Region. Heute vor 12 Jahren starb der damals 17-jährige Tom-Finn Knorz. Der Jugendliche wurde am frühen Morgen des 4. Novembers 2014 auf der Straße unter einer Brücke an der Broitzemer Straße in Braunschweig gefunden. Kurze Zeit später starb der Teenager. Was damals geschah, ist bis heute nicht geklärt. Der Fall des Jugendlichen ist einer von vielen ungeklärten Fällen, die die Polizei in der Region weiterhin beschäftigen.
Auf Nachfrage von regionalHeute.de erklärt die Polizei, dass die Polizeidirektion Braunschweig derzeit insgesamt 55 sogenannte Cold Cases führt. Dazu zählen ungeklärte Tötungsdelikte sowie Vermisstenfälle, bei denen ein dringender Verdacht auf ein Tötungsdelikt besteht. Voraussetzung für die Einstufung ist laut Polizei, dass die ursprünglichen Ermittlungen abgeschlossen und die Akten an die jeweils zuständige Staatsanwaltschaft übergeben worden sind oder das Verfahren bereits eingestellt wurde.
Eigene Ermittlungsgruppe seit 2019
Für die Bearbeitung dieser ungeklärten Fälle gibt es seit dem 1. Juni 2019 eine eigene Ermittlungsgruppe Cold Cases. Sie ist dem Zentralen Kriminaldienst der Polizeiinspektion Braunschweig zugeordnet. Die Ermittlerinnen und Ermittler überprüfen die einzelnen Sachverhalte fortlaufend, insbesondere wenn neue Hinweise eingehen oder sich neue Ermittlungsansätze ergeben, die zur Aufklärung beitragen könnten.
Ob es bei einzelnen Cold Cases inzwischen neue Erkenntnisse oder Ermittlungsansätze gibt, ließ die Polizei auf Nachfrage offen. Zu konkreten Verfahren, die aktuell bearbeitet werden, mache man grundsätzlich keine Angaben. Damit wolle man mögliche Ermittlungsansätze und die Interessen der Angehörigen schützen.
Auch der Fall Tom-Finn Knorz bleibt ungeklärt
Zu den 55 registrierten Cold Cases zählt auch der Tod von Tom-Finn Knorz. Der damals 17-Jährige war in der Nacht zum 4. November 2014 unter der sogenannten Graffiti-Brücke an der Broitzemer Straße schwer verletzt und teilweise entkleidet aufgefunden worden. Wenig später starb der Jugendliche. Die Ermittler gingen in der Folgezeit vielen verschiedenen Spuren nach und baten wiederholt die Öffentlichkeit um Hinweise. Auch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ wurde der Fall vorgestellt. Doch trotz umfangreicher Ermittlungen konnte bis heute nicht geklärt werden, was in jener Nacht geschah und wie es zu den tödlichen Verletzungen kam. Auch Tom-Finns Familie quält die Frage, was in der Winternacht 2014 passierte.
Weitere ungeklärte Fälle aus der Region
Ob die spezielle Ermittlungsgruppe "Cold Cases" an den nachfolgenden Fällen arbeitet, ist aus den bereits genannten Gründen nicht bekannt. Doch gibt es in der Region weitere Fälle, die bis heute nicht aufgeklärt werden konnten und zu denen es immer mal wieder Zeugenaufrufe oder sogar neue Ermittlungen gibt.
Der Fall Angelika Gaubatz
Die 16-jährige Angelika Gaubatz verschwand 1972 auf dem Heimweg von ihrer Arbeitsstelle. Vier Wochen später wurde ihre Leiche auf einem Feld bei Timmerlah gefunden. Sie war mit ihrer eigenen Strumpfhose gefesselt. Es bestand der Verdacht eines Sexualdelikts. DNA-Spuren, die heute möglicherweise bei der Aufklärung helfen könnten, waren damals nicht gesichert worden.
Der Fall Artur L.
Der 52-jährige Braunschweiger Geschäftsmann Artur L. wurde 1994 auf einem Parkplatz an der Bundesstraße 214 bei Edemissen angeschossen. Zwei Tage später starb er an seinen Verletzungen. Das Motiv für die Tat blieb unklar. Im Jahr 2022 wurde der Fall erneut öffentlich gemacht und in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ vorgestellt.
Der Fall Ingrid B.
Ingrid B. verschwand 1992 im Alter von 42 Jahren aus Salzgitter. Im Jahr 2021 suchten Ermittler erneut in Gebhardshagen nach Spuren. Die Maßnahmen brachten jedoch keine abschließende Klärung ihres Verschwindens.
Der Fall Roswitha Hedt
Die damals 53-jährige Roswitha Hedt verschwand im Januar 1999. Ihre letzten bekannten Spuren führten in die Region. Im Jahr 2024 wurde ihr Fall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … Vermisst“ vorgestellt.
Heike Wiatrowski
Die zwölfjährige Heike Wiatrowski wurde am 18. Februar 1977 mit Stich- und Schnittverletzungen im Elternhaus in Sickte gefunden. Im Jahr 2022 wurden die Ermittlungen mit modernen DNA-Analysen erneut aufgenommen. Eine ausgesetzte Belohnung führte jedoch nicht zu dem entscheidenden Hinweis. Die polizeilichen Maßnahmen sind inzwischen abgeschlossen.
Es gab auch Ermittlungserfolge
Dass auch Jahrzehnte zurückliegende Verbrechen noch aufgeklärt werden können, zeigen mehrere Fälle aus der Region. Die Morde an Andrea Fechner aus Braunschweig und Doris Mundt aus Goslar, die beide 1981 getötet worden waren, konnten 2005 dem aus Vienenburg stammenden Manfred M. zugeordnet werden.
Auch in einem weiteren Mordfall aus dem Jahr 1997 führten DNA-Spuren zu einem Tatverdacht gegen einen inzwischen verstorbenen Mann. Das Opfer war ein 82-jähriger Rentner aus Braunschweig.
Petra P. - nach 30 Jahren wieder aufgetaucht
Ein weiterer besonderer Fall ist der von Petra P., die 1984 als 24-Jährige verschwand. Ermittler gingen jahrzehntelang von einem Verbrechen aus – doch 2015 wurde sie lebend gefunden. Sie hatte über 30 Jahre unter falscher Identität gelebt. In einem späteren Interview schilderte sie, wie sie sich verstecken konnte – und warum.
Mord ohne Leiche
Zwar kein ungelöster Fall, aber dennoch einer, bei dem bis heute viele Fragen offen sind, ist der Mord an Karsten Manczak. Am 13. April 2021 verschwand der damals 51-Jährige spurlos aus seinem Haus im Liebenburger Ortsteil Groß Döhren. Heute ist man sich sicher, dass der Familienvater einem Verbrechen zum Opfer fiel. Im Mai 2022 wurde ein damals 51-jähriger Bundespolizist und enger Freund Manczaks in einem Indizienprozess zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
Lesen Sie zu diesem Fall auch: "Der Fall Karsten Manczak: Ein Ermittler erinnert sich" und "Der Fall Karsten Manczak: Dem Mörder auf der Spur".
* Bei den Videos handelt es sich um Archivmaterial aus dem Jahr 2018. Holger Kunkel ist inzwischen im wohlverdienten Ruhestand.

