Fahrradzone bremst Retter aus: Feuerwehr kritisiert Verkehrskonzept

Die Feuerwehr Wolfenbüttel kritisiert das neue Verkehrskonzept: Staus durch die Fahrradstraße und Einbahnregelungen verzögerten die Anfahrt der Einsatzkräfte erheblich und kosten wertvolle Zeit.

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Die Feuerwehr kritisiert das Verkehrskonzept rund um die Wache.
Die Feuerwehr kritisiert das Verkehrskonzept rund um die Wache. | Foto: Anke Donner

Wolfenbüttel. Die im vergangenen Jahr im Bereich der Schützenstraße und Gabelsberger Straße eingerichtete Fahrradzone sorgte in den vergangenen Monaten immer wieder für Diskussionen und Kritik. Nun hagelt es auch Kritik von der Feuerwehr Wolfenbüttel. Das aktuelle Verkehrskonzept der Stadt und die Fahrradstraße behindern die Einsatzkräfte massiv und sorgen für eine gefährliche Verzögerung.



Was am Mittwochabend wie ein Routineeinsatz begann, habe sich zu einer Bestätigung lang gehegter Befürchtungen entwickelt. Im Kreuzungsbereich direkt an der Wache kam es zu einem Unfall, ein automatisches E-Call-System löste den Alarm aus. Die Meldung lautete „Eingeschlossene Personen“. Doch während Eile geboten war, kämpften die anrückenden ehrenamtlichen Retter mit Hindernissen, die laut Feuerwehr hausgemacht seien. "Seit Monaten stoßen unsere Worte auf wenig Resonanz. Gestern Abend hat das städtische Konzept bewiesen, wie sehr wir ausgebremst werden, wenn wir von zu Hause zur Hilfe eilen wollen", heißt es in einem Facebook-Post der Feuerwehr.

Verkehrskonzept bremst Einsatzkräfte aus


Aufgrund der neuen Fahrbahnverengung im Zuge der Fahrradstraße entstand vor der Feuerwache ein Stau, der sich nicht umfahren ließ. Weder aus der Schützenstraße noch vom Grünen Platz aus konnten die Einsatzkräfte die Wache erreichen. Selbst die Polizei musste sich auf der Gegenfahrbahn mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn ihren Weg bahnen. In der Vergangenheit hätten etwa die Abbiegespuren den Verkehr flüssiger gehalten – heute reiche bereits ein einziges blockierendes Fahrzeug, um alles zum Stillstand zu bringen.

Kein Verständnis


„Wir haben unsere Kritik an dieser verkehrsberuhigenden Maßnahme bereits mehrfach vorgebracht“, erklärt Ortsbrandmeister Sven Dost. „Neben der Staubildung gestern ist es auch die neu eingerichtete, 20 Meter lange Einbahnstraße in der Schützenstraße, die unsere anrückenden Freiwilligen auf die Dr.-Heinrich-Jasper-Straße zwingt. Wer in Stoßzeiten dort in der Schlange steht, kann sich ausmalen, wie sehr sich die Anfahrt verzögert. Auch die Tempo-30-Zonen ab 22 Uhr bringen uns nicht weiter, da unsere Privat-Pkw nicht gekennzeichnet sind und niemand erkennen kann, dass wir im Alarmfall schneller unterwegs sind.“

Dost betont weiter: „Viele dieser Maßnahmen liegen direkt um unsere Feuerwache. Letztes Jahr wurden wir über 600 Mal alarmiert. Es erschließt sich mir nicht, warum gerade hier solche Einschränkungen notwendig sind. Zum Glück haben Anwohnerproteste die Phase 2 der Fahrradzone vorerst gestoppt – sonst müssten wir wohl bald mit dem Fahrrad aus allen Ecken der Stadt zum Einsatz anrücken. Am Ende zählt jedoch jede Minute: Für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen, können Sekunden schnell zu Stunden werden.“