Braunschweig. Die Insolvenz der Wolters Brauerei – das Braunschweiger Unternehmen strebt, wie regionalHeute.de berichtete, eine Sanierung in Eigenregie an – bringt weitere Folgen mit sich. So müssen jetzt im Zuge dieser Braunschweiger Bier-Krise auch Tochterunternehmen ihre Zahlungsunfähigkeit bekanntgeben – darunter eine weitere Traditionsbrauerei. Auch Zulieferer ziehen Konsequenzen.
Die Angelegenheit ist dringlich. Das hatte vergangene Woche der Rat der Stadt Braunschweig festgestellt. Dort einigten sich die Ratsmitglieder darauf, einen Runden Tisch zum Thema Wolters einzuberufen. Inzwischen liegen weitere Insolvenzanträge beim Amtsgericht Braunschweig vor. Einer davon hat seinen Ursprung in Sachsen-Anhalt.
Wolters-Tochter steht ebenfalls finanziell unter Druck
Die 1872 gegründete Colbitzer Heide-Brauerei aus der Magdeburger Börde zählt zu den wenigen regionalen Bierherstellern Sachsen-Anhalts. Als sie 2012 bereits einmal in die Insolvenz schlingerte, griff Wolters zu. Ein Jahr später übernahm das Braunschweiger Unternehmen die Colbitzer-Brauerei als hundertprozentige Tochter für einen Kaufpreis von 450.000 Euro und investierte fleißig in die Modernisierung des Standorts nördlich von Magdeburg – unter anderem in ein neues Sudhaus.
Nun, da bei Wolters, das selbst seit 2021 zur Volksbank BRAWO gehört, die Gelder ausgehen, offenbaren sich auch bei Colbitzer die finanziellen Schwierigkeiten. Über Jahre hinweg hatte das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt rote Zahlen geschrieben, war quasi abhängig von Zuschüssen des Mutterunternehmens aus Braunschweig. Das Insolvenzverfahren der Mutter zieht jetzt auch die Tochter mit rein.
Das gilt auch für ein weiteres Unternehmen in Braunschweig. Ebenfalls betroffen ist die Hofbrauhaus Wolters Service GmbH. Auch dieses Tochterunternehmen hat jetzt Insolvenz beantragt. Es ist vor allem für Veranstaltungen der Brauerei zuständig. Außerdem betreibt es den Wolters-Fanshop.
Bundesweite Bier-Krise erreicht Braunschweig und die Region
Die Bier-Krise, unter der die Branche bundesweit leidet, erreicht inzwischen auch die Zulieferer. So wurde kürzlich bekannt, dass der US-amerikanische Agrarkonzern Cargill seinen Mälzturm am Standort Salzgitter – einer der Hauptabnehmer dessen Produkte war die Wolters-Brauerei – schließen musste, wovon acht Arbeitsplätze betroffen sind.
Es gibt also viel zu tun – nicht nur für den Runden Tisch Wolters, der laut Ratsbeschluss umgehend seine Arbeit aufnehmen soll. Dabei stehen alle Beteiligten dem wohl größten Gegner der Brauereien gegenüber: dem dramatisch sinkenden Bierabsatz deutscher Brauereien. Wie das Statistische Bundesamt bereits im Februar mitgeteilt hatte, sei dieser 2025 auf einem Tiefstand gewesen. Dieser Trend dürfte auch in Braunschweig schwierige Entscheidungen erforderlich machen.
