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Auch für Sozialdemokraten gilt die Maskenpflicht!



Wolfenbüttel

Auch für Sozialdemokraten gilt die Maskenpflicht!

Dunja Kreiser und Dennis Berger (beide SPD) machen Wahlkampf in der verschneiten Fußgängerzone von Wolfenbüttel. Eine Maske scheinen sie dort allerdings nicht zu brauchen.

Ein Kommentar von Niklas Eppert

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Rudolf Karliczek

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Wolfenbüttel. Mit einem Pressefoto sorgen die Landtagsabgeordnete Dunja Kreiser (SPD) und der Bürgermeisterkandidat Dennis Berger (SPD) für Wirbel. Beide hatten sich in der eingeschneiten Wolfenbütteler Innenstadt für eine Pressemitteilung ablichten lassen. Darin fordern sie Solidarität der Vermieter, um das Sterben der Innenstadt zu verhindern. Das Problem: Keiner der Beiden trägt einen Mund-Nasenschutz. Ironisch, findet unser Autor, denn die Sozialdemokraten haben die aktuellen Beschränkungen mitbeschlossen. Bei einem Pressefoto scheint die eigene Solidarität jedoch zu enden.



Sehen Sie sich das Foto im verlinkten Artikel an: Zwei Politiker in der zugeschneiten Innenstadt Wolfenbüttels. Weiße Pracht auf einer Fachwerkkulisse im Hintergrund, beide lächeln selbstbewusst in die Kamera, denn sie haben ein Anliegen: Solidarität mit den von der Coronapandemie betroffenen Einzelhändlern. Eins fehlt jedoch. Na, ist es Ihnen aufgefallen? Weder Dunja Kreiser, noch Dennis Berger tragen eine Maske. Dabei herrscht in der Wolfenbütteler Innenstadt Maskenpflicht, auch für Pressefotos.

Schwer nachzuvollziehen ist das eigentlich nicht: An den Eingängen zur Fußgängerzone stehen deutlich sichtbar Schilder, die darauf hinweisen, das ab hier ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen sei. Glauben Sie mir, ich sehe sie jeden Tag. Und ich sehe auch jeden Tag, wie sich die allermeisten an diese Pflicht halten. Sie zeigen nämlich das, was die SPD-geführte Landesregierung, ebenso wie die SPD-Landrätin immer wieder einfordern: Solidarität. Die scheint für manchen Sozialdemokraten allerdings in der Öffentlichkeitsarbeit zu enden.


Pleiten, Pech und Pannen


Entsprechend sind die Reaktionen der Leserschaft. "Wasser predigen und Wein saufen", schreibt da eine Leserin, ein anderer weist darauf hin, dass der Otto Normalverbraucher dafür ein Bußgeld bekäme. Und sie haben recht. Denn dieser Aussetzer ist nicht der Erste, den die SPD in diesem Winter zu verkraften hat: Erst vor wenigen Wochen war der sozialdemokratische Bundestagabgeordnete Falko Mohrs entgegen aller Warnungen zum Skilauf in den Harz gefahren und hatte davon fröhlich in seinen Social Media Kanälen berichtet. Auch an der katastrophalen Impfsituation ist die SPD dank Regierungsführung und Stellen der Gesundheitsministerin zumindest mit Schuld. Von Reue oder Einsicht jedoch keine Spur. Eine Wolfsburger SPD-Landtagsabgeordnete attestierte der Gesundheitsministerin "eine vorbildliche Strategie" zu verfolgen. Viel Zustimmung wird sie damit vermutlich nicht ernten.

Das maskenlose Bild aus der Fußgängerzone kommt nun zu einer Unzeit. Sowohl Dunja Kreiser, als auch Dennis Berger kandidieren auf politische Ämter. Kreiser will den überlebensgroßen Sigmar Gabriel im Bundestag beerben und das Direktmandat für Wolfenbüttel und den Nordharz holen. Dennis Berger will ins Wolfenbütteler Rathaus einziehen. Kreiser dürfte sich dabei gute Chancen ausrechnen: Sie ist keine klassische Karrierepolitikerin, hat Landtagserfahrung und ist auch über die Parteigrenzen hinaus beliebt. Dennis Berger dagegen geht im Wahlkampf zwischen CDU-Mann Adrian Haack und dem parteilosen Ivica Lukanic unter. Nun hat Berger zwar endlich Aufmerksamkeit, ob er sich gerade solche gewünscht hat, ist jedoch fraglich. Mehr Strahlkraft als Bergers Lieblingsprojekt, die Landesgartenschau für Wolfenbüttel, dürfte das Foto jedoch haben.

Dabei will man weder Kreiser, noch Berger böse Absicht unterstellen. Sie haben vermutlich schlicht nicht daran gedacht. Aber macht es das wirklich besser? Nein, eigentlich nicht, auch wenn die Innenstadt am Wochenende oft gähnend leer ist und das Infektionsrisiko bei diesem Foto vermutlich gegen null geht. Darum geht es aber nicht. Als Politiker tragen die beiden die Maßnahmen mit, die auch von ihrer Partei auf Bundes-, Landes- und Kreisebene beschlossen wurden. Sie haben als Personen öffentlichen Interesses und Verantwortungsträger eine Vorbildfunktion. Und an der sind sie mit diesem Bild krachend gescheitert.


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