Zahl der Obdachlosen in Braunschweig nimmt zu: So reagiert die Stadt

Ein Kommunaler Aktionsplan zur Überwindung von Wohnungslosigkeit ist schon seit längerem in der Diskussion. Doch was wurde daraus?

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Symbolfoto. | Foto: Pixabay

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Braunschweig. Bei den aktuell anhaltend heißen Temperaturen dürfte das Leben auf der Straße noch herausfordernder sein als ohnehin schon. Doch immer mehr Menschen haben mit dem Schicksal der Obdachlosigkeit zu kämpfen. Auch in Braunschweig. Das geht aus einer Mitteilung des städtischen Dezernats für Soziales und Gesundheit hervor, die derzeit den politischen Gremien zur Kenntnis gegeben wird.



Die Anzahl wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen habe in den vergangenen Jahren bundesweit kontinuierlich zugenommen, heißt es in der Mitteilung. Auch wenn es keine einheitliche Statistik zur Anzahl und zu bestimmten Merkmalen Wohnungsloser gibt, würden sowohl offizielle Angaben der Bundesregierung als auch Schätzungen einschlägiger Akteure von mindestens einer Verdopplung der bundesweiten Betroffenenzahlen in den letzten Jahren ausgehen.

Unterschiedliche Zahlen


Auch in Braunschweig sei in der jüngeren Vergangenheit eine Zunahme wohnungsloser Personen zu beobachten, heißt es in der Vorlage weiter. So stieg die Anzahl ordnungsrechtlich untergebrachter Personen von Ende 2021 bis Ende 2025 von 189 auf 248. Die jährlichen Erhebungen der Zentralen Beratungsstelle Niedersachsen, welche neben den ordnungsrechtlich Untergebrachten auch Auskünfte von Sozialberatungsstellen und Trägern weiterer Wohnungsloseneinrichtungen einfließen lassen, weisen für Braunschweig einen Anstieg der Anzahl wohnungsloser Menschen von 360 im Januar 2023 auf 551 im Januar 2025 auf.

Darüber hinaus können die Daten der Zentralen Stelle für Wohnraumhilfen (ZSW) eine Einschätzung der Situation der Bevölkerungsgruppe der von Wohnungslosigkeit bedrohten oder aufgrund verschiedener Lebenssituationen oder Problemlagen akut auf Wohnungssuche befindlichen Personen ermöglichen. Hier habe sich die Anzahl der bei der ZSW gelisteten Personen von 883 zum Stichtag im Jahr 2021 auf 1.298 in 2024 erhöht. Zudem nahmen die Fallzahlen der Stelle Wohnhilfen von 2021 auf 2023 um rund 36 Prozent zu.

Was sind die Gründe?


Die Gründe für die allgemeinen Steigerungen der Betroffenenzahlen seien dabei vielfältig. Wichtige Faktoren seien die Zuwanderung, verbreitete Armut oder Armutsgefährdung, das Fehlen bezahlbaren Wohnraums und der damit zusammenhängende nachhaltig angespannte Wohnungsmarkt. Ferner spielten viele verschiedene individuelle Hemmnisse eine Rolle dabei, dass Menschen keine eigene Wohnung hätten.

Dafür, dass die Stadt hiergegen etwas tun muss, gibt es sogar eine handfeste Grundlage. Ein Ratsbeschluss sieht die Prüfung eines möglichen Prozesses zur Erstellung eines Kommunalen Aktionsplans vor. Dieser soll sich am 2024 von der Bundesregierung verabschiedeten Nationalen Aktionsplan zur Überwindung von Wohnungslosigkeit bis 2030 orientieren und daraus auf Braunschweig übertragbare Maßnahmen darstellen. Konkret genannt wird der Housing-First-Ansatz. Im Gegensatz zu klassischen Hilfesystemen, die von Betroffenen oft erst das Absolvieren von Betreuungs- oder Therapieschritten verlangen, erhalten Wohnungslose hier sofort eine eigene, dauerhafte Wohnung.

Neue Arbeitsgemeinschaft gegründet


Bereits im vergangenen Jahr wurde seitens der Verwaltung die sogenannte AG Wohnungsnotfälle als Arbeitsgremium einberufen. Diese steht in Nachfolge der seinerzeit aus dem Bündnis für Wohnen resultierenden AG 2 – Menschen mit erschwertem Zugang zum Wohnungsmarkt. Die AG setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung, der Wohnungswirtschaft und zivilgesellschaftlicher Organisationen zusammen.

In der AG seien bereits verschiedene Angebote zusammengetragen und erste Diskussionen über die aktuelle Situation, vergangene Entwicklungen sowie perspektivische Möglichkeiten zur Verbesserung des in Braunschweig existierenden Hilfesystems geführt worden, heißt es in der Vorlage weiter.

Die Struktur steht schon


So sei zunächst eine mögliche Struktur eines Kommunalen Aktionsplans zur Überwindung von Wohnungslosigkeit entstanden, die folgende Aspekte aufgreift: Zielformulierung, Beschreibung von Rahmenbedingungen, Ist-Stands-Erhebung und Analyse des Bestandes an Hilfs- und Unterstützungsangeboten, Feststellung des Bedarfs unter Beachtung besonderer Zielgruppen sowie die Formulierung von Handlungsempfehlungen und Maßnahmen.

In Braunschweig existiere bereits eine breite Palette unterschiedlichster Hilfs- und Unterstützungsangebote öffentlicher und freier Träger. Es würden sich auch mehrere Ansätze sowohl zur Verbesserung der ordnungsrechtlichen Unterbringung als auch zur bedarfsgerechten Ausdifferenzierung weiterer Angebote im Prozess befinden. Mit der Erstellung eines Kommunalen Aktionsplans würden die bereits vorhandenen vielfältigen Ansätze gebündelt, bei Bedarf um weitere ergänzt und damit eine ganzheitliche Betrachtung gewährleistet, die dem Thema strategisch und möglichst effizient begegnet, so die Vorstellung der Verwaltung.

Kein konkreter Zeitplan


Auf einen konkreten Zeitpunkt, zu dem die Wohnungslosigkeit in Braunschweig überwunden sein soll – analog zum Nationalen Aktionsplan –, will sich die Stadt aber nicht festlegen. Dies erscheine vor dem Hintergrund komplexer struktureller und individueller Problemlagen aktuell als schwierig und werde daher zunächst nicht thematisiert.

"Vielmehr bedarf es einer kontinuierlichen und kooperativen Zusammenarbeit verschiedener Akteure, um sich fortwährend auf sich ändernde Bedürfnisse und Rahmenbedingungen einzustellen und somit Menschen ohne eigene Wohnung oder bei drohendem Wohnungsverlust adäquate Hilfs- und Unterstützungsleistungen zukommen zu lassen", so das Fazit der Verwaltung.