„Überräume“ von Lienhard von Monkiewitsch im Städtischen Museum


Städtisches Museum Braunschweig Foto: Alexander Dontscheff
Städtisches Museum Braunschweig Foto: Alexander Dontscheff | Foto: Alexander Dontscheff

Braunschweig. Das Städtische Museum zeigt im Haus am Löwenwall vom 29. Mai bis 8. Juli die Ausstellung "Überräume. Lienhard von Monkiewitsch". Die Ausstellung gibt einen Überblick zum Werk des 1941 in Steterburg (heute Salzgitter) geborenen Künstlers Lienhard von Monkiewitsch, der viele Jahre, auch als Professor an der HBK, die Braunschweiger Kunstlandschaft mitprägte.


Arbeiten aus allen Phasen seines Schaffens veranschaulichen die Vielfältigkeit im Werk des Künstlers, der auf unterschiedlichen gedanklichen Ebenen mit dem Raum spielt. Es gibt ein Begleitprogramm mit Führungen und einem Vortrag. Dies berichtet die Stadt Braunschweig in einer Pressemitteilung.

Im weitläufigen Lichthof des Museums schafft von Monkiewitsch eine energiegeladene Gesamtkomposition von großformatigen Gemälden. Er errichtet sozusagen eine bildnerische Wandelhalle, die der realen Architektur der Halle mit einer faszinierenden Vielfalt von innerbildlichen Definitionen von Raum antwortet.

Raumdarstellungen als zentrales Thema


Das zentrale Thema bei von Monkiewitsch sind seit Ende der 1960er-Jahre Raumdarstellungen auf der Fläche. Sie können sich durch eine perspektivische Konstruktion, durch die unterschiedliche Tiefenwirkung von Farbe, durch Interpretation vielgestaltiger Cut-Outs, durch transparente Schichtungen oder durch partielles Verwandeln malerischer Gestik ergeben. Anfangs lassen minutiös gezeichnete und gemalte Fußböden den Betrachter die nicht dargestellten Raumwände ergänzen. In der nächsten Phase suchen wuchtige, auf der weißen Wand wie schwebend erscheinende Architektur-Torsi ihren Auftrittsort im Kopf des Betrachters. In diesen Werken wird die perspektivische Konstruktion raumbildend, während in den 1980er-Jahren meist schwarze, bizarr beschnittene Flächen den Betrachter auffordern, sich eine plastische Gestalt vom Kantenverlauf her vorzustellen. Für diesen Zusammenhang sind besonders zwei Serien wichtig, die sich auf den russischen Suprematisten Kasimir Malewitsch beziehen.

In einer nächsten Werkgruppe untersucht der Künstler die räumliche Wirkung von Flächen tiefsten Schwarzes, meist Quadrate oder Rechtecke, deren weiche Randverwischungen einen ambivalenten Raumeindruck erzeugen. Mal meint man, den Blick in die Unendlichkeit des Alls zu empfinden, mal einen Ausschnitt desselben vor der Wand schwebend zu erleben.

Quadrate im Fokus der Werke


Eine wichtige Phase bildet die Auseinandersetzung mit den Fibonacci-Zahlen, nach denen von Monkiewitsch Bildkompositionen entwickelt, vor allem Quadrate entwirft. So greift er das Hauptmotiv von Malewitsch auf eine neue Weise auf. Eine ganze Reihe von Bildern lassen das Quadrat wie transparent hinter leuchtenden Farben durchscheinen, und deuten so an, dass hinter jedem gemalten Quadrat stets auch das berühmte Vorbild – das Quadrat Malewitschs – zu denken ist.


Drei Aspekte stehen im Fokus des Künstlers: Entstehen neue Bilder eher aus der Konstruktion, eher aus der Empfindung oder aus dem Zufall? Zu Letzterem entsteht schon Ende der 1980er-Jahre eine umfangreiche Werkreihe. Drei Formen, Parallelogramm, Quadrat und schlankes Rechteck, werden von verschiedenen Personen unkontrolliert ins Bildformat geworfen und anschließend ohne Korrektur vom Künstler malerisch ausgeführt. Faszinierend für ihn ist hier die Erscheinung des Einmaligen, des nicht Vorhersehbaren.

Die Farbe Schwarz


Seit 2016 untersucht Lienhard von Monkiewitsch unterschiedliche Ausdrucksformen gestischer Malerei, wobei er große Teile der Bildfläche mit schwarzem Pigment überzieht. Wie durch ein verbleibendes Fenster erlebt der Betrachter noch die ursprüngliche Farbigkeit, alles andere verschiebt sich nun auf eine andere Bildebene, erscheint farblich ausgelöscht und bändigt die Geste, die seit dem Studium des Künstlers immer wieder in seinem scheinbar strengen Werk auftaucht.

In seinen Werken spielt von Monkiewitsch mit dem realen Raum und lässt ihn zu einem Erlebnisraum der Phantasie werden. Dieser künstlerische Weg in die Freiheit der Vorstellung ist das Leitmotiv der Schau.

Führungen und Vorträge



  • Künstlerführungen durch die Ausstellung mit Lienhard von Monkiewitsch
    Samstag, 9. Juni, 15 Uhr (mit Günther Langer, Vorsitzender des Kunstvereins Wolfenbüttel)
    Samstag, 23. Juni, 15 Uhr

  • Führungen durch die Ausstellung mit Sabine Wolfsbauer
    Sonntag, 3. Juni, 15 Uhr
    Sonntag, 17. Juni, 15 Uhr
    Sonntag, 1. Juli, 15 Uhr

  • Vortrag des Kunstschriftstellers, Journalisten und Kurators Walter Vitt "Lienhard von Monkiewitsch - Begegnungen mit dem Künstler, mit dem Werk."
    Donnerstag 28. Juni, 17 Uhr