Salzgitter. Ein besonderes Musical wird am Samstag, 14. November, um 19 Uhr in der Aula Fredenberg aufgeführt – „Baha und die wilden Siebziger“. Darauf macht die Stadt Salzgitter in einer Pressemitteilung aufmerksam.
Im 65. Jubiläumsjahr des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei, das vielen sogenannten „Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern“ den Weg in die Fremde und in eine ungewisse, aber hoffnungsvolle Zukunft ebnete, bringt das Sanat Ensemble mit „Baha und die wilden Siebziger“ ein bedeutendes Stück deutscher Migrations- und Arbeitergeschichte nach Salzgitter auf die Bühne. Mit 22 Akteuren auf der Bühne – Schauspieler, Zeitzeugen, einem Frauenchor und Live-Band – bringt das Sanat Ensemble ein fast vergessenes Kapitel deutscher Geschichte zurück ins Rampenlicht.
Ein tatsächliches Ereignis
Die Handlung bezieht sich auf ein tatsächliches Ereignis: Ende August 1973 legten rund zehntausend Beschäftigte bei Ford in Köln spontan und „wild“ die Arbeit nieder. Sie forderten gleichen Lohn für gleiche Arbeit unter menschenwürdigen Bedingungen und protestierten gegen schwierige Arbeitsbedingungen, die Benachteiligung ausländischer Beschäftigter sowie mangelnde Mitbestimmung.
Die Streikenden besetzten das Werksgelände. Tagsüber protestierten sie, nachts tanzten sie. Das war ein Tanz auf dem Rücken des Tigers. Der Streik wurde gewaltsam beendet. Der von vielen als „Cohn-Bendit der Gastarbeiter“ bezeichnete charismatische Sprecher Baha Targün wurde jedoch zur Kultfigur. Später geriet er dafür allerdings juristisch massiv unter Druck.
Ein musikalisches Denkmal
Auf Grundlage der Erinnerungen ehemaliger Aktivistinnen und Aktivisten schrieb Nedim Hazar ein Musical über dieses einst legendäre Ereignis. Es versteht sich als musikalisches Denkmal für die erste Generation türkischer Migranten. Baha und die wilden 70er erzählt vom Traum dieser Menschen von einem besseren Leben, von ihrer Sehnsucht nach der verlassenen Heimat und von ihrem Kampf um Anerkennung. Dabei wird das Publikum auf eine Zeitreise in ein Jahrzehnt des gesellschaftlichen Aufbruchs versetzt. Eine Reise zwischen Hotpants, Blumenkindern, Ford Transit, Blauer Bock und Mao-Bibel.
Live gespielt von einer Rockband, einem Streichertrio und türkischen Instrumentalisten, sind die Songs von internationalen Musicals aus der Zeit, wie „Hair“, „Anatevka“ und der Rockoper „Tommy“ inspiriert. Regisseur Tony Dunham ist Engländer und Nedim Hazar wuchs in den 70ern in Sydney auf. Den Titelsong „Eine Mark mehr für alle!“ steuerte Hazars Sohn, der Rapper Eko Fresh, bei. Darin verdichtet er das Lebensgefühl vieler Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter der 1970er Jahre in den Zeilen: „Du bist ein Niemand, mach mal weiter, immer am Fließband, Gastarbeiter.“
Hier gibt es Karten
Veranstalter ist der Fachdienst Kultur der Stadt Salzgitter in Kooperation mit der IG Metall Salzgitter-Peine und dem Betriebsrat der Salzgitter Flachstahl GmbH. Karten gibt es online unter www.salzgitter.de/kulturvomamt und an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Weitere Infos zum Musical gibt es unter www.sanat-ensemble.de.


