Wolters-Brauerei retten: Diese privaten Initiativen geben noch nicht auf

Nur die Marke beizubehalten – das reicht vielen Braunschweigern nicht aus. Einige zeigen sich bereits rührig und entwickeln Ideen, die Brauerei zu retten.

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Dass für die Wolters-Brauerei Schluss ist, dagegen formiert sich Widerstand.
Dass für die Wolters-Brauerei Schluss ist, dagegen formiert sich Widerstand. | Foto: Matthias Kettling

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Braunschweig. Das Ende der Wolters-Brauerei in Braunschweig scheint besiegelt zu sein. Der Insolvenzverwalter hatte erklärt, dass Ende des Jahres der Betrieb eingestellt wird. Zwar versuche er, die Marke Wolters zu retten. Das würde aber bedeuten: Das Bier wird anderswo gebraut und nur unter dem altehrwürdigen Namen Wolters verkauft. Doch gibt es nicht doch noch einen Weg, den Brauereibetrieb an der Wolfenbütteler Straße zu retten? Einige Braunschweiger versuchen jedenfalls bereits, etwas in die Richtung zu bewegen.



Auch im Rat der Stadt am vergangenen Dienstag war die Situation bei Wolters ein Thema – per Dringlichkeitsanfrage der SPD auf die Tagesordnung gesetzt. Aus den Antworten der Verwaltung dazu wird klar: Derzeit setzt man im Rathaus lediglich noch darauf, die Marke Wolters zu retten. So heißt es dort: "Derweil laufen die Bemühungen, die Marke Wolters zu erhalten, weiter. Hierzu werden konstruktive Gespräche mit verschiedenen Interessenten geführt. Diese dauern aktuell noch an. Ziel muss es aus Sicht der Stadt sein, dass es im weiteren Verfahren zumindest gelingt, der Marke Wolters und ihren Bierspezialitäten eine Zukunft in neuer Trägerstruktur zu verschaffen."

Online-Petition will Verwaltung in die Pflicht nehmen


Eine solche neue Trägerstruktur, die ihren Sitz womöglich außerhalb des Braunschweiger Landes hat – das reicht vielen Braunschweigern jedenfalls nicht aus. Das beweisen einige private Rettungsaktionen, die in den vergangenen Tagen an die Öffentlichkeit gingen. Da wäre zum Beispiel eine Online-Petition auf der etablierten Plattform change.org. Sie trägt den Namen "Rettet mit uns das Hofbrauhaus Wolters". Diese von der Nutzerin "Sophie 1895" gestartete Petition richtet sich an die Entscheidungsträger in der Stadtverwaltung und bei der Volksbank BRAWO, Eigentümerin der Brauerei. Sie betont die Bedeutung von Wolters als Teil der Braunschweiger Identität. Da gehöre es eben nicht nur dazu, die Marke zu retten, sondern Wolters müsse weiterhin in Braunschweig gebraut werden. Sonst wäre es bedeutungslos. Vor drei Tagen ging diese Petition online – inzwischen hat sie bereits mehr als 14.500 Unterzeichner.

Die Resonanz habe sie überwältigt, schreibt die Petitions-Starterin in einem Update. Jetzt soll diese Resonanz auch Konsequenzen nach sich ziehen. "Deshalb erwarten wir von der Stadt Braunschweig, dass sie offen und transparent prüft, welche Möglichkeiten es gibt, Wolters langfristig eine Zukunft zu geben", heißt es dort.

Nur die Marke zu retten – das reicht vielen Braunschweigern nicht aus.
Nur die Marke zu retten – das reicht vielen Braunschweigern nicht aus. Foto: regionalHeute.de



Kann eine Genossenschaft die Brauerei betreiben?


Die Petition soll dafür sorgen, dass Oberbürgermeister Thorsten Kornblum die Wolters-Rettung zur Chefsache erklärt und zusammen mit der Chefetage der Volksbank weitere Optionen abklopft. Einen anderen Weg will Jan Hackenberg gehen. Der Braunschweiger prüft derzeit die Möglichkeit, eine Genossenschaft zu gründen. Dafür müssten genug Braunschweiger bereit sein, Geld einzuzahlen – also Genossenschaftsanteile zu kaufen und somit Mitglied dieser Genossenschaft zu werden. Ein Geschäftsmodell, das funktionieren kann, wie zum Beispiel die Handelskette Edeka seit Jahrzehnten beweist. Auch sie wird als Genossenschaft geführt, genau wie alle Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie zahlreiche Wohnbaugesellschaften.


Hackenberg schreibt auf einer für dieses Projekt eingerichteten Internetseite: „Wolters zu retten ist ein großes Projekt mit vielen riesigen Hindernissen. Aber einen Versuch ist es wert, denn es ist zu schade, diese Tradition einfach eingehen zu lassen, ohne es zumindest versucht zu haben." Auf der Seite können Interessenten unverbindlich eintragen, inwiefern sie bereit sind, Geld für die Wolters-Rettung zu bezahlen.

Auf der Online-Plattform Reddit führt Hackenberg die Idee etwas weiter aus und erklärt: "Das ist kein kleines und einmaliges Crowd-Funding-Projekt, sondern zielt auf eine dauerhafte Lösung über eine Genossenschafts-Betreibergesellschaft ab." Benötigt werden demnach etwa 10.000 Menschen, die bereit sind, mindestens 250 Euro einmalig als Genossenschaftsanteil und im Verlustfall 100 Euro im Jahr zu bezahlen. Bei Gewinn gäbe es sogar eine Auszahlung. Das Szenario sei aber eher unwahrscheinlich, schätzt Hackenberg ein.

Der Initiator meldet regionalHeute.de, dass sein Vorstoß bereits in kürzester Zeit kleine Erfolge vorzuweisen hat. "Wir haben derzeit 100 Interessenten und unverbindliche Zusagen in Höhe von circa 100.000 Euro in den ersten 18 Stunden", erklärt Hackenberg und führt weiter aus: "Parallel versuche ich, Experten und Helfer für das Projekt zu rekrutieren. Die Mittelstandsunion Braunschweig wird das Projekt auch unterstützen."

Zukunft von Wolters – die Marke und die Brauerei


Ob diese Vorstöße – mehr Druck auf die Entscheidungsträger oder Gründung einer Genossenschaft – etwas bewirken können, wird sich zeigen. Sie beweisen jedenfalls: Die Zukunft von Wolters ist den meisten Braunschweigern nicht egal. Und bei der Zukunft von Wolters denken viele eben nicht nur an die Marke, sondern auch an die regionale Verbundenheit, zu der der Brauereibetrieb vor Ort eben dazugehört.