Geld für Quartiere: Stadt will Städtebauförderung beantragen

Braunschweig plant, zwei Stadtgebiete mit Mitteln der Städtebauförderung weiterzuentwickeln. Für den Großen Hof in der Innenstadt und das Emsviertel in der Weststadt sollen Förderprogramme genutzt werden.

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Symbolfoto | Foto: Anke Donner

Braunschweig. Zwei Stadtgebiete unterschiedlicher Prägung sollen mit Mitteln der Städtebauförderung weiterentwickelt werden. Dies hat die Stadtverwaltung dem Rat vorgeschlagen. Für den Großen Hof in der Innenstadt will die Verwaltung Fördergeld aus dem Programm "Wachstum und nachhaltige Erneuerung" beantragen. Das Emsviertel in der Weststadt soll vom Fördertopf "Sozialer Zusammenhalt" profitieren. Entsprechende Beschlussvorlagen hat die Stadtverwaltung in den Gremienlauf gegeben. Der Rat entscheidet am 12. Mai, heißt es in einer Mitteilung der Stadt am heutigen Mittwoch.



"Wir weiten unsere städtebaulichen Aktivitäten aus und nehmen mit dem Großen Hof einen Bereich in der Innenstadt in den Blick, um auch dort wichtige Akzente zu setzen", erläutert Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum. "Das Wohn- und Kreativquartier Großer Hof bildet einen weiteren, wichtigen Baustein unserer Braunschweiger Strategie zur Innenstadtentwicklung und zu ihrer Stärkung als Bildungs- und Arbeitsort. Im Emsviertel wollen wir die erfolgreichen städtebaulichen Projekte zur Weiterentwicklung der Weststadt fortführen. Wir können solche umfangreichen, langfristigen Projekte als Kommune nicht alleine stemmen. Deshalb habe ich mich gemeinsam mit anderen Kolleginnen und Kollegen beim Bund dafür eingesetzt, die Städtebaufördermittel zu erhöhen."

Förderung für Emsstadt


Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag angekündigt, die Mittel innerhalb der Legislaturperiode zu verdoppeln. Das Land Niedersachsen hat bestätigt, die sukzessive Erhöhung im nächsten Haushaltsjahr mitzutragen.

Das Emsviertel zur Städtebauförderung anzumelden, hatte der Rat im Grundsatz bereits im vergangenen Jahr auf Vorschlag der Verwaltung beschlossen. Die Förderung soll an jene der Sozialen Stadt anschließen, die in benachbarten Bereichen bereits eine Reihe von Projekten ermöglicht haben und noch ermöglichen.

Das Emsviertel entstand überwiegend in den 1970er-Jahren als Teil der Weststadt und ist bis heute durch die Leitbilder der autogerechten, funktional getrennten Stadt mit industrieller Bauweise und hohem Grünanteil geprägt. Mit 4.735 Einwohnerinnen und Einwohnern ist das Quartier dicht besiedelt. Zwischen 2015 und 2024 wuchs die Bevölkerung um rund 5,5 Prozent, vor allem durch die Unterbringung von Geflüchteten. Die Bevölkerung ist vergleichsweise jung; der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund liegt bei 74,4 Prozent. Gleichzeitig bestehen erhöhte soziale Belastungen, etwa eine hohe Arbeitslosenquote und ein hoher Anteil an Sozialleistungsempfängerinnen und -empfängern. So ist das Quartier durch einen hohen Anteil an Menschen mit unterschiedlichen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Hintergründen geprägt.

