Goslar. Wer sehr groß ist, zahlt beim Fliegen oft drauf: Plätze mit mehr Beinfreiheit kosten bei vielen Airlines einen Aufpreis. Das will Tim Peters ändern. Der 2 Meter große Goslarer betreibt das Ratgeberportal grosse-menschen.info und hat auf openPetition die Petition „Mehr Beinfreiheit im Flugzeug: Faire Sitzplätze für große Menschen – Körpergröße ist kein Upgrade“ gestartet.
Die Petition richtet sich an Lufthansa Group, Eurowings, Condor, TUIfly und weitere Fluggesellschaften sowie an den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Bis zum 20. Februar 2027 sollten 1.000 Unterschriften zusammenkommen, aktuell seien es 275 (Stand: 3. November 2026), schreibt Peters in einer Pressemitteilung.
Wenig Beinfreiheit in der Economy Class – auch große Flugzeuge bieten keine Garantie
Der Sitzabstand in der Economy Class liege laut Peters auf Kurz- und Mittelstrecken meist zwischen 28 und 31 Zoll, also etwa 71 bis 79 Zentimetern. Laut einer Auswertung der britischen Verbraucherorganisation Which? vom März 2026 böten Ryanair und Wizz Air teilweise nur 28 Zoll. Gemessen werde von Sitz zu Sitz, Polster und Rückenlehne eingeschlossen; für die Knie bleibe deutlich weniger.
Großraumflugzeuge wie der Airbus A380 seien großzügiger: Lufthansa biete dort in der Economy 79 bis 81 Zentimeter, Emirates 32 Zoll, also bis zu zehn Zentimeter mehr als die engsten Kurzstreckenjets. Doch selbst im A380 werde es für Tim Peters knapp. Wer mehr Platz wolle, zahle extra: 2024 hätten die Aufpreise für Sitze mit mehr Beinfreiheit laut einer Auswertung der Soziallotterie freiheit+ bei Lufthansa ab 29 Euro und bei TUIfly ab 31 Euro gelegen.
Erhöhtes Thromboserisiko auf langen Reisen
Betroffen seien viele. Der durchschnittliche Mann in Deutschland sei laut Mikrozensus 2025 des Statistischen Bundesamts 179,1 Zentimeter groß, bei den 20- bis 25-Jährigen seien es 181,5 Zentimeter. Nach einer Schätzung von grosse-menschen.info auf Basis dieser Daten seien rund 2,6 Millionen Männer in Deutschland 1,90 Meter oder größer, etwa 100.000 maßen mindestens 2,00 Meter. Für sie sei enges Sitzen nicht nur unbequem: Die Weltgesundheitsorganisation WHO zähle Menschen über 1,90 Meter zu den Gruppen mit erhöhtem Thromboserisiko auf Reisen von vier Stunden und mehr.
Petition fordert faire Preise statt kostenpflichtiger Upgrades
Die Petition fordere weder eine kostenlose Business Class noch Umbauten an Flugzeugen. Reisende ab etwa 1,90 Meter sollten vorhandene Plätze mit mehr Beinfreiheit höchstens zum Preis einer normalen Sitzplatzreservierung buchen können. Airlines sollten dafür ein begrenztes Kontingent pro Flug bereithalten; nicht benötigte Plätze sollten 48 Stunden vor Abflug regulär in den Verkauf gehen. Als Nachweis solle die Körpergröße im Ausweis genügen, ein ärztliches Attest sei nicht nötig. Die Sicherheitsregeln für Notausgangsplätze blieben unverändert.
„Für manche ist zusätzliche Beinfreiheit Komfort. Für sehr große Menschen ist sie schlicht Platzbedarf“, sagt Tim Peters. „Ich sitze mit 2 Metern auf fast jedem Flug mit den Knien am Vordersitz. Niemand sucht sich seine Körpergröße aus. Deshalb darf sie kein kostenpflichtiges Upgrade sein.“
Kostenlose Sitzplatznachbarschaft für bestimmte Personengruppen
Dass Sitzplatzregeln auf besondere Bedürfnisse eingehen könnten, zeige die Reform der EU-Fluggastrechte: Im Juni 2026 hätten sich Europäisches Parlament und Mitgliedstaaten darauf geeinigt, dass Kinder unter 14 Jahren und Menschen mit eingeschränkter Mobilität ohne Aufpreis neben ihrer Begleitperson sitzen dürften. Körpergröße spiele in der Reform keine Rolle.
Jetzt Petition unterzeichnen
Die Petition kann bis zum 20. Februar 2027 online unterzeichnet werden unter www.openpetition.org/ddwgc. Hintergründe, die Forderungen im Detail und Tipps für mehr Beinfreiheit stehen auf grosse-menschen.info/petition-fuer-mehr-beinfreiheit-im-flugzeug-koerpergroesse-ist-kein-upgrade/. Nach Abschluss will Tim Peters die Unterschriften an die Airlines und den BDL übergeben.

