Wird Helmstedt Sitz einer großen Behörde?

Im vergangenen Januar beschlossen die Bundesländer Online-Glücksspiel zu legalisieren und in der Folge auch zu regulieren. Dazu soll eine Behörde gegründet werden, die die neuen Regeln umsetzen soll. Nach Willen zweier Landtagsabgeordneter soll Helmstedt Heimat dieser neuen Behörde werden. Der Erfolg des Projekts ist allerdings alles andere als sicher.

von Niklas Eppert


Das Online-Glücksspiel wird ab dem kommenden Jahr durch alle Länder reguliert. Kann Helmstedt davon profitieren? Symbolbild.
Das Online-Glücksspiel wird ab dem kommenden Jahr durch alle Länder reguliert. Kann Helmstedt davon profitieren? Symbolbild. Foto: pixabay

Helmstedt. In einer Kolumne forderte das Politmagazin "Rundblick Niedersachsen", die zentrale Glücksspielbehörde der Bundesländer nach Helmstedt zu holen. Dabei würde laut "Rundblick" eine dreistellige Zahl an Verwaltungsstellen geschaffen werden. Einfach wird die Ansiedlung jedoch nicht: Auch Standorte aus Schleswig-Holstein, Hessen und Nordrhein-Westfalen haben Interesse bekundet.


Als am Freitag die Landtagsabgeordneten Jörn Domeier (SPD) und Veronika Koch (CDU) die Hauptverwaltungsbeamten des Landkreises, die Bürgermeister und den Landrat, in den Landtag einluden, sei das Thema auf der Tagesordnung gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung von Veronika Koch. Man sei, so bestätigte das Büro der CDU-Abgeordneten im Gespräch mit regionalHeute.de, bei den anwesenden Staatssekretären auf "offene Ohren" gestoßen. Man habe signalisiert bekommen, dass auch in der Landesregierung grundsätzlich Bereitschaft bestünde, sich für das Thema einzusetzen. Bereits im Januar hatte Koch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) einen Brief übergeben, in dem sie um Unterstützung für die Ansiedlung bat.

Jörn Domeier rät allerdings noch zur Vorsicht: "Wir sollten Ruhe bewahren!", glaubt der Sozialdemokrat und ist dabei auf der Linie von Ministerpräsident Stefan Weil. Der mahnte bereits mehrfach an, dass der Prozess noch am Anfang stünde, immerhin müsse der im Januar beschlossene Staatsvertrag erst einmal durch die Ministerpräsidenten angenommen und durch die Landesparlamente ratifiziert werden. Erst dann würde eine Behörde gegründet, die die Regularien des Staatsvertrages umsetzen soll. Und erst mit der Gründung könne man auch über ihren Standort sprechen. Zumal laut Domeier die Aufgaben der Behörde noch konkretisiert werden müssten. Daher wolle er nicht die Pferde scheu machen: "Wir sollten erst laut darüber reden, wenn wir Konkretes wissen", glaubt der Sozialdemokrat.

Helmstedt: Der perfekte Standort?


Die Hauptverwaltungsbeamten seien sich allerdings parteiübergreifend einig gewesen, dass das Land Niedersachsen sich um die Behörde bemühen müsse. In der Landesregierung ist allerdings weniger Einigkeit zu spüren. Während Wirtschaftsminister Bernd Althusmann nach vorn preschte und den Helmstedter Hut in den Ring warf, pfiff Stephan Weil seinen Wirtschaftsminister zurück. Für ihn kämen solche öffentlichen Forderungen "zur Unzeit", wenn man den aktuellen Stand der Verhandlungen bedenke. Am morgigen Donnerstag stünde erst die Annahme durch die Ministerpräsidenten an.

Über die Vorteile des Standortes Helmstedt sind sich Veronika Koch und Jörn Domeier jedoch einig. Das ehemalige Revier sei nicht nur zentral in Deutschland gelegen, es sei auch auch infrastrukturell hervorragend geeignet. Immerhin sei Helmstedt direkt an der A2 gelegen und bekäme in naher Zukunft einen flächendeckenden Glasfaseranschluss. Auch freie Flächen und geeignete Gebäude seien ausreichend vorhanden, sind sich die Abgeordneten sicher. Und, fügt Domeier hinzu: "Wir liegen zwischen sehr guten Universitäten, die die nötige IT-Kompetenz liefern können". Dazu käme, so ein Sprecher Veronika Kochs, dass Helmstedt eine "hervorragende Förderkulisse" böte. Eine handfeste Entscheidung stünde jedoch noch aus. Es könne noch Wochen oder Monate dauern, bis eine Entscheidung gefällt wird. Nur eins ist sicher: Der Glücksspielstaatsvertrag soll ab Juni 2021 in Kraft treten. Bis dahin muss es auch eine entsprechende Behörde geben.


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