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Sanierung oder Abriss? Was passiert mit dem Rathaus Neubau?

Dass der Zustand des Rathaus Neubaus am Bohlweg nicht optimal ist, ist kein Geheimnis. Der Rat der Stadt stimmte heute für die Durchführung eines Ideenwettbewerbs für die Zukunft des Verwaltungsbaus.

von Niklas Eppert


Was passiert mit dem Rathaus Neubau? Darüber soll ein Ideenwettbewerb entscheiden.
Was passiert mit dem Rathaus Neubau? Darüber soll ein Ideenwettbewerb entscheiden. Foto: Alexander Dontscheff

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18.02.2020

Braunschweig. Mitarbeiter klagen seit langem über schlechte Gerüche, die Bausubstanz gebe nicht mehr viel her und überhaupt trage der Rathaus Neubau am Bohlweg nicht zur Ästhetik des Stadtbildes bei, meinen zumindest viele Beobachter. Dass sich diese Situation ändern muss, darüber sind sich alle Parteien im Stadtrat einig. Über das "Wie" bestand allerdings noch Diskussionsbedarf. Am heutigen Dienstag stimmte der Rat einem CDU-Antrag zu, demzufolge ein Ideenwettbewerb um die Zukunft des eher funktional gestalteten Nachkriegsbauwerks veranstaltet werden soll.


Laut des Antrags böte vor allem die Anmietung des noch zu bauenden Business-Centers III im BraWo-Park, in den die Verwaltung zum Übergang ziehen soll, eine "einmalige Chance" den in die Jahre gekommenen Rathaus Neubau am Bohlweg grundlegend zu sanieren. Immerhin sei dies dringend nötig: Die Gerüche seien mittlerweile unerträglich, erzählt Ratsherr Thorsten Köster (CDU). Detlef Kühn (SPD) sieht die Grenze der Zumutbarkeit erreicht und Lisa-Marie Jalyschko (Grüne) sieht im Namen ihrer Fraktion eine Chance "bei stadtgestalterischen Maßnahmen zu helfen" und das Gebäude endlich energetisch zu sanieren.

Die Grünen hatten einen eigenen Änderungsantrag zum Antrag der CDU-Fraktion gestellt. Die Grünen wollten mit ihrem Antrag etwas weitergehen, als die CDU-Fraktion. Sprach der Ursprungsantrag der Christdemokraten noch von Teilabriss und eventueller Aufstockung als Alternative zur Sanierung des bestehenden Gebäudes, so wollten die Grünen auch einen Abriss und Wiederaufbau an gleicher Stelle nicht vom Tisch nehmen. Letztlich wurde der Antrag der Grünen abgelehnt, der Ursprungsantrag der CDU jedoch angenommen. Ein vollständiger Abriss dürfte damit vom Tisch sein. Das weitere Verfahren werde jedoch im Ideenwettbewerb geklärt werden.

"Kein Abriss, nur weil die Toiletten stinken!"


Es herrsche jedoch auch grundlegende Uneinigkeit unter den Parteien bezüglich der Grundlage der Sanierung. Für Udo Sommerfeld von der Fraktion "DIE LINKE", steht nicht einmal der Umzug in den BraWo-Park fest. Sommerfeld spricht von einem "wirtschaftlichen Schaden" von etwa 12 Millionen Euro, der allein durch den Umzug in den noch zu bauenden dritten BraWo-Turm entstünde. Dem könne seine Partei nicht zustimmen. Deshalb gelte für ihn, dass er nichts zustimmen könne, was keine "schnelle Sanierung" sei. In diesem Fall sind sich die LINKEN vor allem mit der BIBS einig. Peter Rosenbaum, Fraktionsvorsitzender der Bürgerinitiative, ist sich sicher, dass man das Rathaus nicht abreißen müsse, "nur weil es auf den Toiletten stinkt". Viel mehr könne man eher die "Wände verschieben", sodass das Innere des Rathauses leicht und schnell umgebaut werden könne. Beim Äußeren schwebt der BIBS eine "grüne Oase" mit Außenbepflanzung vor.

Die AfD hatte einen Vorschlag eingereicht, in dem die Partei fordert, dass man statt einer Sanierung ganz einfach ein neues Rathaus im Bereich der Markthalle bauen oder den neuen BraWo-Turm dauerhaft für die Verwaltung anmieten sollte. Immerhin, so Stefan Wirtz aus der AfD-Fraktion, seien die tatsächlichen Kosten einer Sanierung nicht abzusehen, da bislang versteckte Baumängel die Kosten unabsehbar erhöhen könnten. Stattdessen könne man nach Abriss des aktuellen Gebäudes das Gelände zur Begrünung der Innenstadt nutzen. Entsprechend forderte die AfD-Fraktion auch diese Möglichkeiten bei einem Wettbewerb in Betracht zu ziehen.

Markurth mahnt zur Vorsicht


Letztlich ist beim Rathaus Neubau wohl noch alles offen. Bürgermeister Ulrich Markurth (SPD) gab zu bedenken, dass die Stadt nicht der einzige Eigentümer des Rathauses sei. Es handele sich bei den weiteren Eigentümern auch nicht um "irgendwelche Braunschweiger, mit denen man beim Bier besprechen kann", was mit dem Rathaus geschehe. Das sei komplizierter. Daher, so Markurth, müssten die Verantwortlichen im Blick behalten, dass auch mit Schadensersatzforderungen zu rechnen sei, die sich wiederum auf die Kosten des Projekts auswirken würden. Daher sei der Bürgermeister für einen Realisierungswettbewerb. Doch auch hier sei zu bedenken, mahnt Markurth, dass der Rathaus Neubau in erster Linie ein Funktionsgebäude sei und der ästhetische Aspekt an zweiter Stelle stünde. Immerhin sei ein gut funktionierendes und funktional gestaltetes Rathaus sowohl für die Bürger, als auch für die Mitarbeiter ein wichtiger Faktor der Verwaltung.


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