Bus nur stündlich: So scheitert die Verkehrswende vor unserer Haustür


Alle reden von Verkehrswende – aber wer auf dem Land den Bus verpasst, hängt schnell in der Luft. Warum sollten Menschen umsteigen, wenn das Auto verlässlicher ist als der Fahrplan?

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Region. Busse und Bahnen gelten als zentraler Baustein der Verkehrswende, auch in unserer Region. Mit dem Deutschland-Ticket fahren viele Pendler günstiger als mit früheren Zeitkarten. Entscheidend bleibt jedoch, ob das Angebot den Anforderungen des Alltags standhält.



Verspätungen, Zugausfälle und verpasste Anschlüsse sorgen immer wieder für Frust. „Wer sich im Berufsverkehr nicht auf Bus und Bahn verlassen kann, steigt gar nicht erst um“, sagt Malte Diehl, Landesvorsitzender von Pro Bahn Niedersachsen / Bremen. Nach Einschätzung des Fahrgastverbands bremst genau das die Entwicklung des Nahverkehrs: Wo das Angebot nicht überzeugt, bleiben Fahrgäste aus.

Bahn als Hauptkritikpunkt


In der Region Braunschweig soll der ÖPNV attraktiver werden. Auf einzelnen Verbindungen wurden Fahrpläne erweitert, in Wolfenbüttel wurde das Stadtbussystem neu geordnet, im Umland ergänzen Rufbusse und On-Demand-Angebote das bestehende Netz. Trotzdem stoßen viele Nutzer weiterhin auf Schwierigkeiten. „Der Hauptkritikpunkt unserer Mitglieder ist die Unzuverlässigkeit der Bahn: Verspätungen, Zugausfälle und verpasste Anschlüsse“, so Diehl weiter. Wer regelmäßig zusätzliche Wartezeiten einkalkulieren muss, verliert schnell die Bereitschaft, den Nahverkehr dauerhaft zu nutzen.

Wenn der Bus nur jede Stunde kommt


In Großstädten fällt ein verpasster Bus oft kaum ins Gewicht. Die nächste Verbindung folgt wenige Minuten später. In vielen kleineren Orten sieht das anders aus. Dort fahren Busse auf zahlreichen Linien lediglich im Stundentakt. Abends und an Wochenenden werden die Abstände häufig noch größer.

„Gerade im ländlichen Raum ist das Angebot häufig so dünn, dass Bus und Bahn für viele einfach nicht infrage kommen“, erklärt der Pro-Bahn-Chef. Für Beschäftigte im Schichtdienst, Eltern mit festen Betreuungszeiten oder Menschen mit mehreren Terminen an einem Tag kann das schnell zum Problem werden. Schon kleine Verzögerungen wirken sich auf die gesamte Planung aus.

"Nicht warten, bis die Busse voll sind“


Genau an diesem Punkt setzt die Kritik des Fahrgastverbands an. Ein ausgedünnter Fahrplan führt oft zu geringer Nutzung. Gleichzeitig bleibt der Ausbau aus, weil die Nachfrage als zu niedrig gilt. „Wenn man Menschen wirklich vom Auto wegholen will, muss man zuerst den Takt verbessern – nicht warten, bis die Busse voll sind“, erzählt Diehl.

Mit dem Deutschland-Ticket sind Bus und Bahn für viele Berufspendler günstiger geworden. Nach Einschätzung von Pro Bahn sparen regelmäßige Nutzer gegenüber früheren Zeitkarten häufig deutlich. „Der Preis ist eigentlich das geringste Problem“, sagt Diehl. Ausschlaggebend sei, ob eine Verbindung zuverlässig nutzbar ist.

Gerade in der Region Braunschweig zeigt sich dieser Unterschied im Alltag. Wer nur an einzelnen Tagen ins Büro fährt oder zu wechselnden Zeiten arbeitet, braucht verlässliche Verbindungen in beide Richtungen. Fällt eine Fahrt aus oder endet das Angebot am Abend zu früh, entstehen schnell praktische Probleme. „In solchen Situationen ist das Auto für viele die einzige verlässliche Option“, heißt es von Pro Bahn.

Digitalzwang, Barrieren und Informationslücken


Neben dem Fahrplan gibt es weitere Kritikpunkte. Pro Bahn bemängelt, dass das Deutschland-Ticket als Abo angeboten wird und vielerorts vor allem digital bestellt oder verwaltet werden kann. „Wir sehen einen klaren Smartphone- und Abo-Zwang, der gerade ältere oder weniger technikaffine Menschen abschreckt“, berichtet Diehl.

Hinzu kommen Hindernisse, die Fahrgäste seit Jahren begleiten. Nicht überall sind Haltestellen barrierefrei erreichbar, Aufzüge fallen aus und Informationen bei Baustellen sind teilweise schwer nachvollziehbar. Der Regionalverband Großraum Braunschweig verweist auf Investitionen in Infrastruktur und Fahrgastinformation. Gleichzeitig belasten steigende Kosten, Personalmangel und laufende Sanierungen die Umsetzung weiterer Maßnahmen.

Auch aktuelle Hinweise zu Verspätungen oder Anschlüssen stehen nicht an jeder Haltestelle in gleicher Qualität zur Verfügung. Vor allem an kleineren Stationen fehlen Informationen teilweise oder erreichen Fahrgäste erst verspätet. Für Menschen mit Behinderung, ältere Fahrgäste oder Familien mit Kinderwagen macht das den Weg mit Bus und Bahn zusätzlich schwer.

Verbünde zwischen Anspruch und Kassenlage


Verkehrsverbünde und Verkehrsunternehmen verweisen auf Verbesserungen. Gleichzeitig stehen viele Verkehrsunternehmen unter finanziellem Druck. Höhere Betriebskosten, fehlendes Personal und eine stark beanspruchte Infrastruktur begrenzen die Möglichkeiten für zusätzliche Angebote. Der Ausbau des Nahverkehrs hängt vielerorts direkt von den verfügbaren Mitteln ab.

Warum für viele weiterhin das Auto gewinnt


Für viele Menschen entscheidet sich die Wahl des Verkehrsmittels nicht in politischen Debatten, sondern zwischen Haustür und Arbeitsplatz. Wie schnell eine Verbindung ist, ob Umstiege funktionieren und ob auch am frühen Morgen oder späten Abend noch Fahrten angeboten werden, spielt dabei eine zentrale Rolle.

„Viele Fahrgäste sagen uns ganz klar: Das Auto bringt mich zuverlässiger ans Ziel als der aktuelle Fahrplan“, berichtet Diehl. Das Auto ermöglicht direkte Wege ohne Umstieg und ist unabhängig von festen Fahrzeiten verfügbar.

Wer morgens vor dem Berufsverkehr unterwegs ist, spät von der Arbeit zurückkehrt oder regelmäßig zwischen mehreren Orten pendelt, ist häufig auf Verbindungen angewiesen, die über den klassischen Berufsverkehr hinausreichen. Genau dort zeigen sich vielerorts die Unterschiede zwischen dem bestehenden Angebot und den Anforderungen des Alltags.