Wolfenbüttel. Wie könnten vorhandene Plätze und Wege in der Lessingstadt künftig stärker als Grün- und Aufenthaltsräume genutzt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Freiraumentwicklungskonzept (FREK) der Stadt Wolfenbüttel. Auch das Areal rund um das Jugendgästehaus, das Finanzamt und die in der Nähe befindliche Sporthalle wurde von den beauftragten Experten näher betrachtet – gleich zwei der ausgearbeiteten Ideen befassen sich mit diesem Bereich.
Das Freiraumentwicklungskonzept umfasst insgesamt 26 Steckbriefe, die Ideen und mögliche Ansätze zur Weiterentwicklung der Grün- und Freiflächen im Stadtgebiet aufzeigen. Mit den Vorschlägen soll der Ansatz verfolgt werden, vorhandene Grün- und Freiräume weiterzuentwickeln, statt neue große Parkanlagen zu schaffen. Über zwei dieser Punkte aus dem FREK haben wir bereits berichtet. Die Umgestaltung des Rosenwalls und der Fläche hinter dem Wettbüro am Bahnhof.
Nur eine Orientierungshilfe
Die Ideen aus dem Konzept verstehen sich als langfristige Orientierung und keineswegs als festgelegtes Maßnahmenprogramm. Sie sollen künftig herangezogen werden, wenn in den jeweiligen Bereichen konkrete Planungen anstehen. Am Ende entscheidet die Politik darüber, ob, wann und wie bestimmte Bereiche umgestaltet werden, wie die Verwaltung in einer Vorlage für die politischen Gremien betont.
Eine Parkpalette soll Autos an der Oker bündeln
Die Ausarbeitungen der beauftragten Landschaftsarchitekten für das Areal rund um das Jugendgästehaus zeigen auf, wie der derzeit stark vom ruhenden Verkehr geprägte Bereich im Westen der Innenstadt umgestaltet werden könnte. Zwei eng miteinander verknüpfte Steckbriefe skizzieren mögliche Maßnahmen für diese Flächen. Um Freiräume ökologisch und gestalterisch aufzuwerten, müssten parkende Autos an anderer Stelle untergebracht werden. Der Steckbrief 11 („Parken an der Oker“) skizziert daher die Idee einer mehrgeschossigen Parkpalette auf dem derzeitigen Parkplatzgelände nahe der Sporthalle.
Die Kapazität könnte dort von derzeit rund 182 auf bis zu 400 Stellplätze aufgestockt werden. Die Planer schlagen eine Bauweise als Stahlkonstruktion mit begrünter Holzverkleidung sowie Dach- und Fassadenbegrünung vor, um sommerlichen Hitzeinseln entgegenzuwirken. Das Bauwerk würde somit nicht nur den Bedarf von Sporthalle und Finanzamt decken, sondern auch als Ausweichquartier für wegfallende Parkplätze im benachbarten Areal dienen. Die geschätzten Kosten für diese Idee liegen bei rund 3,6 Millionen Euro.
Der Apfelgarten als grüner Impulsgeber für die Stadt

Die Parkplatzflächen vor der Landesmusikakademie könnten teilweise zurückgebaut werden. Foto: Matthias Kettling
Durch die Bündelung der Autos würde der Weg frei für den Steckbrief 12 („Apfelgarten“). Dieses Areal bewerten die Experten als das Projekt mit dem aktuell höchsten Aufwertungspotenzial im gesamten Stadtgebiet. Wo heute noch asphaltierte Stellflächen vor der Landesmusikakademie dominieren, könnte ein neues Eingangstor in den Park entstehen. Der historische Apfelgarten soll als Obstwiese mit lokalen und seltenen Apfelsorten neu angelegt werden.
Neben neuen Fußwegen und veränderten Freiflächen am Jugendgästehaus sehen die Entwürfe eine durchgehende Grünverbindung vom Park über den Schulhof bis zum Schlossplatz vor. Entsiegelungen und die Pflanzung von Großbäumen würden das Mikroklima in der Innenstadt verändern. Die grobe Kostenschätzung für diese Umgestaltung liegt bei etwa 2,8 Millionen Euro.
Eine gestalterische Abfolge für die Innenstadt
Die Ausarbeitungen der Experten machen deutlich, dass der Steckbrief 12 baulich an den Steckbrief 11 gekoppelt ist. Nur wenn die Stellflächen an der Sporthalle in der neuen Parkpalette konzentriert werden, lassen sich die Flächen im Apfelgarten freimachen und zurückbauen. Ob und wann diese Maßnahmen umgesetzt werden, ist derzeit noch offen – das FREK liefert den Ratsmitgliedern für künftige Entscheidungen aber bereits eine konkrete Diskussionsgrundlage für den Stadtraum.


