"Keinen Grund, das anzufassen" - Land weist Kritik an Weihnachtsmarkt-Regeln zurück

In der Landespressekonferenz verwies der Leiter des Krisenstabes darauf, dass es im letzten Jahr auf Vorschlag des Städtetages wesentlich strengere Regeln gegeben habe.

von Marvin König


Weihnachtsmarkt in Braunschweig. (Archivbild)
Weihnachtsmarkt in Braunschweig. (Archivbild) Foto: Sina Rühland

Region. Das Land Niedersachsen wies Kritik an den Vorschriften für Weihnachtsmärkte in der heutigen Landespressekonferenz zurück. "Im Moment gibt es keinen Anlass, das anzufassen", so Heiger Scholz, Leiter des niedersächsischen Corona-Krisenstabes. Der Niedersächsische Städtetag hatte die vom Land Niedersachsen verabschiedeten Regelungen zuvor als "nicht praktikabel" bezeichnet.


Für Herbst- und Weihnachtsmärkte ist nach dem neuen Paragrafen in der Corona-Verordnung ein umfangreiches Hygienekonzept notwendig. An den Ständen und in den Fahrgeschäften gilt ausschließlich 3G. Wie das kontrolliert werden soll, können die Kommunen selbst festlegen. Es könnten wahlweise Bändchen für Geimpfte, Genesene und Getestete oder Stempel ausgegeben werden, weiterhin möglich wäre auch eine Umzäunung des Geländes mit Einlasskontrolle. Eine dritte Option wäre die Kontrolle der Getesteten-, Geimpften- und Genesenennachweise durch die Standbetreiber. Der Städtetag hätte sich lieber ein Modell wie in Nordrhein-Westfalen gewünscht, wo die Ordnungsämter stichprobenartig kontrollieren. Diese Methode hält Heiger Scholz aber nicht für sinnvoll.

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Stichproben nicht sinnvoll


"Gerade eben reden wir über Impfdurchbrüche bei 2G und jetzt sagt der Städtetag, wir sollen gelegentlich kontrollieren oder auch nicht", so Scholz. Hintergrund war eine vorangegangene Diskussion über bundesweit bislang 67.661 registrierte Impfdurchbrüche - also bekanntgewordene Corona-Infektionen trotz vollem Impfschutz. "Das sind die, von denen wir wissen, es wird auch viele geben, die dreimal geniest haben und sich einfach nur dachten: 'kommt vor!'", hebt Scholz hervor.

Besorgniserregend seien Impfdurchbrüche laut Scholz aber nicht, schließlich komme das bei allen Impfungen vor. Geimpfte Personen seien jedoch im Gegensatz zu Getesteten zu 99 Prozent vor dem Tod geschützt und zu 92 Prozent vor einer Hospitalisierung. Aufgrund dieser Impfdurchbrüche sei die volle Kontrolle auf dem Weihnachtsmarkt jedoch erforderlich. Zumal man nicht wisse, wie sich die Infektionslage im Herbst und Winter noch entwickeln werde.

Weniger strikt als im letzten Jahr


"Es gab ursprünglich Vorschläge, man möge flächendeckend Ärmelbändchen einführen. Da haben wir gesagt, das funktioniert so nicht. Dass das in der Weise wie das jetzt funktionieren kann, nicht praktikabel sein soll, das finde ich deshalb überraschend, weil wir im letzten Jahr in Verabredung mit dem Städtetag und auf Vorschlag des Städtetages sehr viel striktere Regeln hatten als wir dieses Jahr haben", so Scholz weiter. Die Regelungen in diesem Jahr würden auf Konzepten der Schausteller basieren und seien im Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden zustande gekommen, argumentiert der Krisenstabs-Leiter weiter.

Mit den Impfdurchbrüchen leben


Auf die Frage, weshalb Geimpfte wegen der Impfdurchbrüche nicht auch weiter getestet werden, antwortet Scholz uneindeutig: "Die Testung gibt ja keinen zusätzlichen Schutz für den Betroffenen gegenüber der Impfung", so Scholz. Mit der Situation bei den Impfdurchbrüchen müsse man lernen zu leben: "Wenn sich das Virus endemisch entwickelt, wird es immer wieder mal COVID-Erkrankungen geben. Wie bei der Grippe auch."


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