Tarifverhandlungen geplatzt: Klinikdienste GmbH in Warnstreik getreten

Die Gesellschaft ist nicht nur für Reinigungsarbeiten im Städtischen Klinikum zuständig, sondern auch an Schulen und anderen städtischen Einrichtungen. Doch die Mitarbeiter werden nicht nach Tarif bezahlt.

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Symbolbild | Foto: via dts Nachrichtenagentur

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Braunschweig. Zum ersten Mal in der Geschichte der Klinikdienste GmbH sind die Beschäftigten am heutigen Donnerstag in einen Warnstreik getreten. An der Streikkundgebung ab 9:30 Uhr beteiligten sich etwa 100 Kolleginnen und Kollegen sowie zahlreiche weitere Beschäftigte des Klinikums aus dem Frei. Das berichtet die Gewerkschaft Verdi in einer Pressemitteilung.



„Der Streik ist erfolgreich, weil viele Kolleginnen und Kollegen Angst haben, im Alter Flaschen sammeln zu müssen“, erklärt Ilona Franke von der Verdi-Tarifkommission bei den Klinikdiensten. „Für mich ist es unbegreiflich, dass wir in einer sozialdemokratisch geführten Stadt nicht ordentlich nach Tarif bezahlt werden, sondern den Mindestlohn der Gebäudereinigung erhalten“, so Franke weiter.

Fassungslosigkeit ausgelöst


In der ersten Tarifverhandlung am 28. August unterbreitete die Arbeitgeberseite kein Angebot über einen Tarifvertrag und höhere Löhne. Stattdessen wurden Deutschkurse, Fitnesskurse sowie Gespräche über eine Begrenzung der Befristungen angeboten. Die Vorschläge der Arbeitgeberseite lösten Fassungslosigkeit bei den Beschäftigten aus, so Verdi.

Wachschutz eingesetzt


Ein Versuch von Beschäftigten, am gestrigen Mittwoch anlässlich der Aufsichtsratssitzung des Klinikums mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und der Geschäftsführung ins Gespräch zu kommen, führte zur Einschaltung des Wachschutzes durch das Klinikum. „Wir, die sonst die Toiletten der Geschäftsführung putzen, durften noch nicht mal das Gelände betreten“, zeigt sich Ilona Franke empört. „Ein Wachschutz hat uns den Zutritt zum Gelände untersagt, dies empfinden wir als unwürdig.“

Die für den morgigen Freitag terminierte nächste Tarifverhandlung wurde vom Arbeitgeber kurzfristig abgesagt. Verdi fordert eine zeitnahe Fortsetzung der Verhandlungen und ein verhandlungsfähiges Angebot.

Darum geht es


Die Braunschweiger Klinikdienste sind eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Städtischen Klinikums Braunschweig. Im Klinikum reinigen sie OP‑Bereiche und sensible Stationen, betreiben die Spülküche, besetzen die Information und organisieren den internen Materialtransport. Darüber hinaus sind sie für die Reinigung vieler städtischer Gebäude verantwortlich – darunter Schulen, Kitas, Schwimmbäder und nicht zuletzt das Rathaus selbst.

Trotz dieser unverzichtbaren Arbeit werden sie nicht wie die andere Beschäftigte, die kommunale Aufgaben erfüllen, nach dem TVöD vergütet, sondern nach dem allgemeinverbindlichen Gebäudereiniger-Mindestlohn, kritisiert Verdi. Die Mehrheit der Beschäftigten erhält daher lediglich 15 Euro pro Stunde, unabhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Damit verdienen sie bis zu 800 Euro weniger im Monat als ihre Kollegen im öffentlichen Dienst. Die Belegschaft besteht überwiegend aus Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund, ein hoher Anteil ist zudem befristet. Seit Ende 2025 organisieren sich die Beschäftigten in der Gewerkschaft Verdi, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern.