Wolfenbüttel. Vom 30. August bis 1. September 2015 findet die Tagung "Anstecken" in der Bundesakademie Wolfenbüttel statt. Hier soll künstlerisches Praxiswissen exemplarisch durch die Arbeit und Experimente in verschiedenen "Laboren" sichtbar gemacht und modellhaft beschrieben werden. Was genau es damit auf sich hat, erklärt der nachfolgende Bericht von Jan Lauer, Pressesprecher der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel e.V., der an dieser Stelle ungekürzt und unkommentiert von RegionalWolfenbüttel.de veröffentlicht wird.
21. August 2015 – Achtung: Auf unserer Tagung könnten Sie sich einen Inspirationsvirus einfangen. Woher kommt das Neue im kreativen Prozess? Wie wird aus einem abstrakten Gedan-ken etwas Reales? Was (er-) proben wir, wenn wir proben? Mit wem partizipieren wir und mit wem nicht? Diesen und anderen Fragen wollen wir auf der Labortagung »Anstecken!« nachgehen.
Gemeinsame Suche nach Qualitätskriterien für die Kunst
Ziel der Labortagung ist, sich über Qualitätskriterien zu verständigen, die aus der Kunst heraus formuliert und legitimiert sind. Künstlerinnen und Künstler verfügen über einen breiten künstlerischen Erfahrungsschatz und über Kriterien, nach denen sie ihre Projekte gestalten und beurteilen. Doch bleibt gemeinhin der Raum für die Untersuchung und den Austausch dieses künstlerischen Wissens bei der Durchführung von Projekten der Kulturellen Bildung ausgeklammert. Die Labortagung arbeitet darauf hin, künstlerisches Praxiswissen exemplarisch sichtbar zu machen und modellhaft zu beschreiben. »Anstecken!« wendet sich an Künstler_innen und Kolleg_innen aus Lehre, Forschung, Kulturvermittlung und -förderung, an Expert_innen Kultureller Bildung mit ihren unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungshintergründen.
Eine Labortagung als Prozess
Die Fachtagung profitiert von der Vielstimmigkeit der Expertisen, der Vielfalt der Perspektiven. Vier Künstler_innen legen jeweils ein »Labor« an, in dem die Teilnehmenden arbeiten und experimentieren. Der Choreograph Martin Nachbar stellt die Frage nach der Herkunft des Neuen: In Anlehnung an eine Radiosendung des Deutschlandfunks (»Wie kommt das Neue in die Welt? Gewöhnung und Transformation«) entwickelt Nachbar unter Gebrauch kreativer Methoden aus der Choreographie einen Versuchsaufbau, in dem Teilnehmende Bekanntes neu oder gar Neues entdecken können. Melanie Hinz (Fräulein Wunder AG) beschäftigt sich mit dem Thema Partizipation: Ziel ihres Labors ist es, ein Wissens-Archiv herzustellen, das von partizipativen Verfehlungen, Spielaufgaben und Konkretisierungen des Begriffs Partizipation erzählt. Die Performerin Eva Plischke (Turbo Pascal) erprobt in ihrem Labor die Probe und ihr Potenzial. Der Szenograf Fred Pommerehn schließlich untersucht in seinem Labor neue und alte Ideen auf der Suche nach den Prozessen, die Ideen zu etwas Konkretem werden lassen. Zwei Impulse von Mira Sack (ZHdK Zürich) und Veit Sprenger (Showcase Beat Le Mot) bereichern die künstlerische Arbeit um wissenschaftliche Aspekte.
Das Team
Ursula Jenni – Dozentin für Theaterpädagogik u.a. an der UdK Berlin und tätig in der Weiterbildung des Modellprogramms »Kulturagenten für kreative Schulen«
Gabi dan Droste – Dramaturgin, Gründungsmitglied von Franceschini // Droste & co. Theaterwerkstatt
Birte Werner - Programmleiterin Darstellende Künste der Bundesakademie für Kulturelle Bildung
Miriam Janke – Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und zertifizierter Coach
Martin Nachbar – Choreograph, Performer und Pädagoge, unterrichtet u.a. an der Universität Hamburg, FU Berlin und HZT Berlin
Melanie Hinz – Professorin für »Bildende und performative Künste in der Kulturarbeit« an der FH Dortmund, Gründungsmitglied des Performancekollektivs »Fräulein Wunder AG«
Eva Plischke – Kulturwissenschaftlerin und Performerin, Mitbegründerin der Gruppe »Turbo Pascal«
Fred Pommerehn – Künstler und Szenograf, kreiert szenische Installationen, Bühne, Licht und Kostüme u.a. für das Theater an der Parkaue, Berlin
Mira Sack – Professorin für Theaterpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste, Mitherausgeberin der Fachzeitschrift für Theaterpädagogik und Kuratoriumsmitglied des Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland
Veit Sprenger – Theatermacher, Autor und Produzent, Gründungsmitglied der Theatergruppe »Showcase Beat Le Mot«

