Braunschweig. Mehr Grün, mehr Schatten und vor allem mehr Platz zum Spielen: Die Grünen wollten einen neuen dauerhaften Spielplatz in der Braunschweiger Innenstadt auf den Weg bringen. Im Rat fand der Vorstoß am Dienstag jedoch keine Mehrheit.
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte beantragt, einen weiteren festen Spielplatz in der Innenstadt zu errichten. Die Verwaltung sollte dafür geeignete Standorte prüfen, insbesondere innerhalb der Okerumflut. Auch die Erfahrungen mit den kürzlich eingerichteten Pop-up-Spielplätzen sollten in die Prüfung einfließen.
Grüne sehen deutlichen Bedarf
Der neue Spielplatz sollte dabei nicht nur zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten schaffen, sondern zugleich auf heiße Sommertage vorbereitet sein. Vorgesehen waren unter anderem viel Grün, Sonnenschutzelemente und ein Trinkwasserbrunnen. Kinder sollten außerdem an der Gestaltung beteiligt werden.
Aus Sicht der Grünen fehlt es im direkten Innenstadtbereich an dauerhaft nutzbaren Spiel- und Bewegungsflächen. Im Antrag verweist die Fraktion auf eine Evaluierung aus dem Jahr 2021. Demnach standen innerhalb der Okerumflut rund 1,8 Quadratmeter Spiel- und Bewegungsfläche pro Einwohner zur Verfügung. Als Orientierungswert würden in der DIN 18034 allerdings 2,25 Quadratmeter genannt werden.
Auch die besondere Funktion der Innenstadt wurde als Argument angeführt. Spielangebote würden dort nicht allein von Kindern genutzt, die unmittelbar im Zentrum wohnen, sondern auch von Familien aus anderen Stadtteilen und dem Umland.
Kühlere Aufenthaltsorte gegen die Hitze
In der Ratsdebatte rückten die Antragsteller zudem die Folgen zunehmender Hitze in den Mittelpunkt. Die stark versiegelte Innenstadt brauche mehr begrünte, verschattete und kühlere Aufenthaltsorte. Ein Spielplatz könne deshalb soziale Infrastruktur und Klimaanpassung miteinander verbinden. Die Pop-up-Spielplätze seien ein gutes Angebot, könnten einen dauerhaft verfügbaren Ort jedoch nicht ersetzen.
Die Stadtverwaltung bewertete die Lage anders. Sie verwies auf die bereits vorhandene „Spielfährte“ sowie auf die Pop-up-Spielplätze. Die dafür genutzten Flächen seien für einen dauerhaften Spielplatz allerdings nicht geeignet – etwa aufgrund ihrer Widmung oder weil sie weiterhin für Veranstaltungen benötigt würden.
Hinzu kommt der geplante „Löwenspielplatz“ hinter der Volkswagenhalle, der kurzfristig umgesetzt werden soll. Auch bei der städtebaulichen Entwicklung am Großen Hof werden nach Angaben der Verwaltung ergänzende Spielangebote geprüft. Diese könnten allerdings erst im Zuge der Gesamtentwicklung des Quartiers realisiert werden.
Die Erfahrungen mit den Pop-up-Spielplätzen sollen nach dem Sommer 2027 ausgewertet werden. Die Verwaltung betont zudem, dass bei neuen oder sanierten Spielplätzen bereits Wert auf Hitzeschutz und Aufenthaltsqualität gelegt werde. Bei allen städtischen Spielplatzprojekten sei eine Kinderbeteiligung vorgesehen.
Die FRAKTION unterstützt den Vorstoß
Unterstützung erhielten die Grünen von Gisela Ohnesorge von Die FRAKTION. Der Mangel an Spielplätzen sei kein neues Thema und betreffe einige Stadtgebiete besonders, darunter die Innenstadt, erklärte sie. Die Stellungnahme der Verwaltung befriedige sie nicht ganz. Bei einer Ablehnung des Antrags sei aus ihrer Sicht in absehbarer Zeit nicht mit Spielplätzen in der Innenstadt zu rechnen.
Für die SPD erklärte Annette Johannes, der Wunsch nach einem weiteren Spielplatz sei grundsätzlich nachvollziehbar. Die Innenstadt müsse schließlich mehr bieten als Schaufenster und Pflastersteine. Gleichzeitig machte sie jedoch auf die hohe Konkurrenz um freie Flächen innerhalb der Okerumflut aufmerksam. Wohnen, Handel, Gastronomie, Mobilität und Grünflächen beanspruchten dort gleichermaßen Raum. Ein weiterer dauerhafter Spielplatz könne deshalb derzeit nicht befürwortet werden.
Als Perspektive verwies Johannes auf die Entwicklung des Großen Hofes, wo aus ihrer Sicht mit großer Wahrscheinlichkeit ein innenstadtnaher Spielplatz entstehen werde, sowie auf den geplanten Löwenspielplatz.
Auch Antoinette von Gronefeld machte für die CDU deutlich, dass ein zusätzlicher Spielplatz grundsätzlich begrüßenswert sei. In den vorausgegangenen Ausschussberatungen sei allerdings deutlich geworden, wie schwierig die Suche nach einer geeigneten Fläche sei. Neben dem Platzmangel spielten nach ihren Angaben auch die vielen Leitungen in der Innenstadt eine Rolle. Die CDU setze deshalb auf den geplanten Löwenspielplatz an der Volkswagenhalle. Dieser liege zwar außerhalb der Okerumflut, sei aber aus ihrer Sicht dennoch nah genug an der Innenstadt und werte diese auf.
Im Laufe der Debatte beantragte Felix Langer, über die Prüfung getrennt abstimmen zu lassen, um zumindest dieser eine Chance geben zu können. Er kritisierte, in der bisherigen Diskussion seien vor allem Gründe genannt worden, warum ein dauerhafter Spielplatz nicht möglich sei, aber zu wenige Ideen, wie es doch gelingen könnte. Die Verwaltung solle mehr Zeit bekommen, in Ruhe zu prüfen, ob sich nicht doch ein Standort findet.
Detlef Kühn (SPD) widersprach und verwies auf die Beratungen im Umwelt- und Grünflächenausschuss. Dort habe die Verwaltung mitgeteilt, dass sie bei der Suche nach Flächen für die Pop-up-Spielplätze bereits viel Arbeit investiert habe. Aus ihrer Sicht sei klar, dass es in der Innenstadt derzeit keinen Standort für einen dauerhaften Spielplatz gebe. Eine erneute Prüfung belaste die Verwaltung deshalb mit Arbeit, die im Kern bereits erledigt sei.
Am Ende keine Mehrheit
Der Rat stimmte zunächst separat über den Prüfauftrag ab. Dieser wurde abgelehnt. Anschließend kamen auch die übrigen Punkte des Antrags zur Abstimmung, die die Umsetzung vorsahen. Auch sie wurden mit Mehrheit abgelehnt. Damit ist der Vorstoß für einen neuen festen Spielplatz in der Braunschweiger Innenstadt zunächst gescheitert.

