Clankriminalität in Niedersachsen: Neue Zahlen vorgelegt

Am heutigen Montag wurde das sechste Gemeinsame Lagebild von Polizei und Justiz zur Bekämpfung krimineller Clanstrukturen in Niedersachsen vorgestellt.

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Niedersachsen. Die Niedersächsische Ministerin für Inneres, Sport und Digitalisierung, Daniela Behrens, und die Niedersächsische Justizministerin, Dr. Kathrin Wahlmann, haben am heutigen Montag das sechste Gemeinsame Lagebild von Polizei und Justiz zur Bekämpfung krimineller Clanstrukturen in Niedersachsen vorgestellt. Darüber berichten die Ministerien in einer Pressemitteilung.



Im Jahr 2025 wurden in Niedersachsen 2.691 Straftaten mit Bezug zur Clankriminalität registriert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um 454 Fälle. Damit sind zum dritten Mal in Folge sinkende Fallzahlen festzustellen. Der Anteil an der Gesamtkriminalität liegt bei 0,53 Prozent.

Täter meist Männer


Es wurden insgesamt 2.411 Tatverdächtige registriert. Mehr als die Hälfte besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Der überwiegende Teil der Tatverdächtigen ist männlich. Mehrfachtäter machten insgesamt gut 48 Prozent aller Tatverdächtigen aus. Somit ist beinahe jede zweite tatverdächtige Person im Kontext der Clankriminalität im letzten Jahr mehrfach in Erscheinung getreten.

Die regionalen Schwerpunkte liegen weniger in unserer Region.
Die regionalen Schwerpunkte liegen weniger in unserer Region. Foto: Land Niedersachsen


Dazu sagt Innenministerin Daniela Behrens: „Ein deutlicher Rückgang der Fall- und Tatverdächtigenzahlen auf ein Fünfjahrestief, gleichzeitig ein Fünf-Jahres-Hoch bei der Vermögensabschöpfung: Diese Entwicklung ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Ergebnis einer konsequenten und langfristig angelegten Bekämpfungsstrategie von Polizei, Justiz und zahlreichen weiteren Behörden sowie Netzwerkpartnern. Sie zeigt, dass Ausdauer, Beharrlichkeit und behördenübergreifende Zusammenarbeit Wirkung entfalten.“

"Ganzheitliche Null-Toleranz-Strategie"


Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann: „Auch das Lagebild zur Clankriminalität 2025 macht erneut deutlich: Kriminelle Clans haben in Niedersachsen keine Chance. Unser konsequentes Vorgehen und unsere ganzheitliche Null-Toleranz-Strategie zeigen Wirkung und wir drängen Clankriminalität weiter zurück. Durch die erfolgreiche Arbeit von Polizei und Justiz sind die Fallzahlen erneut zurückgegangen und das Signal ist deutlich: Wir dulden in Niedersachsen keine Parallelgesellschaften, die unseren Rechtsstaat ablehnen und glauben, sie könnten nach ihren eigenen Regeln leben. Wer unsere Rechtsordnung nicht akzeptiert und befolgt, kann sich sicher sein: Der Rechtsstaat hat eine Antwort und regiert mit der vollen Härte des Strafrechts.“

Kriminelle Clanstrukturen sind gekennzeichnet durch die Begehung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten jeglicher Deliktsart und -schwere aus diesem Umfeld, das sich durch ein hohes kriminelles Potenzial und eine allgemein rechtsfeindliche Gesinnung auszeichnet. Die maßgeblichen, ergänzenden Indikatoren umfassen unter anderem:
- das Ausleben eines stark überhöhten familiären Ehrbegriffs und das innerfamiliäre Sanktionieren von Verstößen gegen diesen Ehrbegriff.
- das Voranstellen von familieninternen, oft im Gewohnheitsrecht verwurzelten Normen über das Gesetz und die Verfassung.
- das Provozieren von Eskalationen auch bei nichtigen Anlässen oder geringfügigen Rechtsverstößen unter Ausnutzung von Mobilisierungs- und Bedrohungspotenzialen.
- eine den Rechtsstaat umgehende oder unterlaufende Paralleljustiz.

