Wolfsburg. „Ich muss nach Hause.“ Ein Patient steht mit suchenden Blicken und im Schlafanzug auf dem Flur einer Station im Klinikum Wolfsburg. Aus einem Zimmer dringt das Piepen von Monitoren, irgendwo rollt ein Pflegewagen über den Stationsboden. Es ist morgens, die Nacht war unruhig. Der Patient schaut Richtung Ausgang und Treppenhaus. Dass er im Krankenhaus ist, hat er längst vergessen. Um an Demenz erkrankten Patienten zu helfen, setzt das Klinikum auf Ehrenamtliche, wie es in einer Pressemitteilung berichtet.
Für Menschen mit Demenz können Krankenhausaufenthalte zur Ausnahmesituation werden. Fremde Räume, unbekannte Gesichter, wechselnde Abläufe. Vieles, was Sicherheit gibt, fällt plötzlich weg. Orientierungslosigkeit, Angst und innere Unruhe sind oft die Folge. Situationen wie diese erleben Pflegekräfte im Klinikalltag regelmäßig. Rund jede zehnte Patientin beziehungsweise jeder zehnte Patient im Krankenhaus ist von einer demenziellen Erkrankung betroffen. Häufig ist sie allerdings nur eine Nebendiagnose, der Grund des Krankenhausaufenthalts ein ganz anderer.
Kleine Momente der Vertrautheit
Damit Menschen mit Demenz im Klinikum Wolfsburg mehr Begleitung, Orientierung und Unterstützung erhalten, sind hier auf einigen Stationen ehrenamtliche Patientenbegleiterinnen und -begleiter im Einsatz. Sie sollen Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen direkt während ihres Krankenhausaufenthalts Zeit, Aufmerksamkeit, mehr Sicherheit und kleine Momente der Vertrautheit schenken, erklärt die Demenzbeauftragte im Klinikum, Julia Neumann: „Oft sind es gerade die einfachen Dinge, die beruhigend wirken. Vorlesen, spazieren gehen, spielen oder gemeinsam zu Untersuchungen gehen“, sagt sie. „Persönliche Zuwendung kann sehr viel auffangen, wenn vertraute Orientierung fehlt.“
Unterhaltung und Beratung
Seit mittlerweile gut drei Jahren engagiert sich Barbara Hocke ehrenamtlich als Patientenbegleiterin im Klinikum Wolfsburg. Nach 48 Berufsjahren, überwiegend im Büro, sei für sie früh klar gewesen, dass sie ihre freie Zeit sinnvoll einsetzen möchte. „Durch die jahrelange Betreuung meiner Mutter hatte ich häufig Kontakt mit älteren Menschen.“ Für sie war immer klar: „Wenn ich nicht mehr arbeiten muss, möchte ich Zeit verschenken und mich um ältere Menschen kümmern, die Hilfe brauchen“, erzählt die 65-jährige.
Heute besucht sie ältere Menschen und Patientinnen und Patienten mit Demenz direkt in ihren Krankenzimmern. Gemeinsam sprechen und spielen sie, schwelgen sie in Erinnerungen. Besonders beliebt sei ein Sprichwörter-Quiz, bei dem alte Redewendungen ergänzt werden müssen. Manchmal schaut sie gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten alte Fotos an, beispielsweise Aufnahmen aus Wolfsburg oder Bilder aus früheren Zeiten. „Das Material habe ich immer in meiner Patientenbegleitertasche dabei“, sagt die Wolfsburgerin. Darüber hinaus geben die Ehrenamtlichen auch Hinweise auf Beratungs- und Unterstützungsangebote für Angehörige von Menschen mit Demenz weiter.
Umfassende Schulungen
Vor ihrem ersten Besuch auf Station bereitet das Klinikum die Ehrenamtlichen umfassend vor. In Schulungen lernen sie den Umgang mit Menschen mit Demenz, erhalten Hintergrundwissen zur Erkrankung und erfahren mehr über die besonderen Herausforderungen eines Krankenhausaufenthalts. Zur Vorbereitung gehört auch, dass sie über regionale Unterstützungs- und Beratungsangebote außerhalb des Klinikums informiert werden, die sie an Angehörige weitergeben können. Darüber hinaus tauschen sich die Ehrenamtlichen in regelmäßigen Teambesprechungen mit der Demenzbeauftragten Julia Neumann aus.
So kann man sich engagieren
Um dieses ehrenamtliche Angebot für Patientinnen und Patienten mit einer demenziellen Erkrankung zu sichern, sucht das Klinikum Wolfsburg weitere Menschen mit Empathie, Offenheit und Freude am Umgang mit anderen. Vorkenntnisse seien dabei nicht zwingend erforderlich, hält Neumann fest: „Wir wünschen uns engagierte Frauen und Männer, die bereit sind, sich auf die Welt von Menschen mit Demenz einzulassen.“
Ihre Einsatzzeiten können die Ehrenamtlichen flexibel gestalten. Wünschenswert sei ein Engagement von etwa ein bis zwei Stunden pro Woche. Interessierte können sich direkt bei der Demenzbeauftragten des Klinikums Wolfsburg melden.

