Regionalverband: "Mehr Anstrengungen für den Klimaschutz notwendig"

Ein großes Problem sei immer noch der Verkehr.

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Symbolfoto. Foto: Pixabay

Region. Alle fünf Jahre legt der Regionalverband Großraum Braunschweig eine Energie- und Treibhausgasbilanz für die Region vor, aus der sich ablesen lässt, wie sich Energieverbrauch und -erzeugung in der Region entwickeln und wo Handlungsbedarfe zur Erreichung der Klimaschutzziele bestehen. Die Ergebnisse für den Zeitraum 2015 bis 2020 wurden nun dem Ausschuss für Regionalentwicklung präsentiert. Dies teilte der Verband mit.


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Insgesamt konnten die Treibhausgasemissionen um 6 Prozent gegenüber dem Beginn des Monitorings 2010 gesenkt werden und der Energieverbrauch ist um 7 Prozent zurückgegangen. Dass inzwischen der Strombedarf in der Region zur Hälfte aus erneuerbaren Energien gedeckt werden kann sowie der geringere Energieverbrauch im Gewerbe (minus 29 Prozent) und bei den Großverbrauchern (minus 13 Prozent), waren hier die entscheidenden Faktoren, ist sich der Verband sicher. Im Verkehrsbereich konnte hingegen kein Fortschritt festgestellt werden. Der Energieverbrauch ist hier sogar um 4 Prozent gestiegen. Aber auch bei den privaten Haushalten wurde der Verbrauch kaum gesenkt (minus 6 Prozent). Die Werte der in der Region ansässigen Großindustrie sind separat berechnet, denn diese arbeitet ihre Klimaschutzmaßnahmen eigenständig aus, Kommunen und Regionalverband hätten sehr geringen Einfluss darauf.

Verkehr ein Problem


„Die Ergebnisse sind eindeutig: Wir alle gemeinsam müssen mehr tun, um unser Klima zu schützen. Wir müssen endlich alte Gewohnheiten überdenken und unseren Energieverbrauch senken“, bilanziert Verbandsdirektor Ralf Sygusch. „Besonders deutlich wird dies im Bereich Verkehr: Der Anteil des Auto-Verkehrs an unserem Energieverbrauch und dem Ausstoß von Treibhausgasen ist nach wie vor viel zu hoch. Wir müssen häufiger öffentliche Verkehrsmittel und das Rad nutzen. Bund, Land, Kommunen und wir als Regionalverband müssen an einem Strang ziehen, um die Alternativen zum Auto noch attraktiver zu machen. Für die Verknüpfung der Verkehrsmittel und Vereinfachung der Mobilität haben
wir schon viele Ansätze. Aber es ist klar, dass wir für die Umsetzung vor allem eines starken ÖPNVs deutlich mehr Geld benötigen.“

Güterverkehr müsse klimafreundlicher werden


Der Verkehr hat mit 38 Prozent den höchsten Anteil am Energieverbrauch der Region. 63 Prozent der Energie hiervon verbrauchen die Autos, weitere 33 Prozent LKW und kleinere Nutzfahrzeuge, der ÖPNV lediglich 3 Prozent. Die Treibhausgasemissionen der Region kommen sogar zu 44 Prozent aus dem Bereich Verkehr. „Der Güterverkehr muss ebenfalls deutlich klimafreundlicher organisiert werden“, stellt Sygusch fest. „Mit einer regionalen Güterverkehrsstudie wird der Regionalverband auch hier demnächst erste Handlungsfelder vorschlagen.“

Die Bilanz des Regionalverbands soll vor allem auch den Kommunen der Region eine Grundlage bieten, um Klimaschutzkonzepte und Maßnahmen für sich vor Ort festzulegen. Sie bekommen die Daten in Kürze zur Verfügung gestellt. Ihre Bilanzen und Handlungspunkte unterscheiden sich teils deutlich. In der Gesamtbilanz der Region ist etwa der Energieverbrauch der privaten Haushalte für die Wärmeversorgung mit 33 Prozent Anteil ebenfalls nach wie vor ein wesentlicher Faktor. Einige Kommunen kommen hier jedoch auf deutlich bessere Werte. „Vor Ort praktische und innovative Lösungen zu finden, das ist die Herausforderung vor der die Kommunen stehen. Vorreiter-Projekte wie zum Beispiel der eines Energie-Eisspeichers in der Gemeinde Wahrenholz, im Landkreis Gifhorn können auch für andere Kommunen Anregungen geben“, konstatiert Erste Verbandsrätin Anna Weyde.

