Kommunale Wärmeplanung: Stadt setzt auf Zusammenarbeit

Bei einer Informationsveranstaltung konnten sich Interessierte über den aktuellen Stand sowie die nächsten Schritte auf dem Weg zur treibhausgasneutralen Wärmeversorgung informieren.

Symbolbild.
Symbolbild. | Foto: Rudolf Karliczek

Wolfenbüttel. Die Stadt Wolfenbüttel treibt ihre kommunale Wärmeplanung weiter voran. Bei einer Informationsveranstaltung am vergangenen Mittwoch stellten Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Stadtwerken und Fachbüros den aktuellen Stand sowie die nächsten Schritte auf dem Weg zur treibhausgasneutralen Wärmeversorgung bis 2040 vor. In einer Expertenrunde wurde im Anschluss noch gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern diskutiert – und über offene Fragen gesprochen. Das berichtet die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung.



Hintergrund der Wärmeplanung ist, bis 2040 die Wärmeversorgung in der Stadt CO₂-frei zu gestalten – eine Herausforderung, die laut Stadtbaurat Klaus Benscheidt „kein langfristiges Projekt, sondern eine dringende Aufgabe“ ist. Nur 14 Jahre bleiben, um die Wärmeversorgung klimaneutral umzustellen.

Strategisches Instrument


Im Zentrum der Veranstaltung stand die kommunale Wärmeplanung, die als strategisches Instrument Orientierung für Bürgerinnen und Bürger bieten soll. „Es bleibt am Ende Ihre Aufgabe, sich um die eigene Wärmeversorgung zu kümmern – aber wir begleiten und unterstützen Sie dabei“, betonte Benscheidt. Gleichzeitig rief er dazu auf, nicht auf fertige Gesamtlösungen zu warten: Wer bereits jetzt eine nachhaltige Lösung für sein Gebäude umsetzen könne, solle dies tun.

46 Teilgebiete


Der Wärmeplan teilt das Stadtgebiet in 46 Teilgebiete ein, für die unterschiedliche Szenarien entwickelt wurden. Dabei kristallisieren sich zwei Hauptwege heraus: der Ausbau zentraler Wärmenetze in dicht besiedelten Gebieten und dezentrale Lösungen – vor allem Wärmepumpen – in Gebieten mit Einfamilienhausbebauung. Rund 600 Gigawattstunden Wärme werden derzeit jährlich in der Stadt verbraucht – über 90 Prozent davon stammen noch aus fossilen Energieträgern. „Nur etwa sechs Prozent kommen aus erneuerbaren Quellen“, erklärte Emma Brandebusemeyer, Koordinatorin für die Kommunale Wärmeplanung der Stadt Wolfenbüttel. Die Wärmeplanung, die fast abgeschlossen ist, soll als strategische Grundlage dienen. Sie ist rechtlich unverbindlich, bietet aber Orientierung für Eigentümer, Vermieter und Unternehmen.

„Es kommt auf jeden Einzelnen an“, betonte Brandebusemeyer. Besonders deutlich wurde dabei die Rolle der Wohngebäude: Rund 86 Prozent aller beheizten Gebäude sind Wohngebäude, etwa 73 Prozent des Wärmeverbrauchs entfallen auf diesen Bereich. Gewerbe, Industrie und öffentliche Gebäude spielen im Vergleich eine deutlich kleinere Rolle.

Zwei Szenarien für die Zukunft


Auf Basis der Daten über den Häuserbestand in Wolfenbüttel und wie diese aktuell beheizt werden, die, wie Julian Haerkötter berichtete, von der IP SYSCON GmbH erhoben wurden, wurden zwei Entwicklungsszenarien bis 2040 erarbeitet. Beide sehen das komplette Zurückfahren fossiler Energieträger vor und setzen verstärkt auf Wärmepumpen sowie den Ausbau von Wärmenetzen. Während Szenario A stärker auf zentrale Lösungen mit Wärmenetzen setzt, verfolgt Szenario B einen etwas dezentraleren Ansatz. In beiden Fällen wird deutlich: Ohne einen massiven Ausbau erneuerbarer Technologien und eine kontinuierliche Gebäudesanierung sind die Klimaziele nicht erreichbar.

Wärmepumpen und Wärmenetze


Ein zentrales Thema der Veranstaltung war somit die Frage, ob Wärmenetze oder dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen die bessere Wahl sind. „Beides gehört zusammen“, sagte Chris Stöckmann vom beteiligten Planungsbüro Energielenker. „In dicht besiedelten Gebieten können Wärmenetze sinnvoll sein, während in Einfamilienhausgebieten Wärmepumpen oft die effizientere Lösung darstellen.“

Insgesamt wurden 35 Maßnahmen erarbeitet, darunter acht prioritäre „Top-Maßnahmen“. Ein besonderer Fokus liegt auf Information und Beratung, der Zusammenarbeit mit dem Handwerk sowie der weiteren Untersuchung von Wärmenetzlösungen. Aktuell prüft die Stadt zum Beispiel mehrere Quartiere auf ihre Eignung für Wärmenetze, darunter das Gebiet rund um das Theodor-Heuss-Gymnasium. „Hier gibt es viele öffentliche Gebäude und Mehrfamilienhäuser – ein ideales Potenzial für ein Nahwärmenetz“, so Brandebusemeyer.

Massiver Ausbau der Infrastruktur


Die Stadtwerke Wolfenbüttel stehen vor einer großen Herausforderung: Der Ausbau der Stromnetze, um den steigenden Bedarf durch Wärmepumpen und Elektromobilität zu decken. „Wir müssen in den nächsten 15 Jahren rund 180 Kilometer neue Niederspannungsleitungen verlegen – das entspricht der Strecke von Wolfenbüttel nach Erfurt“, sagte Michael Stöhr, technischer Bereichsleiter Netz der Stadtwerke Wolfenbüttel, in seinem Kurz-Beitrag. Zudem seien 150 neue Trafostationen und leistungsstärkere Transformatoren nötig. „Die Baustellen werden zunehmen, und das wird für die Bürgerinnen und Bürger spürbar sein“, räumte er ein. „Wir bitten um Verständnis – die Energiewende ist ein Gemeinschaftsprojekt.“

Das sind die nächsten Schritte


Der Wärmeplan wird ab sofort öffentlich ausgelegt (im Bürgeramt zu den Öffnungszeiten sowie online) und kann bis Ende Mai eingesehen werden. Bürgerinnen und Bürger sowie Träger öffentlicher Belange haben in dieser Zeit die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben. „Wir erwarten keine grundlegenden Änderungen, aber wir wollen alle Perspektiven einbeziehen“, sagte Benscheidt. Die finale Version soll dann als Grundlage für die weitere Umsetzung dienen. „Mit dem geplanten Beschluss der Wärmeplanung durch die Politik im September ist die Arbeit nicht beendet – dann beginnt die eigentliche Umsetzung“, betonte Benscheidt abschließend.

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