Darf man "Homo-Ampeln" sagen?

Wir baten das LGBTI-Onlinemagazin queer.de um eine Einschätzung.

von Werner Heise


So wie hier in Braunschweig gibt es jetzt auch in Wolfenbüttel Ampeln, die für Toleranz werben sollen. Doch darf man diese Ampeln "Homo-Ampeln" nennen?
So wie hier in Braunschweig gibt es jetzt auch in Wolfenbüttel Ampeln, die für Toleranz werben sollen. Doch darf man diese Ampeln "Homo-Ampeln" nennen? Foto: Thomas Stödter

Wolfenbüttel. Mit unserem Artikel "46 Homo-Ampeln für Wolfenbüttel" haben wir offenbar ganz schön für Aufregung gesorgt. Nicht nur, was die Reaktionen auf die 46 Ampeln an sich angeht, sondern auch zur Artikel-Überschrift selbst erreichten uns kritische Zuschriften. Darf man also "Homo-Ampeln" sagen oder ist das beleidigend?


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Sofern sich Homosexuelle durch unsere Überschrift beleidigt gefühlt haben sollten, tut uns dies leid. Das ist und war nicht unsere Absicht. Homosexuelle Menschen, die wir vor, aber auch nach der Veröffentlichung befragt haben, haben diese Überschrift ausdrücklich für gut befunden. Sicherlich nicht repräsentativ. Doch diese Ampeln werden schon seit langer Zeit in Berichterstattungen als "Homo-Ampeln" bezeichnet und somit ist dies wahrlich keine Wortkreation unserer Online-Zeitung. Das Wort "homo", aus dem Griechischen stammend, bedeutet gleich, wohingegen "hetero" für verschieden steht. Es ist also ein beschreibendes Wort.

"Die Bezeichnung 'Homo-Ampel' ist nicht per se ein Schimpfwort"


So sah es offenbar auch das Nachrichtenmagazin "Spiegel", als man die "Homo-Ampel" bei einer Berichterstattung in die Überschrift hob. Aber auch das LGBTI-Onlinemagazin queer.de verwendete in seinen Artikeln den Begriff "Homo-Ampeln" und richtete unter diesem Schlagwort sogar eine Themenseite ein.

Wer sollte es also besser wissen, als ein Fachmagazin? Wir haben queer.de um eine Einschätzung gebeten, ob die Bezeichnung "Homo-Ampel" beleidigend ist. "Die Bezeichnung 'Homo-Ampel' ist nicht per se ein Schimpfwort - es kommt darauf an, von wem, in welchem Kontext und mit welcher Absicht sie verwendet wird. Innerhalb der Community ist die Verwendung sicher unproblematischer als in einer Regionalzeitung für alle Menschen", antwortet queer.de-Herausgeber Micha Schulze.

Eine Frage der Generationen


Hinzu käme eine Generationenfrage. "Während ich, Jahrgang 1967, in den 1990er und 2000er Jahren auch als Journalist noch selbstverständlich von 'Homo-Bars', 'Homo-Beamten' oder 'Homo-Szene' sprach und schrieb, fühlen sich jüngere LGBTI von diesen Begriffen abgestoßen. Nicht ohne Grund: Die Silbe 'Homo' wird nach wie vor als Schimpfwort genutzt und erfährt im politischen Kampf gegen queere Menschen sogar eine Renaissance ('Homo-Propaganda', 'Homo-Lobby'). Auch in der Debatte um die Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare gab es starke Kritik am ausgrenzenden Begriff 'Homo-Ehe'. Durchgesetzt hat sich schließlich die inklusive Bezeichnung 'Ehe für alle'", gibt Schulze zu bedenken.

Aus diesem Grund verzichte man bei queer.de jetzt seit einiger Zeit auf die Verwendung des Begriffs "Homo-Ampel" oder setze diesen zumindest in Anführungszeichen. "Auch wenn er natürlich viel knackiger klingt als 'gleichgeschlechtliche Ampelpärchen'", sagt der queer.de-Herausgeber. Das Schlagwort "Homo-Ampeln" habe man in "Vielfalts-Ampeln" umbenannt und auch die Schlagwort-Seite zur "Homo-Ampel" wurde nach der Anfrage von regionalHeute.de auf queer.de entfernt. Wir werden unsere Berichterstattung künftig auch anpassen und von "Liebesampeln" schreiben, denn die Liebe steht über allem.


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