Effiziente Energieversorgung


Eine sehr wichtige Stellschraube sei ebenso, die Energieversorgung effizient zu gestalten. „Bei der Energieversorgung müssen die Leitungsnetze und die Möglichkeiten der Energiespeicherung stärker in den Fokus rücken. Denn derzeit können etwa Windenergieanlagen zeitweise aufgrund überlasteter Netze oder fehlender Speichermöglichkeiten ihren Strom nicht einspeisen. Auch an dieser Stelle sind wesentliche Verbesserungen möglich.“

Erfreulich sei, dass die Region immer unabhängiger von externer Stromversorgung werde. Bereits 2020 wurden 64 Prozent des benötigten Stroms in der Region erzeugt. Außerdem ist der Stromverbrauch seit 2010 um 14 Prozent zurückgegangen. Dass die Einspeisung von Strom, der mit erneuerbaren Energien erzeugt wurde, seit 2010 um 70 Prozent zugenommen hat, schlage sich positiv in der Treibhausgasbilanz nieder. Allerdings war die Steigerung im aktuellen Berichtzeitraum von 2015 bis 2020 recht gering. „Ich bin sehr sicher, dass die nächste Bilanz in diesem Bereich wieder viel besser ausfallen wird“, zeigt sich Weyde zuversichtlich.

„2020 haben wir 49 Vorranggebiete für Windkraft ausgewiesen, die das Potenzial haben, über 2.000 Megawatt Nennleistung in der Region zu installieren und damit rund 2,5 Millionen Personen mit Haushaltsstrom zu versorgen. Seitdem sind viele Anlagen gebaut worden und noch mehr bereits in konkreter Planung.“

Freiflächenphotovoltaik


In der Errichtung von Photovoltaik-Anlagen liegt weiteres Potenzial. Hierfür eignet sich vor allem der ohnehin bebaute Bereich, etwa Dächer, Lärmschutzwände oder Parkplätze. Auch zum Beispiel stillgelegte Tagebauflächen oder Wasserflächen können genutzt werden. „Zum Thema
Freiflächenphotovoltaik beraten wir die Kommunen. Privatleute können in unserem Solardachatlas online nachsehen, ob sich an ihren Häusern und Wohnungen eine Anlage lohnt“, erklärt Weyde. Auch die Nutzung von Sonnenenergie erlebe gerade einen immensen Schub.

Von 2015 bis 2020 hat die Einspeisung von Strom aus PV-Anlagen bereits um 22 Prozent zugenommen. Der Energieverbrauch der Region lag 2020 bei insgesamt etwa 27.300 Gigawattstunden. Mit Großindustrie ist der Energieverbrauch nahezu doppelt so hoch (plus etwa 24.500 Gigawattstunden). Die Treibhausgasemissionen der Region lagen bei 7,4 Millionen Tonnen pro Jahr und 6,6 Tonnen pro Einwohner. Das sind 10 Prozent unter dem Vergleichswert für Deutschland. Bezieht man die Großindustrie ein, sind die Emissionen mehr als doppelt so hoch.

Großindustrie außen vor


Als Handlungsgrundlage für die Region und die Kommunen dienten die Werte ohne die Großindustrie, denn Kommunen und Regionalverband haben wenig Einfluss darauf. Für einen deutschlandweiten Vergleich seien ebenfalls die Werte ohne Großindustrie zielführender, da in der Region deutlich mehr Großindustrie ansässig ist als im deutschlandweiten Durchschnitt. Insgesamt bildete der Großraum Braunschweig (ohne die Großindustrie) die Strukturen und Handlungsbedarfe in Deutschland recht gut im Kleinen ab.


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