Praxisnahe Perspektiven für den Schutz von Wildbienen

Der Bienenschutz Stuttgart fördert ein zukunftsweisendes Forschungsprojekt der DSMZ und des JKI zur Entschlüsselung des Wildbienen-Mikrobioms.

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Symbolbild. | Foto: Pixabay

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Braunschweig. Mehr als 600 Wildbienenarten sichern in Deutschland als Bestäuber die biologische Vielfalt. Die Insekten könnten durch Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft und Klimawandel unter Druck stehen. Ein möglicher Faktor für ihre Gesundheit und Entwicklung wird im Mikrobiom der Tiere vermutet.



Der Bienenschutz Stuttgart e. V. unterstützt ein gemeinsames Forschungsvorhaben des Leibniz-Institut DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH und des Julius Kühn-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, um die Rolle von Hefen und Pilzen im Leben von Wildbienen zu untersuchen. Der Verein stellt hierfür eine Fördersumme von 2.000 Euro bereit. Dies geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung des Vereins und der beiden Institute hervor.

Die wissenschaftliche Herausforderung


Mikroorganismen seien wenig erforschte Komponenten im Ökosystem der Wildbienen. Das neue Forschungsprojekt soll aufdecken, welche Funktionen Pilze für die Larvenentwicklung, Ernährung und Immunabwehr von Wildbienen übernehmen. Zudem werde untersucht, wie Hefen und andere Pilze durch ihre Stoffwechselaktivitäten beeinflussen könnten, dass spezialisierte Wildbienenarten bestimmte Pollenquellen als Nahrung nutzen.

Fundament der Zusammenarbeit


Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens ist eine im Fachjournal Basic and Applied Ecology veröffentlichte Arbeit zum Pilzmikrobiom der Großen Weidensandbiene (Andrena vaga). Untersuchungen der Braunschweiger Forschungsinstitute DSMZ und Institut für Bienenschutz lieferten Indizien dafür, dass spezifische Hefen zwischen den Bienengenerationen weitergegeben werden. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass diese Mikroorganismen eine Schutzfunktion übernehmen: Sie machen Pollenvorräte haltbar, entgiften potenziell schädliche Pflanzeninhaltsstoffe und schützen die Brut vor möglichen Krankheitserregern oder Schädlingen“, erklärt Dr. Hanna Gardein vom Institut für Bienenschutz. Für diese Entdeckung wurde die zugrunde liegende Studie mit dem BAAE Best Student Paper Award 2025 der Gesellschaft für Ökologie ausgezeichnet.

Langfristige Erhaltung von Bioressourcen


Das aktuelle Projekt weitet die Untersuchungen auf mehrere Wildbienenarten aus. Proben werden entlang der gesamten Entwicklungskette untersucht: vom Pollenvorrat über Ei und Larve bis zur erwachsenen Wildbiene. Die isolierten Hefen und Pilze werden im Labor kultiviert und mittels moderner mikrobiologischer sowie molekularbiologischer Verfahren identifiziert. Ein Mehrwert für die Forschung: Alle neu gewonnenen Mikroorganismen-Stämme werden in der Sammlung des Leibniz-Instituts DSMZ hinterlegt, um sie der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft langfristig zur Verfügung zu stellen. „Mit unserer Förderung möchten wir einen Beitrag leisten, innovative Forschung zu unterstützen, die neue, praxisnahe Perspektiven für den Schutz von Wildbienen eröffnet und langfristig nutzbares Wissen schafft“, erklärt Dr. Maike Khosrawi vom Bienenschutz Stuttgart e. V. Der Verein, der die Stuttgarter Wespen-Bürgerberatung sowie die Initiative der Stuttgarter Sensenschwinger organisiert, vergibt seine Forschungsförderung im Jahr 2026 bereits zum zweiten Mal. Ziel ist es, den Austausch zwischen akademischer Forschung und praktischem Naturschutz zu stärken.

Neue Perspektiven


„Die gewonnenen Daten und die isolierten Stämme der Hefen und Pilze schaffen eine Grundlage, um die Bedeutung dieser Mikroorganismen für Ernährung, Entwicklung und Gesundheit von Wildbienen zu untersuchen. Dies ist ein wichtiger Schritt, um künftig besser zu verstehen, wie die mit Wildbienen assoziierten mikrobiellen Gemeinschaften die Auswirkungen anthropogener Umweltfaktoren abmildern können und welche Bedeutung dies für den Erhalt der Vielfalt von Wildbienen haben könnte“, erklärt Dr. Andrey Yurkov vom Leibniz-Institut DSMZ.