Braunschweig. Für SDP war es nach eigenen Angaben die letzte eigene Show für längere Zeit – und Braunschweig sollte diesen Abschied offenbar nicht so schnell vergessen. Schon die Begrüßung machte deutlich, dass Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin an diesem Abend nicht einfach ihr Programm herunterspielen wollten.
Ein „Hallo“ ging an die Menschen vor der Bühne, auf der Tribüne und an den Fressständen – und augenzwinkernd sogar an diejenigen, die gerade auf der Toilette waren. Dann wurde es ernster: Es sei ihr letztes Solokonzert des Sommers und die letzte eigene Show für eine lange Zeit. „Also wir machen heute Lifetime Memories!“
Ein Abend für die Erinnerung
Noch einen weiteren Grund zum Feiern verkündeten SDP auf der Bühne: Sie berichteten von einem Award und erklärten, in der 23-jährigen Geschichte der BRAWO Bühne seien noch nie so viele Menschen dort gewesen wie an diesem Abend. Zudem sei noch keine Show so schnell ausverkauft gewesen. „Was haben wir getan?! Wie sollen wir dem gerecht werden?!“, fragten sie angesichts der von ihnen verkündeten Bestmarken.
Die Antwort gab das Publikum ziemlich schnell selbst. Braunschweig sang mit – und zwar offenbar nicht nur bei den bekannten Stücken. „Ey, ihr habt gut mitgesungen!“, stellte die Band später fest und hob ausdrücklich hervor, dass die Besucher auch bei den neuen Songs textsicher waren.

SDP auf der BRAWO Bühne: Braunschweig sang mit – und zwar offenbar nicht nur bei den bekannten Stücken. Foto: @fotobully
Dabei wollten SDP ihre Zuschauer nicht nur hören, sondern auch sehen. Weil die Bühnenscheinwerfer den Blick in die hinteren Reihen erschwerten, baten sie kurzerhand um weniger Licht: „Wir müssen so ’n Kompromiss hinbekommen, dass ihr uns noch sehen könnt, aber dass wir euch auch sehen können!“
Max Grimm mit den eigenen Helden auf einer Bühne
Begonnen hatte der Konzertabend deutlich früher mit Max Grimm und DJ Philipp. Grimm erzählte dem Braunschweiger Publikum eine Geschichte, die an diesem Abend fast sinnbildlich für seinen Auftritt stand: Er selbst habe mit Musik angefangen, weil er begeistert davon gewesen sei, was andere Menschen auf Bühnen machten.
Inzwischen darf er mit einigen seiner damaligen Vorbilder zusammenarbeiten. SDP und Alligatoah nannte er dabei ausdrücklich – und zeigte die Unterschriften auf seiner Gitarre. „Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich einen das macht, wenn man sich so diese Träume erfüllt“, sagte Grimm.
Von Konzert zu Konzert
Gleichzeitig scheint sich für den Musiker gerade etwas zu verändern. Auf seine Frage, wer ihn überhaupt kenne, gingen bereits etliche Hände nach oben. Noch deutlicher wurde es, als Grimm wissen wollte, wer ihn schon zuvor bei SDP gesehen hatte. Einige Zuschauer reisen offenbar tatsächlich von Konzert zu Konzert. „Das finde ich ultra toll, wirklich“, freute sich Grimm.
Dass er dabei nicht stur an einer Setlist festhält, bewies ein Fan im Publikum. Der hatte sich bei einem vorherigen Konzert „Schnick Schnack Schnuck“ gewünscht – damals vergeblich. In Braunschweig erinnerte sich Grimm daran. „Der war eigentlich nicht in der Setlist“, erklärte er – und spielte den Song trotzdem.
Auch Braunschweig selbst sorgte für Begeisterung. Als sich viele Menschen gleichzeitig zur Musik bewegten, stellte Grimm fest: „Das sieht so schön aus, wenn sich so viele Leute gleichzeitig bewegen.“ An seinen DJ gerichtet folgte prompt: „Philipp, du hast dich noch nie so hübsch für mich bewegt, wie Braunschweig sich gerade bewegt hat!“
257ers: Zwischen „Ja …“, Hannover und schwedischer Nationalhymne
Danach wurde es erwartungsgemäß etwas absurder. Die 257ers machten aus der vermeintlich typisch deutschen Antwort auf die Frage, wie es einem gehe – einem gedehnten „Ja …“ – kurzerhand einen Song-Gag samt Choreografie für das gesamte Publikum. Hände hoch beim „Ja“: Braunschweig machte mit. Regional wurde es bei „Captain Jack“. Dafür teilten die 257ers das Publikum kurzerhand in Braunschweig und Hannover und ließen beide Seiten gegeneinander antreten.
Wenig später erklärten sie „Holz“ zur schwedischen Nationalhymne. Einer der beiden bezeichnete sich als „gebürtiger Schwede“ und forderte entsprechend Respekt für die vermeintliche Hymne seines Landes. Das Publikum sollte die Arme heben – wobei auch dafür selbstverständlich eine passende 257ers-Regel gefunden wurde: „Mit zwei Armen ist schon über dem Durchschnitt!“ Anschließend startete „Holz“.
Und weil an diesem Abend offenbar ohnehin nicht alles nach Plan laufen musste, kam anschließend noch „Über alle Berge“ dazu. „War so nicht geplant, aber dann gut!“, hieß es auf der Bühne, bevor der gemeinsame Song mit Alligatoah spontan ins Programm wanderte.
Die Supports werden Teil der SDP-Show
Mit Beginn des Hauptprogramms verschwanden die beiden Support-Acts keineswegs aus der Geschichte des Abends. SDP holten die 257ers später noch einmal auf die Bühne – natürlich nicht ohne passenden Kommentar: „Scheiße baut sich nicht von alleine!“ Auch Max Grimm bekam einen zweiten Auftritt. Seine erneute Vorstellung geriet zu einem kleinen Comedy-Stück: Angeblich habe man einen Support mit dem Vornamen Max aussuchen dürfen. Max Giesinger, Max Herre, Max Raabe und sogar Max Verstappen standen gedanklich zur Auswahl.
Die Pointe: „Ja, aber wir haben leider nur Max Grimm bekommen. Passt auf, was ihr euch wünscht! Ein Applaus für: Max Grimm!“ Es passte zu einem Abend, an dem die Grenzen zwischen Support und Hauptact zunehmend verschwammen. Aus drei einzelnen Auftritten wurde eine gemeinsame Show, bei der Künstler wiederkehrten und das Publikum immer wieder einbezogen wurde.
Am Ende war es genau diese Mischung, die den Samstag auf der BRAWO Bühne prägte: Max Grimm, der sichtbar erlebt, wie aus eigenen musikalischen Vorbildern plötzlich Kollegen werden; die 257ers, die aus nahezu jeder Situation einen Gag oder eine Publikumsaktion machen; und SDP, die ihr letztes eigenes Konzert für längere Zeit nicht einfach nur spielen, sondern gemeinsam mit ihren Gästen und Braunschweig feiern wollten.
„Lifetime Memories“ hatten SDP zu Beginn versprochen. An diesem Abend bekamen sie dafür reichlich Material.



