. "Wir brauchen als Volkspartei die Diversität: Jung und Alt, Frau und Mann, Arbeitnehmerund Arbeitgeber". Man brauche ausreichend Frauen in Entscheidungspositionen. Sonst werde das Volk nicht richtig wiedergegeben.

Werden Quoten in Aufsichtsräten ausgeweitet?


Hinsichtlich der Quote in Aufsichtsräten kündigte Merkel einen verschärften Gang an. Sie sei nicht immer dafürgewesen, habe aber feststellen müssen, dass es auf freiwilligem Wege nicht gehe. Bei den Dax notierten Unternehmen habe die Quote funktioniert. Von den kleineren Unternehmen hätten bei der Prognose viele "Null Prozent Steigerung" angegeben. Das provoziere, dass wir weitere rechtliche Regelungen machen werden, so Merkel.

Insgesamt gehe es Deutschland gut. Bei ihrem Amtsantritt habe es 5 Millionen Arbeitslose gegeben. 2017 habesich die Zahl mehr als halbiert. Dies seienimmer noch zu viel, vor allem die 1 Million Langzeitarbeitslose. Ein selbstbestimmtes Leben hänge am Arbeitsplatz. Wir müssen allen die Chance geben, die arbeiten möchten. Bis 2025 wolle sie Vollbeschäftigung erreichen. Dafür gebe es aber auch in denJobcentern noch Optimierungsbedarf."Die Beschäftigten sind das Rückgrat unserer sozialen Sicherheit. Umso mehr Menschen arbeiten, desto stabiler die Systeme", so Merkel.


Merkel wurde schon bei ihrer Ankunft umlagert. Foto:


Herausforderung neue Medien


Die modernen Medienseien Segen und Herausforderung gleichzeitig. Sie begrüße als Christdemokratin die verstärkten individuellen Möglichkeiten.Für die Führung einer Volkspartei sei es aber eine Herausforderung. "Wie finden wir noch eine gemeinsame Linie, wenn jeder schon seine Meinung über Facebook geäußert hat?"

In diesem Zusammenhang sprach sie auch die Globalisierung an.Sie dankte derFrauenunion für die Unterstützung in der Flüchtlingskrise2015. "Wir haben hautnah erfahren, was Globalisierung bedeutet. Wenn wir uns nicht darum kümmern, was in Afrika passiert, kommt die Welt zu uns. Wir können nicht in Frieden Leben, wenn uns alles andere egal ist", so die Kanzlerin. "Wir müssen alles dafür tun, dass auch woanders gut gelebt wird oder zumindest die Hoffnung auf ein gutes Leben besteht."

Ein Land, in dem wir gut und gerne Leben


In der Krise sei Europa ein wichtiger Faktor. 26 Partner mit denselben Werten zu haben, sei ein Pfund. Europa stärken, heiße daher Deutschland stärken. Doch was mache unsDeutscheaus? Was ist typisch deutsch? Die Kanzlerin verwies zum einen auf die Vielfalt der Regionen. Jeder lege Wert auf seine Heimat und die Geschichte der eigenen Region. "Die Geschichte zu kennen, ist ein fester Anker in der Zeit der Globalisierung. Unsere Vielfalt ist eine Stärke."Zum anderen nannte sie die25 Millionen Ehrenamtlichen, ob im Sportverein, bei derFeuerwehr oder dem THW. "Der Einsatz für andere prägt unsere Gesellschaft. Darauf können wir stolz sein", hob Merkel hervor. Insgesamt sei Deutschland ein Land in dem wir gut und gerne leben. An die Delegierten der Frauen Union gewandt forderte sie: "Sie sind alle Botinnen, die diese Botschaft weitertragen sollen".

Zum anstehenden Wahlkampf ("Die einen dürfen wählen, wir müssen kämpfen") formulierte sie vor allem ein Ziel.
"Gegen uns darf keine Regierung gebildet werden können. Wir haben keine Stimmen zu verschenken. Wir haben klare Aussagen gemacht: Keine Koalition mit den Linken und der AfD. Das vermisse ich bei der SPD!"

Weitere Impressionen vom Merkel-Auftritt sehen Sie hier:


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