Wolfsburg. Das Klinikum Wolfsburg gehört medizinisch zu den Top-Adressen der Region. Es komfortabel zu erreichen, ist derweil gar nicht so leicht. So herrscht eigentlich Konsens, dass es dort zu wenig Parkplätze für Mitarbeiter, Patienten und Besucher gibt. Ein Vorschlag der Stadtverwaltung und des Klinikums, wie sie diesen Missstand beheben wollen, ist nun im Ortsrat Mitte-West aber krachend durchgefallen.
Der Beschlussvorschlag sieht vor, die derzeit provisorischen ebenerdigen Parkflächen P2 und P3 zu sanieren und insgesamt 55 weitere Parkplätze zu schaffen. Der Klinikumsausschuss hatte ihn eine Woche zuvor durchgewunken, im Ortsrat Mitte-West stieß er jetzt aber auf Widerstand. "Wir haben kurz und heftig diskutiert", schildert Ortsbürgermeister Sabah Enversen (SPD) im Gespräch mit regionalHeute.de die hitzige Atmosphäre bei der Sitzung. Mit der Mehrheit der Stimmen hatte das Gremium den Vorschlag letzltich abgelehnt.
Ebenerdiger Parkplatz: "ein Frevel"
Ganz besonders Enversen sei "not amused" gewesen, wie er berichtet. Schließlich habe er die Verwaltung schon vor langer Zeit aufgefordert, ein Konzept zu entwickeln, wie die Flächen, um die es dabei geht, vernünftig weiterentwickelt werden könnten. Alles vor dem Hintergrund: Innerstädtische Flächen sind knapp und könnten doch viel besser genutzt werden. "Der Klieversberg ist eine bevorzugte Lage. Da ebenerdig einen Parkplatz zu bauen, ist ein Frevel", so Enversen.
Der Ortsbürgermeister nennt als Beispiel den geplanten Edeka-Markt am Dunantplatz. Dieser Neubau ist so vorgesehen, dass darüber Wohnungen entstehen und unten drunter eine Tiefgarage – ein komplexes Vorhaben. "Da muss der Investor schon mit sehr spitzem Stift rechnen. Auf der anderen Seite will die Stadt in bester Lage einen ebenerdigen Parkplatz bauen. Das passt nicht zusammen, das ist ein Widerspruch“, betont Enversen. Die Fläche auf diese Weise zu verplanen, das sei schon sehr fragwürdig.
Der Ortsbürgermeister sieht das als vertane Chance, sein Ortsgebiet weiterzuentwickeln. "Die Stadt wächst seit Jahrzehnten immer weiter nach außen“, erklärt Enversen. Dadurch gebe es zahlreiche Infrastrukturprobleme – aber auch demographische Schwierigkeiten in Mitte-West. Viele der Wohnungen dort seien vom Zuschnitt her nicht mehr zeitgemäß, der Ort bräuchte mehr Wohnfläche. Für den neuen Edeka – den der Bürgermeister hier wieder als Beispiel anführt – gebe es eigentlich nicht genug Kundschaft unter den Ortsbewohnern. Attraktiv sei die Lage dennoch, denn "wir rechnen die mehr als 1.000 Mitarbeiter des Klinikums dazu."
Parkhaus am Klinikum wäre schon besser gewesen
Zurück zum Parkplatz am Klinikum: Nachdem Enversen bereits vorgeschlagen hatte, Konzepte für die Entwicklung der Fläche zu erarbeiten, sei er nahezu schockiert gewesen, stattdessen die aktuelle Beschlussvorlage zu erhalten. "Da fehlt das Gesamtkonzept. Das ist eine platte Lösung nur fürs Parken", kritisiert Enversen, der den Vorschlag, ein Parkhaus zu bauen, schon eher akzeptiert hätte.
Noch lieber würde er aber mit dem aktuellen Provisorium am Klinikum weiterleben. Schließlich gibt es dort vorerst Parkfläche. "Die ist jetzt nicht schön. Aber mir ist es lieber, es ist mal für eine gewisse Zeit nicht schön, aber dafür können wir dort etwas Vernünftiges planen." Ein Konzept soll her. Enversen wünscht sich daher einen überarbeiteten und verbesserten Beschlussvorschlag von Klinikum und Stadtverwaltung.
Ob es dazu kommt, hängt aber auch von anderen politischen Entscheidungsträgern ab. Die Beschlussvorlage soll als Nächstes im Finanz- und im Verwaltungsausschuss besprochen werden, bevor sie im Rat der Stadt auf der Tagesordnung stehen wird.

