Einsparungen beim Schoduvel - P2 allein auf weiter Flur

von Sandra Zecchino


Ohne die Mehrheit der übrigen Fraktionen kann auch nächstes Jahr weiter gefeiert werden. Foto: Nick Wenkel
Ohne die Mehrheit der übrigen Fraktionen kann auch nächstes Jahr weiter gefeiert werden. Foto: Nick Wenkel Foto: Archiv

Region. Die jährlichen Haushaltsverhandlungen in der Stadt Braunschweig laufen und in diesem Rahmen beantragte die Fraktion P2, dem Karneval einen Großteil der Gelder streichen. regionalHeute.de fragte nach, was die einzelnen Fraktionen von der Idee halten. Und natürlich konnte sich die Fraktion P2 ebenfalls direkt zu ihrem Antrag äußern.


Dabei bekräftigte Fraktionsvorsitzender Maximilian P. Hahn nicht nur den Antrag sondern sieht sich durch die Reaktionen auf den gestrigen Artikel von regionalHeute.de noch bestätigt. "Der Karneval hat nicht nur kulturell seine Wurzeln verloren, sondern mutiert zu einer regelrechten Gefahr, wenn ich Pro-Karneval-Argumentationen lesen muss, in denen von genetischem Erbgut und Identität die Rede ist."

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Maximilian P. Hahn. Foto: Foto:



Er höre sich gerne sachliche Gegenargumente an, sofern nicht einfach auf den Zug der Opportunisten aufgesprungen werde - nach dem Motto "Brot und Spiele für das Volk".

"Wenn sich Menschen ansonsten so zahlreich und kritisch zu Wort melden würden, zum Beispiel wenn es um Kürzungen im sozialen Bereich ginge - doch stattdessen müssen dort notwendige Massnahmen teilweise Jahre auf Zuschüsse hoffen", umschreibt der Politiker die Situation in den Haushaltsverhandlungen. "Der jährliche Haushalt ist immer eine Abwägung und der Karneval ist etabliert - ich bin mir sicher, dass es dafür reichlich Sponsoren geben wird, damit er stattfindet. Aber die findet man nicht mal eben so für die anderen, dringenden Projekte. 131 Frauen und Kinder, die von häuslicher Gewalt betroffen waren, konnten 2017 im Frauenhaus nicht aufgenommen werden. Wir haben daher im kommenden Haushalt unter anderem Gelder beantragt für die Erweiterung des Frauenhauses sowie den Aufbau einer Täterberatung bei häuslicher Gewalt. Helau."

Gisela Ohnesorge (Linke)


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Gisela Ohnesorge, Foto: privat



"Der Antrag ist einer, der die Handschrift der Partei 'Die Partei' trägt, die gerne mal humoristisch politische Sachverhalte aufgreift und so zu problematisieren versucht. Allerdings konnte unsere Fraktion bisher auf den Braunschweiger Karnevalswagen die eigentlich herrschenden Familien und Wirtschaftsbosse nicht ausmachen. Vielmehr scheint es uns so, als ob in den Karnevalsvereinen übers Jahr mit Elan gewerkelt wird und am Karnevalssonntag sich besonders Familien mit Kindern gerne bewerfen lassen. Mag sein, dass diesen das Problembewusstsein fehlt, aber dieses wird durch einfaches Streichen der Zuschüsse wohl kaum geweckt. Ein solcher Schritt würde auf völliges Unverständnis stoßen."

Carsten Lehmann (FDP)


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Carsten Lehmann, Foto: Peter Sierigk



"Bei aller Freude, Einsparpotenziale zu finden, würde hier an der falschen Stelle gespart, der Schoduvel ist ein traditionellerer Bestandteil der Braunschweigischen Kultur und lockt zudem hunderttausende Menschen in die Stadt. Er ist zudem auch ein wichtiger touristischer Faktor.

Die Frage, ob Karneval, der in Braunschweig bekanntlich Schoduvel heißt, den Sinn verloren hat, beantwortet die FDP mit nein. Wer einen solchen Antrag stellt, hat den Sinn des Schoduvels nicht verstanden. Gemeinsames Feiern ohne gesellschaftliche Schranken und Barrieren wird im Braunschweiger Schoduvel gelebt. Gerade dieses Fest ist ein Ausdruck von Toleranz in der Braunschweiger Stadtgesellschaft., dass ein solcher Antrag, den Schuduwel nicht mehr zu unterstützen, gerade von einer Satirepartei kommt ist fast schon wieder Realsatire. Die FDP Fraktion steht hinter dem Schoduvel und will ihn auch weiter unterstützen."

Thorsten Köhler (CDU)


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Thorsten Köster. Foto: CDU)



Zum Haushaltsantrag der P2, wonach die finanzielle Unterstützung für das Komitee Braunschweiger Karneval gGmbH gestrichen werden soll, erklärt Fraktionsvorsitzender Thorsten Köster: „Es gibt gute und es gibt schlechte Satire. Der vorliegende Antrag gehört leider in die zweite Kategorie. Wir haben uns während unserer Fraktionssitzung am Montag intensiv mit jedem Haushaltsantrag der anderen Ratsfraktionen und mit den Ideen der Stadtbezirksräte auseinandergesetzt – das ist unsere Verpflichtung den Braunschweigerinnen und Braunschweigern gegenüber. Mit diesem Klamauk haben wir uns nicht beschäftigt, da wäre auch in dieser Stellungnahme jedes inhaltliche Wort – beispielsweise zur Tradition des Braunschweiger Schoduvels oder zur starken sozialen Komponente des Karnevals in unserer Stadt – zu viel und würde nur die Sucht des Antragstellers nach irgendwelcher Aufmerksamkeit befriedigen. Lediglich so viel: die CDU-Fraktion lehnt diesen Antrag ab!“

Stefan Wirtz (AfD)


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Stefan Wirtz. Foto: Privat



"Endlich wieder ein unterhaltsamer Antrag vom DIE-PARTEI-Anteil der P2, nachdem aus den angekündigten Zeppelin-Drehkreuzen in Braunschweig bisher nichts wurde. In den vergangenen 2 Jahren waren vereinzelt durchaus nachvollziehbare Beiträge des letzten PIRATEN zu hören, hier war aber offenbar wieder die Satirequote am Werk.

