Inklusion in der Berufsausbildung: CGLS zeigt wie es geht

von Anke Donner


Foto: Anke Donner)



Wolfenbüttel. An der Carl-Gotthard-Langhans-Schule werden in der dualen Berufsschule Kaufleute für Büromanagement ausgebildet. Seit Beginn des Ausbildungsjahres besucht die entsprechende Berufsschulklasse auch eine Auszubildende mit einer sehr starken Beeinträchtigung ihres Sehvermögens.

Gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz wird eine junge Frau mit Sehbehinderung ausgebildet. Sowohl im Ausbildungsbetrieb, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), als auch in der Berufsschule (CGLS) wurden die Lern- und Arbeitsbedingungen auf die Beeinträchtigungen dieser jungen Frau abgestimmt.

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Fadime Faslak kommt in der Schule gut klar. Ihre Mitschüler haben sie perfekt integriert. Foto: Anke Donner)



Aufgrund ihrer nur 20-prozentigen Sehkraft ist Fadime Faslak zu 100 Prozent schwerbehindert. In hellen Räumen kann sie sich orientieren und frei bewegen, kann Schatten und starke Kontrast wahrnehmen.

Die notwendigen Arbeiten am PC kann Fadime mit Hilfe einer speziellen Software und mittels eines Lesecomputers erledigen. Schriftstücke liest sie stark vergrößert mit einer Lupe. So können Schriftstücke aus Papier vergrößert auf einen Bildschirm wiedergegeben werden.

Fadime Faslak macht nun seit dem 1. September 2014 im DRK-Wolfenbüttel im dualen System eine Berufsausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Jeden Montag und jeden Freitag besucht sie die Carl-Gotthard-Langhans-Schule. Sie hat sich bereits gut in die Tätigkeitsfelder eingearbeitet und gut in die Klasse integriert. "Am Anfang war der Unterricht schon irgendwie anders. Aber wir haben uns alle schnell daran gewöhnt", erzählen ihre Mitschüler. In der Klasse herrscht eine muntere und ausgelassene Stimmung. In der Carl-Gotthard-Langhans-Schule geben sich die Mitschüler und Lehrkräfte sehr viel Mühe und ebenso im Ausbildungsbetrieb die Ausbilder und Kollegen, so dass eine schnelle Eingewöhnung in die Abläufe sowohl in der Schule als auch im Betrieb möglich war.

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Mit einigen Hilfsmittel, wie diese Lesehilfe, kann Fadime am Unterricht teilnehmen. Foto: Anke Donner



"Wir erfahren viel zu wenig Berührungen mit beeinträchtigten Menschen. Das führt zu Ängsten und Unsicherheiten. Wir möchten erreichen, dass sich viel mehr Betriebe trauen, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Es gibt sicher viele Berufsfelder, wo dies möglich wäre. Oft trauen sich die Betriebe aber nicht. Dabei gibt es von vielen Seiten eine große Unterstützung und es gibt Förderprogramme. Ich wünsche mir, dass wir hier an der Schule noch mehr Menschen mit Beeinträchtigungen ausbilden können", so Schulleiter Peter Walte.

Fadime nimmt ganz normal am Unterricht teil. Ihre Mitschüler und Lehrerin Maike Baumann haben sich auf die neue Situation eingestellt und gestalten den Unterricht entsprechend. Am längsten hat die Beschaffung der sächlichen Hilfsmittel für die Ausgestaltung der Arbeitsplätze gedauert. Die Kosten dafür hat die Agentur für Arbeit übernommen. Stets an ihrer Seite ist momentan noch ihre persönliche Arbeits-Assistentin. Diese Aufgabe übernimmt Nicole Arendt. Die Unterstützung war besonders in der Anfangsphase für die junge Frau sehr wichtig.

Sobald aber einmal alle nötigen sächlichen Hilfsmittel korrekt eingestellt sind und Fadime sich alleine in der Schule zurechtfindet, wird die persönliche Assistenz stark reduziert werden können. Die engagierte Unterstützung der Lehrkräfte im Regelbetrieb der Berufsschule und der Ausbilder im Regelbetrieb beim DRK wird ausreichen, um Fadime Faslak zu ihrem Berufsziel einer Kauffrau für Büromanagement zu begleiten. "Die Ausbildung wird ein großes Stück dazu beitragen, dass Fadime beruflich Fuss fassen kann. Ohne Ausbildung hätte sie diese Chance womöglich nie gehabt", sagt DRK-Betriebsleiter Uwe Rump-Kahl.


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