Was kommt nach der Katastrophe? Braunschweiger Wissenschaftler forschen


| Foto: Sina Rühland



Braunschweig. Wie lassen sich die Auswirkungen von Katastrophen künftig verringern? An dieser Fragestellung arbeiten ab sofort europäische, israelische und US-amerikanische Wissenschaftler zusammen. Sie sind Experten in den Bereichen Krisen- und Risikomanagement, Kommunikation und soziale Medien, Luftverkehrsmanagement und Gesundheitsfürsorge. Die Europäische Union wird das gemeinsame Forschungsprojekt DARWIN im Rahmen des Horizon 2020-Programms drei Jahre lang mit insgesamt 4,9 Millionen Euro fördern. Wissenschaftler vom Institut für Flugführung der Technischen Universität Braunschweig sind mit dabei.

Das jüngste Erdbeben in Nepal ist ein Beispiel für eine Extremsituation, wie die Forscher sie in den Blick nehmen. Es hat eine humanitäre Katastrophe und eine infrastrukturelle Krise der nepalesischen Behörden ausgelöst. An der Entwicklung international abgestimmter Richtlinien besteht dringender Bedarf. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen Hilfestellung leisten, um in solchen Situationen die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft, die so genannte Resilienz, zu stärken. Ein Stresstest soll Sicherheitslücken und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen.

Auch von Menschen verursachte Katastrophen der jüngeren Vergangenheit wie die Explosion der Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ im Jahr 2010 oder der Atomunfall in Fukushima 2011 verdeutlichen den Bedarf an Vorsorge für den Umgang mit Krisensituationen. Das Spektrum der zu untersuchenden Szenarien reicht von den Auswirkungen der Naturgewalten wie bei Erdbeben bis zum terroristischen Cyber-Angriff auf Stromnetze oder Flugleitsysteme.

Wie begegnet man dem Unerwarteten?


Traditionell stand bislang die Analyse von Risiken im Fokus der Wissenschaft. Bei der neuen Perspektive der Resilienzforschung geht es um die Fähigkeit einer Gesellschaft, dem Unerwarteten zu begegnen. Auf dieser Basis sollen im Rahmen des DARWIN-Projektes neue Richtlinien und Methoden entwickelt werden, um mit Risiken und Gefahren für die Gesellschaft umzugehen. Die Forschungsergebnisse sollen in Form von benutzerfreundlichen Richtlinien und Lehreinheiten die Befähigung der Experten verbessern, die für die öffentliche Sicherheit verantwortlich sind. Anwender wie Katastrophenschützer oder die Betreiber kritischer Infrastruktur sind als Beirat im Projekt eingebunden.

<a href= Dr. Thomas Feuerle. ">
Dr. Thomas Feuerle. Foto: privat



Das Institut für Flugführung (IFF) der TU Braunschweig arbeitet mit einem Expertenteam unter der Leitung von Dr. Thomas Feuerle im DARWIN-Projekt mit. Neben der Entwicklung von Resilienz-Richtlinien für den Luftverkehrstransport arbeitet das IFF mit seinen europäischen Partnern an Simulationswerkzeugen, die insgesamt für die Bewertung und Beurteilung der Konzepte und Richtlinien benötigt werden. Darüber hinaus ist Dr. Thomas Feuerle als Qualitäts- und Risikomanager für den Erfolg des Projektes mitverantwortlich. „Der Luftverkehr der Zukunft wird in immer stärkerem Maße mit anderen Mobilitätsträgern und der digitalen Infrastruktur vernetzt werden“, erläutert Feuerle. „Sowohl das Lufttransportsystem wie auch die Systeme in der digitalen Infrastruktur müssen deshalb flexibel auf Störungen unterschiedlichster Art reagieren können. Wir sehen im Projekt DARWIN eine große Chance, unsere ausgewiesenen Systemkenntnisse aus dem Bereich des Luftverkehrs und der allgemeinen Mobilität in die Entwicklung von europäischen Resilienz-Richtlinien einzubringen.“ Koordinatorin des Gesamtprojekts ist Dr. Ivonne Herrera, Wissenschaftlerin der norwegischen Forschungsorganisation SINTEF.


mehr News aus Braunschweig


Themen zu diesem Artikel


Strom Technische Universität Braunschweig