Ganz Unrecht hat Ratsherr Martin Hahn, der neulich noch als Begleiter seines als Stauffenberg verkleideten Vorsitzenden Bernd Sonneborn zu sehen war, ja nicht: Ursprünglich ein christliches Fest, ist der Karneval seit zirka 200 Jahren zur Kritikveranstaltung an der Politik mutiert. In Braunschweig können sich noch viele Zeitzeugen erinnern, dass der hiesige Karnevalszug ein Importschlager von bei uns erfolgreich ausgewilderten Rheinländern wurde, der so manchen hiesigen Kernkompetenzen (Treckerfahren und Süßigkeitenkonsum) sehr entgegenkam. Längst haben aber aufdringliche Lokalpolitiker, nur notdürftig mit Ketten oder bunten Mützen getarnt, die besten Plätze für sich vereinnahmt.

Im Sinne des Erhalts unserer kulturellen Errungenschaften sollten wir es sogar erwägen, den Karneval auf die ursprünglichen Feiertage Rosenmontag bis Aschermittwoch zu verlegen, um während dieser Zeit die leerstehenden Dienstzimmer der abwesenden Politiker und Funktionäre für andere Zwecke, zum Beispiel Dritte-Welt-Läden oder Verkauf von Hanftee, nutzen zu können. Für diese Nutzung sollte eine Anschubfinanzierung von 70.000 Euro in den Haushalt eingestellt werden."

Frank Flake (SPD)


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Frank Flake. Foto: SPD



"Wir stimmen dem Antrag nicht zu. Der Schoduvel als viertgrößter Karnevalsumzug Deutschlands ist der Höhepunkt des Braunschweiger Karnevals und erfreut jung und alt. Seine Organisation und Durchführung erfolgt weitgehend ehrenamtlich und ist ohne städtische Zuschüsse nicht machbar.

Die Verhöhnung der Mächtigen ist ein ursprüngliches Element insbesondere des rheinischen Karnevals und findet auch in Braunschweig bei Büttenreden oder durch Darstellungen im Schoduvel satt. Die Sichtweise der Fraktion P2, dass „die Mächtigen das arme Volk bewerfen...“ teilen wir nicht. Vielmehr ist es so, dass mitunter auch gewählte Volksvertreterinnen und Volksvertreter beim Schoduvel auf unterschiedlichen Wagen mitfahren und mit vollen Händen Wohltaten unters Volk bringen. Die Neigung dazu ist bei Politikerinnen und Politikern grundsätzlich unterschiedlich ausgeprägt und wird sonst oft nur im Vorfeld von Wahlen ausgelebt. Wir freuen uns mit vielen tausend Menschen aus der gesamten Region auf den nächsten Schoduvel und möchten noch anmerken, dass unser Fraktionsvorsitzender Christoph Bratmann auch im nächsten Jahr wieder demütig als Teil einer Fußgruppe an diesem teilnimmt."

Wolfgang Büchs (BiBS)


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Wolfgang Büchs, Foto: BiBS



"Grundsätzlich ist der Antrag der Fraktion P² nachvollziehbar. Allerdings ist es keine spezifisch braunschweigische Situation, dass es primär die oberen 10.000 sind, die auf den Karnevalswagen stehen, obwohl diese eigentlich durch den Karneval angeprangert werden sollen. Gleichwohl sind wir der Meinung, dass die Stadt Braunschweig die 70.000 € für sinnvollere Belange in ökologischen oder sozialen Bereichen einsetzen könnte wie beispielsweise für das Neupflanzen von Bäumen oder für die Schaffung von sozialem Wohnraum."

Dr. Elke Flake (Die Grünen)


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Elke Flake, Foto: Grüne



"Zunächst einmal: Wir betrachten den Antrag von P² als gelungene Satire und haben über die Begründung herzlich gelacht! Mit ihrem lustigen Scherz treffen die beiden Kollegen tatsächlich ein wenig ins Schwarze. Auch in Braunschweig könnte der Karneval etwas mehr Biss vertragen und die Mächtigen deutlicher aufs Korn nehmen. Ob das besser klappen würde, wenn keine Politiker - wie der Ministerpräsident oder der Oberbürgermeister - mehr auf den Themenwagen mitfahren würden? Der Schoduvel in Braunschweig funktioniert doch eher als Riesen-Partymeile, die durchaus ihre Berechtigung hat. „Ein bisschen Spaß muss sein“ – dafür sollten doch gerade die Partei / Piraten Verständnis haben… ;-)

Beim letzten Schoduvel wurden aber immerhin u. a. der VW-Konzern, Eintracht BS und die Bundesregierung durch den Kakao gezogen. Für unsere Region ist der Schoduvel auf jeden Fall ein erhaltenswertes Stück Soziokultur, für dass sich viele Menschen und etliche Vereine engagieren. Dem Einsatz dieser überzeugten Jecken wird der Antrag von P² politisch nicht gerecht – auch wenn er wie gesagt humoristisches Potential besitzt.“

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https://regionalbraunschweig.de/brunswiek-ade-statt-helau-schoduvel-vor-dem-aus/


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