Wolfenbüttel. Seit über drei Jahren wird am Wolfenbütteler Standesamt gebaut. Immer wieder gab es Probleme, die zu Verzögerungen führten. Nun kommt eine weitere Maßnahme hinzu, die zu neuen Kosten führt. Das geht aus einer Beschlussvorlage der Verwaltung hervor, die aktuell durch die politischen Gremien geht.
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Im März 2023 wurde die Sanierung des Dienstgebäudes Stadtmarkt 15, das das Standesamt beherbergte, beschlossen. Zum damaligen Zeitpunkt waren die Sanierung des kompletten Vorderhauses und des Dachgeschosses im Flügelbau, die Optimierung der Fluchtwege und aufgrund von Brandschutzvorgaben der Einbau eines neuen Treppenhauses im Flügelbau vorgesehen. Auch die Erneuerung des WC-Bereiches im Hinterhaus sowie der Heizungsanlage für die Gesamtliegenschaft gehörten zu den Maßnahmen.
Ursprünglicher Zeitplan lange überschritten
Die Sanierungsarbeiten sollten nach dem ursprünglichen Zeitplan zwischen April 2023 und Dezember 2024 ausgeführt werden. Doch dann wurden unerwartete zusätzliche Schäden wie Hausschwamm- und Pilzbefall an den Fachwerkkonstruktionen entdeckt. Darüber hinaus sei es zu Verzögerungen von jeweils mehreren Wochen wegen des gestörten Bauablaufs und weil Auftragnehmer ihre Arbeiten nicht ausgeführt hätten, gekommen. Zwar konnte das Finanzbudget von 8,5 Millionen Euro eingehalten werden, als neuer Fertigstellungstermin wurde zuletzt aber Ende Juni 2026 angegeben.
Doch dann kam ein weiterer Punkt hinzu. Im Laufe der Standesamtssanierung habe sich herausgestellt, dass sowohl für die Nutzung des Flügelbaus als auch wegen seines sanierungsbedürftigen Zustandes planerische Anpassungen und Sanierungen am Flügelbau notwendig sind. Der Flügelbau verbindet das Standesamtsgebäude nach hinten mit weiteren Verwaltungsgebäuden, die über Kanzleistraße und Klosterstraße erreicht werden.
Tragfähigkeit der Decken überschritten
Erste Sanierungsschritte und Planungen seien aus dem Projekt Standesamt heraus mitgeplant und mitfinanziert worden. In den letzten Monaten und nach Freilegen der Deckenkonstruktion sei aber deutlich geworden, dass der Sanierungsbedarf auch des Flügelbaus sehr hoch sei. Bei der näheren Untersuchung der freigelegten Deckenbalken habe sich herausgestellt, dass die Tragfähigkeit der Decken bereits unter Eigenlast überschritten sei, heißt es in der Beschlussvorlage.
Die Decken müssen nun zwingend ertüchtigt werden. Für den Flügelbau musste die Tragwerksplanung komplett neu erstellt und ein Sanierungskonzept erarbeitet werden. Die Fassade des Flügelbaus ist, ähnlich wie beim Standesamt, diffusionsdicht mit kunststoffhaltiger Farbe beschichtet und muss nach den Erkenntnissen vom Standesamt analog zu dessen Fassade saniert werden.
Als Gesamtmaßnahme günstiger
Grundsätzlich sei die Sanierung des Flügelbaus in der jetzt festgestellten Dimension ein separates Sanierungsprojekt, das auch separat abgeschlossen werden könnte. Wegen der engen Verzahnung zum Sanierungsprojekt Standesamt und der daraus bereits erfolgten Arbeiten am Flügelbau sollen beide Maßnahmen aber jetzt als Gesamtmaßnahme zusammen abgeschlossen werden. Das sei nach Ansicht der Verwaltung wirtschaftlicher und vermeide eine zweite größere Baustelle in diesem Bereich. Vorrang sollen dabei aber die Arbeiten haben, die unmittelbar für die Wiedereröffnung des Standesamtes erforderlich sind.
Die zusätzlichen Kosten für den Flügelbau können weitgehend vom Maßnahmenbudget zur Sanierung des Standesamtes aufgefangen werden. Lediglich die Kosten für die Fassadensanierung seien noch nicht gedeckt. Diese belaufen sich auf etwa 500.000 Euro. Die Gesamtkosten für das Standesamt und den Flügelbau betragen zusammen demnach 9 Millionen Euro. Die zusätzlich benötigten Haushaltsmittel sollen im Haushaltsentwurf 2027 berücksichtigt werden. Der Rat entscheidet Ende September darüber.
Der neue Zeitplan
Doch was bedeutet das für den Zeitplan? Die Fertigstellung der Fassade des Standesamtes und der Abbau des Gerüsts ist für November 2026 vorgesehen. Dann starten die Einrichtung der Räume sowie Restarbeiten im Inneren. Bis April 2027 sollen diese und der Flügelbau fertiggestellt sein.

