Baerbock fordert eine Generalsekretärin an der Spitze der UN

Die scheidende Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, spricht sich explizit für eine Nachfolgerin von UN-Generalsekretär António Guterres aus. "Es ist Zeit für eine Frau", sagte Baerbock der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe).

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Annalena Baerbock (Archiv)
Annalena Baerbock (Archiv) | Foto: via dts Nachrichtenagentur

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New York. Die scheidende Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, spricht sich explizit für eine Nachfolgerin von UN-Generalsekretär António Guterres aus.


"Es ist Zeit für eine Frau", sagte Baerbock der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe). Bislang hatten ausschließlich Männer das höchste Amt bei den Vereinten Nationen inne.

Als Präsidentin der Generalversammlung moderiert Baerbock den Prozess zur Findung eines Nachfolgers des Portugiesen Guterres, dessen Amtszeit im Dezember endet. Derzeit gibt es vier Bewerberinnen und zwei Bewerber. "Die Hälfte der Menschheit sind Frauen und Mädchen", sagte Baerbock der SZ. "Wie möchte eine Institution, die acht Milliarden Menschen vertritt und seit 80 Jahren für Menschenrechte einsteht, erklären können, dass sie auch nach acht Jahrzehnten erneut keine Frau an ihrer Spitze finden kann?"

Eine eigene Kandidatur schloss Baerbock aber aus. Auf die Fragen, ob sie sich vielleicht nicht doch noch als UN-Generalsekretärin bewerben wolle, sagte sie: "Nein. Nach den ungeschriebenen Rotationsregeln ist Lateinamerika dran. Es gibt hervorragende Frauen aus dieser Region."

Baerbock machte deutlich, dass Sie sich aus Deutschland und aus Europa mehr Widerstand erwartet hätte gegen die Angriffe der US-Regierung von Donald Trump auf die UN-Charta und die internationale Friedensordnung. "Das Völkerrecht war schon immer nur so stark wie diejenigen, die bereit sind, es zu verteidigen. Dieser Tage fällt es einigen leider besonders schwer, in solchen Momenten einfach selbstbewusst und klar zu sagen: Das ist im absoluten Widerspruch zum internationalen Recht und damit auch zu unseren nationalen Sicherheitsinteressen", sagte Baerbock. "Und all diejenigen, die in den vergangenen Monaten aus dem bequemen Ledersessel - im Zweifel auch aus Berlin - dahergeredet haben: Na ja, vielleicht muss man die Vereinten Nationen einfach noch einmal neu aufbauen. Die scheinen den Kern dieser Organisation gar nicht zu verstehen: Die UN waren nie für die einfachen Zeiten gebaut."

Baerbock sprach außerdem über ihren persönlichen Umgang mit teils sehr harter Kritik und darüber, wie sie in dem Jahr in ihrem neuen Leben in New York, "ein Stück weit Anonymität und damit auch Freiheit" zurückgewonnen habe. Gleichzeitig gibt sie sich trotzig gegenüber frauenfeindlichen Diffamierungen. Sie sagt: "Gutgelaunte Frauen in Machtpositionen sind für manche Männer weiterhin keine Selbstverständlichkeit, sondern offensichtlich der schlimmste Trigger. Wir sind aber mittlerweile zu viele. Und wir Frauen werden uns nicht dafür entschuldigen oder gar aufhören, selbstbewusst, erfolgreich und zugleich lebensfroh zu sein."

Auf die Frage, welche Frauen ihr in diesem Sinne die Türen für ihre politische Karriere geöffnet hätten, sagte Baerbock der SZ: "Ohne Angela Merkel als Kanzlerin wäre ich wahrscheinlich niemals erste weibliche Außenministerin geworden."