Fokus Gewaltdelikte


Die Anzahl der Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit ist zwar um mehr als 8 Prozent zurückgegangen, dennoch stellen diese Straftaten mit 934 Fällen die mit Abstand größte Deliktsgruppe dar. Mehr als ein Drittel aller Delikte, die der Clankriminalität zugeordnet werden, sind Rohheitsdelikte und Delikte gegen die persönliche Freiheit. Körperverletzungsdelikte machen mit 520 Fällen den Großteil der Rohheitsdelikte aus.

Innenministerin Behrens: „Trotz der positiven Gesamttendenz zeigen diese Zahlen: Das Gefahrenpotenzial, das von der Clankriminalität ausgeht, bleibt weiterhin hoch. Dies führen uns auch schwerwiegende Einzelfälle immer wieder sehr deutlich vor Augen. Wir sehen weiterhin eine große Verfügbarkeit von Waffen verschiedenster Art und wir sehen die Bereitschaft, diese auch einzusetzen. Zur Durchsetzung eigener Interessen wird immer wieder körperliche Gewalt eingesetzt."

Entwicklung zu größeren Tumultlagen


Zugleich beobachte man eine Veränderung der Eskalationsdynamik bei polizeilichen Einsätzen: Ereignisse, die früher unmittelbar beherrschbar waren, entwickelten sich zunehmend wieder zu größeren Tumultlagen. "Diese offen gezeigte Ablehnung unseres Rechtsstaats und die Ignoranz unserer Gesetze können und werden wir niemals akzeptieren“, so die Ministerin.

Justizministerin Dr. Wahlmann: „Auch wenn der Anteil an der Gesamtkriminalität nicht sonderlich hoch ist, ist die konsequente Bekämpfung von Clankriminalität dringend notwendig. Kriminelle Clans führen ihre Kämpfe auf offener Straße aus und schrecken auch vor gewaltsamen Ausschreitungen in Gerichten nicht zurück. Sie sorgen damit für Angst und Schrecken innerhalb der Gesellschaft und versuchen, das Gewaltmonopol des Staates zu untergraben. Das lassen wir uns als Rechtsstaat nicht gefallen – hier hilft nur konsequentes und schonungsloses Vorgehen. Unsere Botschaft ist klar: Wir lassen uns von Clans nicht auf der Nase herumtanzen.“

Fokus Vermögensabschöpfung


Ein Schwerpunkt der Bekämpfung bleibt die Abschöpfung kriminell erlangter Vermögenswerte. Es konnten Vermögenswerte in Höhe von rund 5,35 Millionen Euro vorläufig gesichert werden. Dies stellt den höchsten Wert der vergangenen fünf Jahre dar. Damit wurde der hohe Verfolgungsdruck auch im finanziellen Bereich weiter erhöht und kriminellen Strukturen ein wesentlicher Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlage entzogen.

Ministerin Behrens: „Allen erzielten Erfolgen zum Trotz werden auch zukünftig intensive Bemühungen erforderlich sein, um diese Strukturen im Interesse eines sicheren gesamtgesellschaftlichen Zusammenlebens zu verändern. Hierfür braucht es öffentliche Aufmerksamkeit und gesellschaftliche Widerstandskraft. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, diesem Kriminalitätsphänomen Grenzen aufzuzeigen. Ich begrüße daher ausdrücklich die Überlegungen des Bundes zu einer Beweislastumkehr bei Vermögenswerten ungeklärter Herkunft. Wer über erhebliche Vermögenswerte verfügt und deren rechtmäßige Herkunft nicht plausibel erklären kann, darf sich nicht hinter komplexen Finanzkonstruktionen verstecken können.“

Ministerin Dr. Wahlmann: „Der Rekordwert bei der Vermögensabschöpfung im Bereich krimineller Clans ist ein klarer Erfolg unserer konsequenten Strafverfolgung. Wir treffen die Täter dort, wo es ihnen besonders weh tut: Bei der Rolex und dem aufgemotzten Auto. Damit entziehen wir den Tätern die finanzielle Grundlage ihres kriminellen Handelns.“

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