Region. Graffiti spalten die Gemüter und sorgen immer wieder für Diskussionen. Auch in unserer Region gehören sie längst zum alltäglichen Bild – meist in Form von kleineren Schriftzügen, sogenannten Tags, an Bushaltestellen, Hauswänden und Mülleimern. Doch auch größere Wandbilder, beispielsweise in Unterführungen, lassen sich nahezu überall finden. Wer ohne Erlaubnis des Eigentümers Flächen besprüht, macht sich strafbar – in der Region gibt es jedoch auch einige Orte, an denen das Sprayen erlaubt ist. regionalHeute.de weiß, wo.
Für die einen sind die oftmals bunten Bilder schlicht ein Ärgernis. Nicht ganz zu Unrecht, denn deren Entfernung ist mit einigem Aufwand und teils hohen Kosten verbunden. Fassaden, die mit Graffiti versehen wurden, können durch die Farben sogar Schaden nehmen. Für andere wiederum sind Graffiti eine Kunstform. Der berühmteste Vertreter der Szene ist wohl der Brite Banksy, der mit seinen politischen und gesellschaftskritischen Werken immer wieder für Aufsehen sorgt. In seinem Fall bewirken die Wandbilder sogar eine enorme Wertsteigerung der betroffenen Gebäude.
Die ältesten "Graffiti" sind 30.000 Jahre alt
Entstanden sind Graffiti nicht etwa, wie oft vermutet wird, mit der Punk-Bewegung, sondern wesentlich früher: Bereits in der Steinzeit hinterließen die Menschen Botschaften auf Felsen – wie etwa in der französischen Chauvet-Höhle, wo die ältesten bekannten Höhlenmalereien der Welt zu finden sind. Auch in der Antike wurden Bilder und Inschriften in Hauswände geritzt. Moderne Graffiti entstanden ab den 1960er Jahren in den USA und verbreiteten sich von dort aus in die ganze Welt, nicht zuletzt aufgrund der Verbindung mit der ab den 1970ern aufkommenden Hip-Hop-Kultur.
Zwischen Politik und Kunst
Während viele Graffiti schlichtweg ein Ausdruck der jeweils vorherrschenden Jugendkultur sind, haben andere eine tiefere Bedeutung. In unserer Region weitverbreitet sind beispielsweise bunte Hinterlassenschaften von Fußballanhängern. Auch politische Botschaften aus verschiedenen Lagern kommen häufiger vor. In großen Städten wie Berlin markieren Gangs ihr "Revier", oft mit Schriftzügen oder Zahlenkombinationen.
Murals als Stadtbildaufwertung
Mittlerweile finden sich in Deutschland aber auch vermehrt sogenannte Murals, also großformatige Wandgemälde. Diese sind meist künstlerischer und werden oftmals sogar von den Gebäudeeigentümern in Auftrag gegeben. Sie können das Stadtbild aufwerten und nehmen manches Mal sogar direkten Bezug zur Umgebung. Beliebt sind aber auch Naturmotive, die einen Kontrast zu Beton und Großstadttrubel herstellen.
Hier kann man legal sprayen
Wer nun Lust bekommen hat, selbst einmal zur Spraydose zu greifen, muss dafür nicht des Nächtens mit einer Kapuze über dem Kopf durch die Straßen schleichen. In der Region gibt es zahlreiche Kommunen, die für Künstler und solche, die es noch werden wollen, eigene Flächen zur Verfügung stellen.
Braunschweig und Wolfenbüttel:
In Braunschweig gibt es schon seit geraumer Zeit Flächen, an denen legal gesprayt werden darf. Die bekanntesten und beliebtesten befinden sich an der Ringgleis-Unterführung Münchenstraße nahe dem alten Westbahnhof. Auch an der ehemaligen Markthalle gibt es legale Flächen. In Wolfenbüttel gibt es aktuell eine ausgewiesene legale Graffiti-Fläche im sogenannten Trash Park.
Gifhorn und Wolfsburg:
In Gifhorn gibt es eine Graffiti-Fläche an der Skaterbahn am Sportzentrum Flutmulde. Hierbei handelt es sich um zwei Wände, die legal besprüht werden dürfen. Am Südcampus ist ebenfalls geplant, Wände zum Besprühen aufzustellen, wie die Stadtverwaltung von Gifhorn auf Anfrage der Redaktion mitteilt. In Wolfsburg kann man an Spraywänden auf dem Außengelände des Hallenbad Kulturzentrums und am Pumptrack Reislingen sprühen – dort sind die Betonmauer innen sowie der Bauwagen auf dem Pumptrackgelände für Graffiti freigegeben.
Goslar und Salzgitter:
In Goslar steht die Rückwand des Gebäudes der Goslarschen Höfe (zur Bahnlinie hin) an der Okerstraße für Graffitis zur Verfügung. In Salzgitter gibt es gleich mehrere Möglichkeiten: Die Brücke Salzgitter Mitte (Unterführung Industriestraße Mitte – SZ-Watenstedt Friedhof), die Betontrennwand an der „Willy-Brandt-Straße“, die Unterführung am Bahnhof in Salzgitter-Bad, ein Fahrgastunterstand an der Straße „Gittertor“, zwei Fahrgastunterstände an der „Erzwäsche“ sowie das Toilettenhaus am Bahnhof in Ringelheim. Außerdem können Interessierte die Tiefgarage am Tillyhaus in Salzgitter-Bad, das Toilettenhäuschen am Bahnhof in Salzgitter-Bad und die Fassade des Kinder- und Jugendtreffs (KJT) Graffiti in Lebenstedt zum Sprayen nutzen.
In Helmstedt und Peine gibt es nach Auskunft der dortigen Stadtverwaltungen bislang keine legalen Graffiti-Flächen.