Entwicklungsperspektiven im Emsviertel


Die Entwicklungsziele setzen an diesen Rahmenbedingungen an und verfolgen einen integrierten Ansatz, der soziale, städtebauliche, ökologische und prozessuale Aspekte miteinander verbindet. Während die östlichen Wohnblöcke des Emsviertels bereits umfassend saniert wurden, weisen insbesondere die westlichen und südlichen Bereiche erhebliche bauliche und städtebauliche Defizite auf. Die Gebäude müssen modernisiert werden, öffentliche Räume sind aufzuwerten. Handlungsbedarf besteht ebenso bei der Stärkung der sozialen Infrastruktur. Zugleich zeigen die positiven Erfahrungen in angrenzenden Gebieten wie "Ilmweg" und "Donauviertel", dass die eingesetzten Instrumente der Städtebauförderung in der Weststadt wirksam und nachhaltig greifen. Vor diesem Hintergrund bestehen sehr gute Voraussetzungen, die Entwicklung des Emsviertels erfolgreich zu steuern und zugleich die Gesamtentwicklung der Weststadt langfristig zu stärken.


Großer Hof als neues Wohn- und Kreativquartier


Die vorhandene Bebauung im Quartier "Großer Hof" stammt größtenteils aus den Nachkriegsjahren und stellt ein Gefüge unterschiedlicher Gebäude und Nutzungen dar. Der Wiederaufbau orientierte sich am historischen Stadtgrundriss, die kleinteilige Parzellenstruktur wurde aufgegeben zugunsten einer modernen und schlichten Geschossbauweise. Auch bei nur geringer städtebaulicher Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten entstand im Umfeld des Großen Hofes ein eigenständiges Quartier mit einer vielfältigen Nutzungsstruktur aus Wohnen, kulturellen, kirchlichen, sozialen sowie Bildungseinrichtungen, Gewerbe, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen. Handlungsbedarf besteht zum einen wegen der aufgegebenen Standorte von Helene-Engelbrecht- und Kielhornschule. Zum anderen wird das Quartier wesentlich vom ruhenden Verkehr bestimmt.

Der 2024 entschiedene Realisierungswettbewerb "Wohn- und Kreativquartier Großer Hof" legte bereits wesentliche Planungsgrundlagen für notwendige strukturelle Veränderungen. Danach soll auf dem ca. 2,5 ha großen Areal ein attraktives neues Quartier entstehen. Als Nutzungsbausteine sollten u. a. Innenstadtwohnen in allen Segmenten, Angebote für die Kreativwirtschaft, eine Ausstellungsgalerie sowie soziale Infrastrukturen, wie z. B. eine Kita, berücksichtigt werden. Im Rahmen der Städtebauförderung soll nun auch der umliegende Bereich in der nördlichen Innenstadt mit einer Größe von insgesamt neun Hektar weiterentwickelt werden.

Stichwort: Städtebauförderung


Zwei Drittel der Kosten für geförderte Projekte werden von Bund und Land getragen, so dass mit dem Anteil der Stadt in Höhe von einem Drittel weitreichende Verbesserungen im Stadtteil erzielt werden können. Erfahrungsgemäß unterstützen Eigentümerinnen und Eigentümer sowie lokale Initiativen die Anmeldung zur Städtebauförderung und bringen sich grundsätzlich kooperativ in die Quartiersentwicklung ein. Statistisch löst jeder Euro Städtebauförderung weitere Investitionen in Höhe von 7 Euro aus.

Die Städtebauförderung gibt es seit 1971. Es handelt sich um ein investives Förderprogramm, das die unterschiedlichsten Baumaßnahmen unterstützt. In Braunschweig wurden bereits mehrere Gebiete gefördert. Abgeschlossen sind Frankfurter Straße, Teile der Innenstadt, "Bahnhofsviertel" und "Ilmweg". Umgesetzt werden derzeit folgende Projekte:

- "Soziale Stadt – Westliches Ringgebiet" (bis Mitte 2027, Förderprogramm Sozialer Zusammenhalt).
- "Soziale Stadt – Donauviertel" (bis Ende 2034, Förderprogramm Sozialer Zusammenhalt).
- "Bahnstadt" (bis Ende 2037, Förderprogramm Wachstum und nachhaltige Erneuerung).
- "Campus Donauviertel" (bis Mitte 2026, Investitionspakt Soziale Integration im Quartier).