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Wolfenbüttel: Wie der Wahlkrimi gestern Abend weiterging



Wolfenbüttel: Wie der Wahlkrimi gestern Abend weiterging

von Romy Marschall





Nachdem klar war, welche Direktkandidaten die Wahlkreise gewonnen hatten, gab es sowohl bei der SPD als auch der FDP die Dankesreden an die jeweiligen Wahlhelfer. Falk Hensel, der den Direkteinzug in den Landtag nur knapp verfehlte gegen Frank Oesterhelweg, darf sich dennoch freuen. Für seine Partei hat es mit einem Sitz Vorsprung gereicht, so daß es in Niedersachsen zum Regierungswechsel kommt. Björn Försterling hatte zwar ein alle überraschendes Ergebnis seiner Partei zu verzeichnen, die bisherige Regierungskoalition ist dennoch nicht aufrecht zu erhalten. Mit dem Einzug der FDP in den Landtag, zieht Försterling über seinen Listenplatz in den Landtag mit ein und wird zusammen mit Frank Oesterhelweg und Marcus Bosse den Landkreis Wolfenbüttel in Hannover vertreten.

[image=5e17653a785549ede64ce46b]Irgendwann zwischen halb acht und acht bricht ein bißchen Feierstimmung aus bei der FDP im Kreta. Björn Försterling bedankte sich bei allen Freiwilligen Wahlhelfern und lud spontan die Anwesenden ein. Er hatte auch die Jungen Liberalen schon zum Freibier eingeladen, "das wird mich mindestens 2000 Euro kosten." Sein Fazit lautete: "In der Tat haben wir ein ordentliches Ergebnis eingefahren, ab morgen geht's mit dem Bundestagswahlkampf los." Rudolf Ordon gratulierte Försterling im Anschluß und versicherte ihm auch die weitere Unterstützung hier vor Ort: "du hast dich in den letzten fünf Jahren zu einem der profiliertesten Politiker entwickelt, daraus resultiert auch die Unterstützung hier."



Nach dem Überraschungsergebnis befragt, sieht es Rudolf Ordon differenziert und mahnt zur Bescheidenheit: "da sind sehr viele CDU-Wähler dabei, die Mc Allister und die schwarz-gelbe Regierung sichern wollten. Das Stimmensplitting sollte uns nicht zu euphorisch stimmen. Wir müssen uns bewußt sein, daß wir das Ergebnis der CDU verdanken. Das heißt, wir müssen zusehen, daß wir unsere eigene Basis verbreitern."


Gegen 20 Uhr hält auch Falk Hensel eine rührende Rede, für die er großen Applaus erhält. Er bedankt sich für die tolle Unterstützung und ist ein fairer Verlierer im Kampf um das Direktmandat. Es wird positiv in die Zukunft geschaut, mittendrin kommen neue Prognosen, die für den Wechsel sprechen. Freude macht sich breit und es bleibt die offene Frage, wie es im Land ausgehen wird. Außerdem bleibt die Frage der offenen Listenplätze. Danach macht sich eine erste Aufbruchstimmung breit.


Sabine Resch-Hoppstock erklärt: "wenn Falk eine Frau gewesen wäre, wäre er drin gewesen." Auf den Landeslisten sind Frauen in der Regel weiter oben platziert. Der Einzug von Marcus Bosse sei "eh unstrittig" gewesen und der hauchdünne Vorsprung von Rot-Grün lasse hoffen, zumindest auf Kreisebene habe man schon mehrfach die gute Zusammenarbeit unter Beweis gestellt. "Und mit Falk und Marcus haben wir eh gewonnen hier für den Landkreis." Falk Hensel sei ein "super Kandidat gewesen, der im Wahlkampf ganz dicht dran war an den Menschen." Außerdem habe er ein beachtliches Ergebnis gegen Oesterhelweg hingelegt.

[image=5e17653a785549ede64ce468]Inzwischen war auch Landrat Jörg Röhmann zu Besuch und unterhielt sich mit seinen Parteikollegen. Dörthe Weddige-Degenhardt prophezeit, "das wird ein sehr disziplinierter Landtag werden, denn jede Stimme zähle und somit müssen immer alle anwesend sein." Sie bedauert, daß der Landkreis künftig nur noch mit drei statt wie bisher mit fünf Stimmen vertreten sein werde. Dennoch habe die SPD zu alter Stärke zurückgefunden, "das Tal, das die Agenda 2010 gerissen hatte, ist überwunden." Ihrem Nachfolger Falk Hensel hätte sie es "etwas leichter gewünscht, aber es war klar, daß es schwer werde als Newcomer." Von uns nach einem Kommentar zu Peer Steinbrück befragt, antwortet sie: "Wir wollten einen Kandidaten mit Ecken und Kanten und den haben wir jetzt. Ich halte ihn für einen guten Kanzlerkandidaten, aber er hat uns mehr Gegen-  als Rückenwind beschert. Das war nicht unbedingt hilfreich."

Die FDP zieht gegen 20.30 Uhr weiter zur Wahlparty der CDU. "Wir holen uns dort die fehlenden Prozente," kommentiert Björn Försterling den Ortswechsel. Zu den aktuellen Tendenzen ist er recht verhalten, "fragen Sie ihn morgen früh noch mal," empfiehlt mir ein FDP-Mitglied. Försterling selbst berichtet davon, der er in den letzten drei Tagen insgesamt nur sechs Stunden geschlafen habe, weil er mit den Jungen Liberalen auf Wahlkampftour war.

Nachdem inzwischen klar ist, daß Marcus Bosse den Wahlkreis 10 und Frank Oesterhelweg den Wahlkreis 9 gewonnen hat, ist Försterling der dritte Wolfenbütteler im Landtag über seinen Listenplatz. Befragt, was er denn im Landtag für die Stadt erreichen wolle, antwortet er: "das, was wir die letzten Jahre auch schon gemacht haben. Wir werden uns um die Hauptkirche kümmern und um das Lessingtheater. Wir werden die gute Arbeit sicherlich fortsetzen können."

Die Tagesthemen geben das offizielle Ergebnis bekannt, es wird einen Regierungswechsel geben, schwarz-gelb ist ganz knapp abgewählt.

Die Wahlparty der SPD endet gegen 23 Uhr.


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