Wolfsburg. Die Arbeitnehmerseite bei Volkswagen stellt die Weichen für die Aufsichtsratswahl 2027. Rund 400 Delegierte der IG Metall aus den Standorten, Unternehmen und Gesellschaften des Volkswagen-Konzerns haben jetzt den Wahlvorschlag der Arbeitnehmerseite beschlossen. Angeführt wird die Liste von Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG. Das berichtet die IG Metall in einer Pressemitteilung.
Auf Daniela Cavallo folgen auf der Wahlliste Rita Beck, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Audi in Ingolstadt, Karina Schnur, Konzernbetriebsratsvorsitzende der Traton SE und Gesamtbetriebsratsvorsitzende bei MAN Truck & Bus, Ibrahim Aslan, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Porsche, Daniela Nowak, Betriebsratsvorsitzende von Volkswagen Braunschweig, sowie Manfred Wulff, Betriebsratsvorsitzender von Volkswagen Emden. Für die drei Gewerkschaftsmandate sind die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, die VW-Unternehmensbeauftragte Conny Schönhardt sowie Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, vorgeschlagen.
"Mitbestimmung selten so wichtig wie jetzt"
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei der Volkswagen AG, sagt: „Die Automobilindustrie ist im Umbruch. Selten war die Mitbestimmung, die Unternehmensmitbestimmung, so wichtig wie in der aktuellen Zeit und in genau diesem Unternehmen. Volkswagen und starke Mitbestimmung sind nicht zu trennen. Eine gut organisierte Belegschaft und engagierte Betriebsräte sind ein wichtiger Rückhalt für die Arbeit im Aufsichtsrat. So stellen wir sicher, dass wir Interessen von Beschäftigten und Wirtschaftlichkeit ausbalancieren.“
Die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo erklärt: „Wir befinden uns in der nach Dieselgate größten Krise des Konzerns. Vorstand und Kapitalseite wollen zusätzlichen Stellenabbau vorantreiben, stellen sogar mehrere Standorte infrage und schmieden Pläne für ein deutlich weniger mitbestimmtes Unternehmen. Gerade in solchen Zeiten des Konflikts geht es darum, Verantwortung für die Positionen der Arbeitnehmerseite zu übernehmen, dabei gemeinschaftlich im gesamten Konzern über alle Marken und Gesellschaften hinweg zusammenzustehen und Angriffe auf unsere Einflussmöglichkeiten abzuwehren.“
Wahlvorschlag würde personelle Änderungen mit sich bringen
Im Vergleich zur derzeitigen Zusammensetzung des Kontrollgremiums würde der Wahlvorschlag mehrere personelle Veränderungen mit sich bringen. Neu in den Aufsichtsrat einziehen könnten demnach Ibrahim Aslan (Porsche), Manfred Wulff (Volkswagen Emden) und Thorsten Gröger (IG Metall-Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt). Sie würden auf Harald Buck, Gerardo Scarpino und Matías Carnero Sojo folgen.
Die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat der Volkswagen AG wird für fünf Jahre gewählt. Die letzte Wahl fand im Frühjahr 2022 statt. Der nun beschlossene Wahlvorschlag wird im nächsten Schritt beim Hauptwahlvorstand eingereicht. Mit dem Termin für die eigentliche Aufsichtsratswahl wird für Frühling 2027 gerechnet.
Der Aufsichtsrat der Volkswagen AG besteht aus 20 Mitgliedern. Je zehn Sitze entfallen auf die Anteilseigner- und die Arbeitnehmerseite. Von den zehn Sitzen der Arbeitnehmerbank werden sechs durch Beschäftigte des Konzerns besetzt, drei durch Vertreterinnen und Vertreter der Gewerkschaften. Ein weiterer Sitz entfällt wie in großen börsennotierten Unternehmen üblich auf die Leitenden Angestellten, die ihre Nominierung eigenständig regeln. Rechtsgrundlage für die Zusammensetzung und Wahl des Aufsichtsrats sind insbesondere das Aktiengesetz und das Mitbestimmungsgesetz. Die Wahl für die Mitglieder der Kapitalseite erfolgt über die Hauptversammlung.
