Ökonomie und Utopie: Werkstattgespräch


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Wolfenbüttel. In einem Werkstattgespräch berichtet Hartmut Beyer am Donnerstag, 16. Oktober 2014, um 14.15 Uhr im Seminarraum im Zeughaus über sein Forschungsprojekt mit dem Titel: „Ökonomie und Utopie: Die europäische Landbauliteratur der Frühen Neuzeit im höfischen und universitären Milieu“.

Das Projekt geht anhand der landwirtschaftlichen Literatur in den Wolfenbütteler Drucken bis 1700 der Frage nach dem Status und der Funktion agronomischer Wissensliteratur in der Epoche vor dem modernen ökonomischen und technischen Denken nach. Das Werkstattgespräch widmet sich besonders der Rolle der Agronomie in Wissenschaftssystematiken, Enzyklopädistik und Historia litteraria sowie den Sachordnungen und Bestandsprofilen der Fürstenbibliotheken von Herzog Julius, August dem Jüngeren und der Universitätsbibliothek Helmstedt.

Die Lehre von Landbau und Viehzucht fand als eine mündlich tradierte und praktisch betriebene Disziplin nur am Rande Aufnahme in den gelehrten Diskurs der Vormoderne. Durch eine breite und prestigeträchtige antike Überlieferung sowie durch die Lebenswirklichkeit der landbesitzenden Führungsschichten gewann die Agrarökonomie gleichzeitig den Rang einer Schlüsseldisziplin für gutes Leben und Wirtschaften. Im deutschen Sprachraum wurde vor allem die seit dem 17. Jahrhundert entstehende so genannte Hausväterliteratur wahrgenommen. In einer breiteren Perspektive erscheint diese als eine Sonderform eines europaweit verbreiteten Typus des Handbuches für die Gutswirtschaft. Neben der wissensvermittelnden Funktion steht die eines Mediums adeliger Selbstvergewisserung und einer Anleitung zum guten Leben in Nachfolge der Antike.

Dr. Hartmut Beyer studierte Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit und Geschichte in Göttingen und Münster. Seine 2008 erschienene Dissertation behandelt die ersten Tragödien im Italien der Renaissance. Nach einem Referendariat an der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz ist er seit 2012 stellvertretender Leiter der Abteilung Forschungsplanung und Forschungsprojekte an der HAB.