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Nach Schlag gegen Anlagebetrug im Internet: Ermittlungen stehen noch am Anfang



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"Viele wissen noch gar nicht, dass sie Geschädigte sind"

Nach dem Schlag gegen den Anlagebetrug im Internet, gaben die Ermittler heute weitere Details bekannt. Doch die Arbeiten stehen erst am Anfang.

von Alexander Dontscheff


Symbolbild
Symbolbild Foto: Polizei

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Region. In der vergangenen Woche gelang Ermittlern aus Braunschweig und Rostock in Kooperation mit ihren internationalen Kollegen ein Schlag gegen den Anlagebetrug im Internet (regionalHeute.de berichtete). Im Rahmen einer Pressekonferenz am heutigen Montag gaben die Verantwortlichen Auskunft über weitere Details. Dabei wurde deutlich: Auch nach dem Tag des Zugriffs am vergangenen Mittwoch. dem sogenannten "Action Day", stehen die Ermittlungen noch am Anfang.



Jeder hat sie wohl schon einmal gesehen: Internetwerbung, in der Prominente in scheinbaren Presseberichten todsichere Methoden zur Geldvermehrung anpreisen. Klickt man auf diese - natürlich gefakten - Artikel, wird man auf eine Seite geleitet, in der der Handel mit sogenannten binären Optionen geführt wird. Das heißt man kann Geld darauf setzen, ob ein Ereignis eintritt oder nicht. Dieses Geschäftsmodell sei generell umstritten, aber nicht überall illegal. Doch in dem Fall, der aktuell in das Visier der Ermittler geraten ist, handele es sich bei den Anbietern um reine Betrüger. Die Opfer würden von geschickten Brokern dazu veranlasst, immer mehr Geld einzusetzen. Doch Gewinne würden nie ausgezahlt.

Das Verbrechen als Service


Den Stein ins Rollen brachten zwei Fälle parallel in Göttingen und Rostock. Während der Geschädigte in Rostock mit 500 Euro Schaden glimpflich davon kam, hatte der Betroffene in Göttingen 250.000 Euro verloren. Schnell wurden weitere, ähnliche Fälle bekannt, sowohl in der Region Braunschweig, als auch in Rostock. Es reifte die Erkenntnis, dass man nur in enger Kooperation der Ermittlungsbehörden Erfolg haben könne. Das Problem sei, dass die Täter international vernetzt seien und eine klare Aufgabenteilung betrieben würde. Während die Software vermutlich in Israel entwickelt wurde, seien die Callcenter in Bulgarien betrieben worden, die IT habe in der Ukraine gestanden. Die Geldwäsche sei ein weiterer Zweig gewesen. Als "Crime as a Service" könne man diese Methode bezeichnen, so Mario Krause vom Fachkommissariat Cybercrime der Polizeidirektion Braunschweig. Dem könne man nur "Investigation as a Service" entgegensetzen. Dementsprechend hätten sich die Ermittlungsbehörden auch jeweils auf einen Teilaspekt konzentriert.



Nach fast zwei Jahren Vorarbeit habe nun der "Action Day" stattgefunden. Mit Unterstützung der internationalen Kollegen wurden 400 Server beschlagnahmt, diverse Konten eingefroren, zahlreiche Plattformen vom Netz genommen. Eine Person sei festgenommen worden. Diese wurde aber nach Zahlung einer Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Ein Auslieferungsantrag sei gestellt. Wie die Ermittler betonten, würde die eigentliche Arbeit aber erst jetzt beginnen. Die beschlagnahmten Server müssten ausgewertet werden, den Personen müsste die individuelle Schuld nachgewiesen werden. Dafür sei es wichtig gewesen, dass die Durchsuchungsaktionen schlagartig durchgeführt wurden. So konnten mögliche Täter auf frischer Tat ertappt und Rechner unverschlüsselt sichergestellt werden. Ob Geschädigte etwas von ihrem Geld zurückerhalten, in dieser Frage konnten die Ermittler wenig Hoffnung machen. Die Gelder seien schnell in sogenannte Kryptowährungen umgewandelt worden, die sich kaum nachverfolgen ließen. Die Auswertung der eingefrorenen Konten könne aber eventuell mehr Klarheit bringen.

Hohe Dunkelziffer


Welchen Schaden die Betrüger angerichtet haben und was durch die nun erfolgte Aktion verhindert werden konnte, dazu gibt es nur vage Zahlen. Man gehe aber von etwa 1.000 Geschädigten und zirka 2 Millionen Euro Schaden in Deutschland jährlich aus. Weltweit seien es 500 Millionen Euro jährlich. Doch die Dunkelziffer sei hoch. "Viele wissen noch gar nicht, dass sie Geschädigte sind", so die Ermittler.


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