Braunschweig. Zwei Jahre ist es her, dass im Riedenkamp in Kralenriede eine Waldfläche vernichtet wurde, um Platz für einen Parkplatz für das Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) der Fraunhofer-Gesellschaft zu machen. Seit zwei Jahren wird die Fläche freigehalten, doch in diesen zwei Jahren wurde kein Parkplatz gebaut. Das moniert die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Stadtbezirksrat Nordstadt / Schunteraue. Schließlich hätte dann doch bis zum Bau der Wald dort bleiben können.
So lässt sich die Ausgangslage zusammenfassen, die die Fraktion als Anfrage unter dem Titel "Umweltskandal des Fraunhofer-Instituts und der Stadt Braunschweig: Wald für angeblich dringend notwendigen Parkplatzbau seit drei Vegetationsperioden abgeholzt, aber es passiert nichts" in den Bezirksrat eingebracht hat.
Wald abgeholzt – doch dann passiert erstmal nichts
In der Anfrage geht die Fraktion die Chronologie der Ereignisse noch einmal durch. Angefangen habe die Situation im Februar 2024. "Unmittelbar nach der Teilbaugenehmigung für die Stellplatzanlage am 9. Februar 2024 erfolgte noch vor Beginn der Brut- und Setzzeit (1. März) der Kahlschlag des Waldstücks", heißt es dort. Seitdem würde das Fraunhofer-Institut die Fläche "kontinuierlich und penibel von aufkommender Vegetation" freihalten, laut der Grünen-Fraktion vermutlich, weil ab einer gewissen Höhe der Jungbäume die Fläche wieder als Wald gelten könnte. Die Grünen betonen daher: "Die Fläche hätte inzwischen noch drei weitere Vegetationsperioden in vollem Umfang ihre ökologischen Dienstleistungen als Wald erbringen können."
Hätte man den "Kahlschlag" nicht also verschieben können, bis alle weiteren Schritte geklärt gewesen wären oder unmittelbar bevorstehen würden? Um die lange Anfrage zu beantworten, hatte die Stadtverwaltung unter anderem auch das Fraunhofer-Institut um eine Stellungnahme gebeten. Dieses teilte mit, dass die Baumaßnahmen für den Parkplatz 2024 eigentlich unmittelbar bevorstanden und daher die Rodungsarbeiten stattfanden.
"Nicht vorhersehbare Verzögerungen"
Doch dann sei es eben zu nicht vorhersehbaren Verzögerungen gekommen. "Die haushaltsrechtliche Genehmigung zur Ausführung der Maßnahme wurde jedoch erst im März 2026 erteilt. Ursächlich hierfür waren eine notwendige Aufstockung des Projektbudgets aufgrund von Baupreissteigerungen sowie ein längerer Prüfungszeitraum" beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), heißt es in der Stellungnahme der Fraunhofer-Gesellschaft. Dies sei für die Vergabe von Zuwendungen allerdings notwendig gewesen. Die Stadtverwaltung betont in dem Zusammenhang, dass die Einhaltung zuwendungsrechtlicher Verfahren und projektinterner Zeitpläne den jeweiligen Vorhabenträgern obliege.
Laut Antwort der Verwaltung halte die Fraunhofer-Gesellschaft an der Umsetzung der Maßnahme fest. Die Vergabe und Ausführung der Bauleistungen, beginnend mit der Kampfmittelsondierung, könnten demnach jetzt eingeleitet werden. Außerdem setze die Gesellschaft die in einem Gutachten zur Bewertung der Waldfunktionen vorgeschlagenen Ausgleichsmaßnahmen bereits um. Diese sollen im Frühjahrspflanzzeitraum – also jetzt – abgeschlossen sein.

