Wolfsburg. Das Klinikum Wolfsburg hat sein gefäßchirurgisches Behandlungsspektrum um ein neues Verfahren zur Therapie von Verengungen der Halsschlagader erweitert. Mit der sogenannten TCAR (Trans Carotid Artery Revascularization) stehe Patienten jetzt eine besonders schonende Form der Behandlung zur Verfügung, heißt es in einer Pressemitteilung des Klinikums.
„Unser Ziel ist es, Schlaganfälle möglichst zu verhindern, bevor sie entstehen. Mit der TCAR können wir ausgewählten Patientinnen und Patienten mit einer hochgradigen Verengung der Halsschlagader eine innovative Therapieoption anbieten“, sagt Prof. Dr. Tomislav Stojanovic, Chefarzt der Klinik für vaskuläre und endovaskuläre Gefäßchirurgie im Klinikum Wolfsburg.
Schutz für das Gehirn während des Eingriffs
Beim TCAR-Verfahren wird ein Stent in die Halsschlagader eingesetzt, um das Gefäß offenzuhalten und den Blutfluss zum Gehirn zu verbessern. Dabei erfolgt der Zugang zur Halsschlagader über einen kleinen Schnitt oberhalb des Schlüsselbeins. Während des Eingriffs wird der Blutfluss vorübergehend umgeleitet. Das Besondere daran: „Kleine Ablagerungen oder Partikel, die sich bei der Behandlung aus der Gefäßwand lösen könnten, werden vom Gehirn weggeleitet“, erklärt Prof. Stojanovic. Durch das sogenannte Flussumkehr-System soll das Risiko eines Schlaganfalls während des Eingriffs reduziert werden.
Alternative für Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko
Die TCAR biete einen wirksamen Schutz für das Gehirn während des Eingriffs, hebt auch Oberarzt Wojciech Haratym hervor: „Bei geeigneten anatomischen Voraussetzungen stellt das neue Verfahren für viele Patienten, insbesondere bei einem erhöhten Operationsrisiko, eine schonende Alternative zur klassischen offenen Operation an der Halsschlagader dar. Das gilt besonders für Patienten, die bereits einen kleineren Schlaganfall erlitten haben und bei denen eine hochgradige Halsschlagaderenge als Ursache erkannt wurde.“
Welche Therapie bei einer Halsschlagaderverengung im Einzelfall am besten geeignet ist, entscheiden die Spezialisten der Gefäßchirurgie und der Patient nach einer individuellen Untersuchung. Dabei spielen unter anderem auch der Grad und die Lage der Gefäßverengung, mögliche Beschwerden sowie Vorerkrankungen und persönliche Risikofaktoren eine Rolle.
„Durch den minimalinvasiven Charakter des Eingriffs kann die TCAR in vielen Fällen ohne Vollnarkose durchgeführt werden. Das ist besonders für ältere Patienten mit mehreren Begleiterkrankungen von Vorteil und kann die Belastung und das Narkoserisiko deutlich reduzieren“, nennt Prof. Stojanovic einen weiteren Vorteil. In den USA hat sich TCAR etabliert: Inzwischen werden dort mehr als 30 Prozent der Carotis-Stentbehandlungen mit diesem Verfahren durchgeführt.
„Ich bin mit der Behandlung sehr zufrieden. Während des Eingriffs in örtlicher Betäubung hatte ich keine Schmerzen. Schon am nächsten Tag war ich beschwerdefrei und konnte mich wieder vollkommen selbstständig bewegen“, berichtet Hans-Christian Günzel nach seiner erfolgreichen TCAR-Behandlung im Klinikum Wolfsburg. Eine Halsschlagaderverengung ist die Ursache für etwa jeden sechsten Schlaganfall. In Deutschland entspricht dies rund 30.000 Fällen jährlich.
Ausbau der Gefäßmedizin in Wolfsburg
Für die Gefäßchirurgie ist die Einführung des TCAR-Verfahrens ein weiterer Schritt beim Ausbau hochspezialisierter Behandlungsmöglichkeiten im Klinikum Wolfsburg. Die Versorgung reicht von der Diagnostik über die Auswahl des individuell geeigneten Therapieverfahrens bis zur Nachsorge.
Erst vor Kurzem wurde die Gefäßchirurgie des Klinikums von der RAL-Gütegemeinschaft erneut für die Behandlung von Aortenaneurysmen sowie Arterien- und Venenerkrankungen zertifiziert. Sie ist damit die einzige entsprechend zertifizierte Einrichtung in Südostniedersachsen. Das Siegel bestätigt definierte Qualitätsstandards in Diagnostik, Behandlung und Nachsorge von Gefäßerkrankungen.

