Braunschweig/Wolfenbüttel.In Braunschweig genügt vielen Fahrgästen ein Griff zum Smartphone: App öffnen, Ziel eingeben, Fahrt bestellen. Im Landkreis Wolfenbüttel stellt sich dagegen oft eine andere Frage: Kommt überhaupt noch ein Taxi?
Wer in Braunschweig eine Fahrt braucht, ruft nicht mehr automatisch bei der Taxizentrale an. Viele buchen per App. Seit Februar 2025 vermittelt auch Uber Fahrten in der Stadt. Für das Taxigewerbe verschärft sich damit der Wettbewerb in einem Gewerbe, das bereits mit steigenden Kosten und Personalmangel zu tun hat. Nach Angaben von Shirin Schönberg, Sprecherin der Stadt Braunschweig, sind derzeit rund 90 Mietwagenkonzessionen erteilt. Etwa 45 dieser Fahrzeuge werden über Plattformen vermittelt. Damit entfällt rund die Hälfte der genehmigten Mietwagen auf das Plattformgeschäft.
Konkurrenzkampf auf dem Taxi-Markt
Für Fahrgäste wird die Buchung einfacher. Sie sehen die voraussichtliche Ankunft des Fahrzeugs und erhalten vorab einen Preis oder eine Kostenschätzung. Für Taxiunternehmen bedeutet das mehr Konkurrenz um Aufträge und Sichtbarkeit.
An den gesetzlichen Anforderungen für Mietwagenunternehmen hat sich laut Stadt nichts geändert. Verlangt werden Zuverlässigkeit, finanzielle Leistungsfähigkeit, fachliche Eignung sowie ein Betriebssitz mit Abstellplatz. Für die Genehmigung spielt es keine Rolle, ob Fahrten über eine Zentrale, direkt beim Unternehmen oder über eine Plattform vermittelt werden.
Die Stadt kontrolliert die Einhaltung der Vorschriften nach eigenen Angaben mit den vorhandenen Kapazitäten. Auch Hinweise Dritter werden geprüft. Im Mittelpunkt steht, ob die Vorgaben des Personenbeförderungsrechts eingehalten werden.
Uber zufrieden, nennt aber keine Zahlen
Uber bewertet den Start in Braunschweig positiv. Uber-Sprecherin Maja Ruhbach erklärt auf Anfrage von regionalHeute.de, man sei mit der Entwicklung des Angebots „sehr zufrieden“. Die Nachfrage sei „hoch“ und werde von den Nutzerinnen und Nutzern „gut angenommen“.
Nach Darstellung des Unternehmens soll Uber den öffentlichen Nahverkehr „ergänzen“ und eine Möglichkeit bieten, wenn Bus oder Bahn „keine passende Verbindung“ anbieten. Wie stark Uber den Markt in Braunschweig verändert, bleibt offen. Das Unternehmen nennt weder die Zahl der Partnerbetriebe noch die Zahl der Fahrzeuge oder vermittelten Fahrten.
Verband warnt vor Wettbewerbsdruck
Der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen sieht die Entwicklung kritisch. Geschäftsführer Harald Gast betont, das niedersächsische Taxigewerbe scheue „keinen Wettbewerb mit Plattformanbietern“. Entscheidend sei aber, dass „die Spielregeln, sprich die gesetzlichen Vorgaben aller am Markt Beteiligten“ eingehalten und kontrolliert würden. Das sei aus Sicht des Verbandes „derzeit nicht“ ausreichend der Fall.
Taxis unterliegen der Tarifpflicht, der Beförderungspflicht und der Betriebspflicht. Mietwagenbetriebe sind nicht an feste Taxitarife gebunden. Nach einem Auftrag müssen sie grundsätzlich zum Betriebssitz zurückkehren, wenn kein neuer Fahrauftrag vorliegt. Gast fordert deshalb „konsequente Kontrollen“ bei Arbeitszeiten, Löhnen, Sozialabgaben und der Einhaltung des Personenbeförderungsrechts. Fairer Wettbewerb sei nur möglich, wenn für alle Anbieter „dieselben Regeln“ durchgesetzt würden.
Zoll kontrolliert die Branche
Auch der Zoll kontrolliert Taxi- und Mietwagenunternehmen. Das Hauptzollamt Braunschweig verweist auf die Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Sie prüft unter anderem „Löhne, Sozialabgaben und Beschäftigungsverhältnisse“.
Für das Jahr 2024 nennt das Hauptzollamt für den Bereich Braunschweig, Hildesheim und Göttingen insgesamt „44 Prüfungen“ im Taxi- und Mietwagengewerbe. Darunter waren „15 Arbeitgeberprüfungen“ sowie Kontrollen von „55 Beschäftigten“. Ob Fahrten über Taxizentralen oder Plattformen vermittelt werden, spielt bei diesen Kontrollen „keine Rolle“. Zu möglichen Anpassungen der Prüfstrategie im Zusammenhang mit Plattformdiensten äußert sich das Hauptzollamt nicht.
Wolfenbüttel kämpft mit einem anderen Problem
Während in Braunschweig neue Anbieter den Wettbewerb verschärfen, geht es im Landkreis Wolfenbüttel um die Grundversorgung. Seit Jahren werden dort „immer weniger Taxi-Konzessionen“ nachgefragt. Nach Angaben von Mareike Brandes aus der Kreisverwaltung begann dieser Rückgang bereits, bevor Plattformanbieter in der Region „eine größere Rolle“ spielten. Welche Folgen Uber oder andere Vermittlungsdienste für den Markt haben, kann Brandes „nicht beziffern“. Eigene Marktanalysen "liegen nicht vor".
Für viele Fahrgäste im Landkreis ist nicht entscheidend, ob sie per App oder Telefon buchen. Entscheidend ist, ob ein Wagen verfügbar ist. Besonders abends, bei Arztterminen oder in kleineren Orten wird das Angebot dünner.

