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Schulalltag nach den Sommerferien? Kultusminister wird scharf kritisiert

Die FDP und die niedersächsischen Lehrkräfte trauen dem Minister nicht zu, den Fachkräftemangel an vielen weiterführenden Schulen beseitigen zu können.

Wie wird die Schule nach den Sommerferien weitergehen? Darauf wusste Kultusminister Tonne heute keine rechte Antwort. Symbolbild.
Wie wird die Schule nach den Sommerferien weitergehen? Darauf wusste Kultusminister Tonne heute keine rechte Antwort. Symbolbild. Foto: Pixabay

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01.07.2020

Region. Die Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag hat eine dringliche Anfrage zur Schulplanung nach den Sommerferien gestellt. Auf diese Anfrage hat der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne am heutigen Mittwoch im Landtag reagiert. Seine Prognosen blieben dabei wenig konkret, was die FDP und auch der Verband niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) kritisieren. Laut der FDP und des VNL bestehe nach wie vor eklatanter Lehrermangel an vielen weiterführenden Schulen. Diesem Fachkräftemangel scheine der Minister wenig entgegen setzen zu können, so die Kritik.



"Nach der vollständigen Schließung der Schulen am 16. März, der Vorbereitung und erfolgreichen Durchführung der Abschluss- und Abiturprüfungen und einer Übergangsphase der stufenweisen Rückkehr aller Schülerinnen und Schüler in den Präsenzunterricht sind die Planungen für das neue Schuljahr auf den Weg gebracht, trotz unklarer Entwicklung der Infektionslage.

Wir werden vor Beginn der Sommerferien das Szenario vorstellen, von dem wir uns wünschen und erhoffen, dass es zum neuen Schuljahr eintritt. Drei Szenarien sind denkbar: 1. der eingeschränkte Regelbetrieb, 2. ein hybrider Schulbetrieb unter einem erhöhten Infektionsgeschehen, 3. erneute komplette Schulschließungen aufgrund einer, gegebenenfalls regional, erheblich erhöhten Infektionslage. Auf Ebene der KMK haben wir als Länder das gemeinsame Ziel formuliert, dass der Regelbetrieb, soweit das Infektionsgeschehen es zulässt, ab dem kommenden Schuljahr möglichst wieder aufgenommen werden soll. Dieses gemeinsame Vorgehen ist zu begrüßen; es entspricht dem niedersächsischen Wunsch nach so viel Normalität wie möglich. Daher planen wir auch auf der Basis von Normalität. Diese Klarheit, Handlungssicherheit und Planbarkeit ist wichtig für die Schulen, aber auch für die Schülerinnen und Schüler sowie Eltern und Erziehungsberechtigten.

Keiner von uns weiß, in welcher Situation wir uns Ende August befinden werden. Deshalb entwickeln wir die verschiedenen Szenarien mit einer klaren Präferenz für das höchst mögliche und zu verantwortende Maß an Normalität. Es gilt aber auch danach, dass wir die Infektionslage regelmäßig bewerten und nötigenfalls Konsequenzen ziehen werden", so die Ausführungen des Kultusministers.

FDP kritisiert unklare Handlungsempfehlungen des Ministers



Zu den Aussagen von Minister Tonne zum zukünftigen Schulbetrieb im heutigen Landtagsplenum erklärt der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Björn Försterling:


"Kultusminister Tonne lässt die Schulen nach wie vor im Dunkeln darüber, wie in das neue Schuljahr gestartet werden soll. Zwei Wochen vor Ende des aktuellen Schuljahres kündigt er nur an, in Kürze ein Konzept vorzulegen. Die von ihm dargestellten Szenarien sind allen Beteiligten bekannt, aber wie er darauf reagieren will, bleibt unklar. Auch die Frage, ob genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen, ist offen. Jede vierte ausgeschriebene Stelle ist derzeit noch unbesetzt. Damit ist für das kommende Schuljahr nur eins klar: Der Lehrermangel bleibt bestehen, darauf ist leider Verlass bei dieser Regierung."

Lehrkräfteverband kritisiert Vagheit der Ideen des Ministers



"Keiner kann zum derzeitigen Zeitpunkt konkret und verbindlich vorhersagen, wie es nach den Sommerferien mit der Schule in Niedersachsen wirklich weitergehen wird. Insofern sind wir nicht verwundert, dass Kultusminister Grant Hendrik Tonne heute im Landtag nichts Neues in Bezug auf Schule in Coronazeiten nach den Sommerferien gesagt hat.
Seine Antwort auf die dringliche Anfrage von Bündnis90/Die Grünen hat aber deutlich gemacht, dass wir weiterhin vor großen Problemen stehen werden und die Ideen des Kultusministeriums zur Lösung dieser sehr begrenzt und vage sind. Fakt bleibt, dass die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr ganz besonders in den nicht-gymnasialen Schulformen noch immer nicht gesichert ist. Da helfen auch keine Konstrukte wie die mögliche Einstellung von Quereinsteigern mit Fachhochschul- statt Universitätsabschluss. Diese wenigen Quereinsteiger werden die oft mangelhafte Unterrichtsversorgung an Ober-, Real- und Hauptschulen nicht wirklich nachhaltig verbessern können. Es rächt sich jetzt, dass in der Vergangenheit nicht genug für die Attraktivität des Lehrerberufes gerade auch für diese Schulformen getan worden ist", so die Kritik aus den Reihen der Lehrkräfte.


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