Brauerei-Insolvenz vor Meilenstein? Wolters-Mitarbeiter senden Hilferuf

Wie ist die Braunschweiger Brauerei noch zu retten? Diese Frage stellen sich auch die Mitarbeiter, die zudem ihre Löhne in Gefahr sehen.

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Die traditionsreiche Wolters-Brauerei durchlebt derzeit eine schwierige Zeit.
Die traditionsreiche Wolters-Brauerei durchlebt derzeit eine schwierige Zeit. | Foto: Matthias Kettling

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Braunschweig. Wie geht es nur weiter mit der größten Brauerei der Region? Diese Frage dürfte nicht nur Biertrinker beschäftigen. Die Hofbrauhaus Wolters GmbH hatte im Juni Insolvenz angemeldet und führt seitdem eine Sanierung in Eigenregie durch. regionalHeute.de hatte mehrfach dazu und zu den weiteren Konsequenzen berichtet. Doch wie ist der aktuelle Sachstand – wie geht es mit Wolters weiter? Diese Frage ist auch deshalb interessant, weil bald drei Monate seit Beginn des Verfahrens vergangen sind.



Drei Monate stellen im Insolvenzrecht einen bedeutenden Meilenstein dar: So lange können die Gehälter an die Belegschaft durch das sogenannte Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur bezahlt werden. So können Unternehmen, die in Schieflage geraten sind, sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter ihren Lohn erhalten. Dass dieser Zeitraum jetzt abläuft, ohne dass es eine Sachstandsmeldung von Wolters gibt, bereitet daher auch den Arbeitnehmervertretern Sorge. Während Wolters selbst zum Stand der Sanierungsbemühungen – auch auf eine Anfrage von regionalHeute.de hin – sich weiterhin bedeckt hält, formuliert jetzt die für Teile der Wolters-Belegschaft zuständige Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten (NGG) ihre akuten Sorgen.

Seit Wochen keine Signale von der Geschäftsführung


So erklärt Katja Derer, Geschäftsführerin der NGG Region Süd-Ost-Niedersachsen-Harz, auf Anfrage von regionalHeute.de: Sie beurteile die Situation bei Wolters "sorgenvoll, aber mit Hoffnung". Dass das Brauhaus sich mit einer Insolvenz in Eigenverantwortung sanieren will, spreche "zunächst für einen Fortführungswillen", so Derer. Dann formuliert die Gewerkschafterin aber die Sorgen: "Seit Wochen allerdings gibt es keine konkreten Signale vom Insolvenzverwalter oder der Geschäftsführung, wie es nun weitergeht. Das spricht dafür, dass eine Konsolidierung der Brauerei bisher nicht so erfolgreich gelungen ist, dass es verkündet werden kann."

Insolvenzgeld läuft bald aus


Derer betont: "Die Zeit wird nun eng. Diesen Monat endet die Zahlung von Insolvenzgeld als Lohnausfallersatz." Gewerkschaft und Mitarbeiter seien besorgt, "wie es ab September weitergeht und ob die Löhne gezahlt werden können." Die Bier- und Getränkeproduktion laufe jedenfalls weiter, Arbeit sei genug da, so Derer. "Alle hoffen auf eine erfolgreiche Sanierung, die Mitarbeiter sind aber verunsichert und fordern eine bessere Informationspolitik durch die Geschäftsführung ein."

Die NGG stehe in regelmäßigem Kontakt mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaftsmitgliedern. "Aus diesem Austausch haben wir den Eindruck, dass die Beschäftigten nur oberflächlich informiert werden und der Betriebsrat leider nicht eng in die Planungen und Sanierungsbemühungen auf Chefetage eingebunden werden", erklärt Derer. Daraus entstehe die Befürchtung, dass Betriebsrat und Belegschaft ad hoc vor vollendete Tatsachen gestellt werden könnten, ohne vorher an Lösungen mitwirken zu können. "Es kann in einer Insolvenz nicht immer über alles und mit jedem offen gesprochen werden, das ist klar. Aber es ist jetzt Zeit für eine klare Kommunikation an die Belegschaft, wie es weitergeht", befindet Derer.

Hilferuf der Wolters-Belegschaft


Die NGG kann keinen Einfluss auf die Prozesse innerhalb der Brauerei nehmen. Gleichwohl unterstütze die Gewerkschaft die Mitarbeiter – unter anderem, ihre Meinung kundzutun. "Die Mitarbeiter gehen nun in die Öffentlichkeit und fordern eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Akteure, die an einer Rettung der Wolters-Brauerei und der dazugehörigen Wolters Servicegesellschaft interessiert sind. Dieser Hilferuf richtet sich an die Stadt Braunschweig, den Vorstand der Volksbank BRAWO, den Aufsichtsrat der Volksbank BRAWO und alle potenziellen Investoren, die diese Traditionsbrauerei in Braunschweig erhalten möchten. Die Brauerei feiert – hoffentlich – nächstes Jahr ihr 400. Jubiläum" betont Derer.

Wolters "im Herzen": Die Marke und ihre regionale Verbundenheit


Der Erfolg der Brauerei an der Böcklerstraße, er sei eben auch das Ziel, das die Gewerkschaft verfolgt, in erster Linie um die Arbeitsplätze zu erhalten. Wolters sei eben auch eine regionale Marke, die viel mit Emotionen zu tun hat. Die Mitarbeiter, so Derer, würden "mit Herzblut" ihre Arbeit machen, während die Kunden "die Marke im Herzen tragen". "Ohne starke Verbundenheit zur Marke lässt sich kein regionaler Erfolgs- und Wachstumskurs erreichen. Noch haben wir diese Verbundenheit bei den Menschen. Sie sollte nicht durch riskante oder ideenlose Geschäftsstrategien aufs Spiel gesetzt werden", betont Derer. Die Brauerei selbst hatte schon Anfang des Jahres als unternehmerisches Ziel angekündigt, einen "Wandel vom klassischen Bierbrauer zum innovativen Getränkehersteller" zu vollziehen. Diese strategische Ausrichtung und ein stärkerer Fokus auf den regionalen Markt sollen den Erfolg (zurück)bringen.

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