Neuer Beruf: Notfallsanitäter dürfen und können einfach mehr

von Christina Balder




Braunschweig. Im Geschäft der Rettungsdienste entscheiden oft wenige Minuten über Leben und Tod. Doch Rettungsassistenten sind bisher oft die Hände gebunden. Um das zu ändern, bildet das Klinikum Braunschweig künftig Notfallsanitäter aus. Der neue Beruf ist umfassender und eigenverantwortlicher, die Ausbildung länger und die rechtliche Absicherung besser als bei Rettungsassistenten.

Zu jeder Zeit haben in Braunschweig zwei Notärzte zeitgleich Schicht. Da versteht es sich von selbst, dass nicht bei jeder Fahrt eines Rettungswagens ein Notarzt mitfahren kann. Doch gerade, wenn sich ein Notruf als echter Notfall entpuppt, wird das problematisch. "Rettungsassistenten dürfen zum Beispiel nicht eigenverantwortlich Medikamente verabreichen", sagt Ulrich Heller, der Pflegedirektor des Klinikums. In Niedersachsen gebe es zwar einen rechtlichen Graubereich, in dem ein Assistent handeln kann - wenn er nur das Leben eines Patienten retten kann, indem er gegen seine eigentlichen Befugnisse verstößt - , doch viele wichtige Dinge sind auch nicht Bestandteil der Rettungsassistentenausbildung.

Seit dem 1. Januar gilt ein neues Gesetz, durch das der Notfallsanitäter mittelfristig  den Beruf des Rettungsassisten ablösen wird. Der neue Beruf braucht drei statt zwei Jahre Ausbildungszeit, der schulische Anteil der Ausbildung ist dreimal so hoch wie bisher, und es gehört ein ganzer Packen neuen Wissens dazu.

Ein Notfallsanitäter wird auch bei einem nicht lebensbedrohlichen Knochenbruch ein Schmerzmittel geben können. Die neu Ausgebildeten werden rund 25 verschiedene Medikamente passend verabreichen können und dürfen, und die Ausbildung legt einen stärkeren Fokus auf soziale Aspekte. Eingriffe wie eine Thoraxpunktion etwa, die heute in der Ausbildung zum Rettungsassistenten gar nicht gelehrt werden und auch nur maximal in dem genannten Graubereich angewandt werden dürfen, gehören dann zum Standardrepertoire.

Viele Fragen sind noch offen - besonders, wenn es um Finanzen geht

Kompetenzgerangel zwischen Sanitätern und Notärzten sei nicht zu erwarten, sagt Ulrich Heller. "Die Ärzte sind froh, wenn ihnen jemand die einfachen Aufgaben abnimmt." Denn wann immer ein Notarzt über das Schmerzmittel beim Beinbruch entscheiden muss, kann er sich nicht um dringendere Aufgaben kümmern. "Die Versorgung wird sich dadurch deutlich verbessern", prophezeit Heller.

Viele Fragen sind allerdings noch ungeklärt. Wer die Ausbildung finanziert, wie die ausgebildeten Notfallsanitäter bezahlt werden, wie die Ausbildung noch minderjähriger Azubis funktioniert - Thorsten Reinecke rätselt noch. Er ist der stellvertretende Rettungsdienstleister des Braunschweiger DRK und freut sich eigentlich auf den neuen Beruf. "Die neue Ausbildung stellt den Beruf endlich auf vernünftige Beine", sagt er. Die dreijährige Ausbildungszeit verschaffe ihm ein höheres Ansehen in der Bevölkerung und die höhere Rechtssicherheit entlaste die Helfer bei ihren Entscheidungen. Nur sei dieser Schritt nun recht plötzlich gekommen, so dass  gerade finanzielle Fragen noch offen sind.

"Wir bekommen schon einige Anfragen von Interessenten, die muss ich aber vertrösten - ich weiß einfach zu viel noch nicht", sagt Reinecke. Für Berufsanfänger sei die Situation schwierig, zumal auch die Kurse für die Rettungsassistentenausbildung "rappelvoll" seien. "Wer noch einen Platz kriegt, soll das ruhig machen", rät Reinecke, "dann kann man hinterher den Notfallsanitäter draufsatteln."

Wer Notfallsanitäter werden will, muss einen Realschulabschluss vorweisen oder einen Hauptschulabschluss mit Ausbildung.


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