Wolfenbüttel. Am vergangenen Mittwoch endete die im Februar gestarteten Veranstaltungsreihe "Uranium", die von der Aktion Atommüllfreie Asse (AAA), AufpASSEn e.V. sowie Paul Koch, Sozialdiakon i.R. ausgerichtet wurde.
Im letzten Teil der Reihe wurde die wissenschaftliche Leistung der Wolfenbütteler Lehrer und Physiker Julius Elster und Hans Geitel sowie weiterer regionaler Akteure beleuchtet. Unter dem Titel "Elster, Geitel, Giesel - ein kongeniales Umfeld - und die Bedeutung in der Frühgeschichte der Radioaktivitätsforschung" referierte der pensionierte Lehrer und Naturwissenschaftshistoriker Rudolf Fricke In einem lebendigem Vortrag über den Wechsel von der klassischen zur modernen Physik im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Mittendrin die Wolfenbütteler Julius Elster & Hans Geitel; sie entwickelten Verfahren zur Beobachtung von ionisierender Strahlung, fanden die Beobachtungen von Becquerel bestätigt und überzeugten u.a. Röntgen von der Existenz ionisierender Strahlung, sodass sie zwischen 1904 und 1911 sieben Mal für den Nobelpreis vorgeschlagen wurden. Daneben spielten aber weitere - weniger bekannte - Persönlichkeiten aus der Region eine bedeutende Rolle, unter ihnen der Braunschweiger Chemiker Friedrich Oskar Giesel, der unabhängig von dem Ehepaar Marie und Pierre Curie gleichzeitig das Radium entdeckte. Erst durch das Zusammenspiel dieser Akteure, darunter auch die feinmechanische Werkstatt Günther & Tegetmeyer in Braunschweig, wurden diese international beachteten Forschungsleistungen möglich.
Der Referent verdeutlichte aber auch, dass diese Pioniere die Gefahren der radioaktiven Strahlung nicht kannten und aus heutiger Sicht mörderische Selbstexperimente unternahmen, die zu schweren Erkrankungen und frühzeitigem Tod führten. In diesem Zusammenhang ging Fricke auch auf die ab 1906 eingeführte Inhalationstherapie mit dem radioaktiven Element Radon in Heilbädern und Heilstollen ein, die - obwohl in einigen Ländern immer noch praktiziert - jetzt eher kritisch gesehen wird. Die Präsentation zahlreicher Exponate, z.B. über 100 Jahre alte Meßinstrumente, teilweise von Elster und Geitel selbst konzipiert, rundeten den sehr informativen Vortrag ab.


