Braunschweig/Wolfsburg. Die Volksbank BRAWO zieht bei ihren großen Immobilienentwicklungen Konsequenzen aus der angespannten wirtschaftlichen Lage. Im Zuge der Sanierung will die Bank ihr Immobiliengeschäft deutlich verkleinern. Für neue Projektentwicklungen größeren Ausmaßes bedeutet das zunächst einen weitgehenden Stopp. Wie mit einzelnen bereits geplanten Vorhaben weiter verfahren wird, soll dagegen im Einzelfall geprüft werden.
„Wir werden, wenn wir Immobilien abbauen, keine neuen Projektentwicklungen beginnen, wesentlichen Ausmaßes“, erklärte Vorstandsmitglied Dr. Heiner Arnoldi beim Bilanzpressegespräch der Volksbank BRAWO. Bestehende Projektentwicklungen werde man „voraussichtlich alle zu Ende bringen“. Wesentlich größere neue Vorhaben wolle die Bank dagegen nicht mehr auf den Weg bringen.
BRAWO City wird neu bewertet
Damit dürfte sich die Rolle der BRAWO als Projektentwickler in der Region deutlich verändern. In den vergangenen Jahren hatte die Gruppe ihre Aktivitäten mit großen Immobilienvorhaben deutlich über das klassische Bankgeschäft hinaus ausgeweitet. Nun soll dieser Bereich erheblich zurückgefahren werden.
Besondere Bedeutung hat diese Kursänderung für die BRAWO City in Wolfsburg. Auf die konkrete Frage nach der weiteren Realisierung des Großprojekts erklärte Arnoldi, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die BRAWO City sei „sicherlich eine Projektentwicklung größeren Ausmaßes“, sagte er. Das Vorhaben befinde sich derzeit in der Analyse. Arnoldi habe sich das Projekt erst in der vergangenen Woche selbst angesehen. Nun werde geprüft, „was wir zukünftig damit machen werden“.
Damit gibt der Vorstand für die weitere Realisierung der BRAWO City derzeit keine Zusage. Anders als bei den BRAWO Arkaden I machte die Bank für dieses Projekt keine Aussage über eine Fertigstellung. Für Wolfsburg bedeutet das: Wie weit die bislang vorgesehenen Pläne der BRAWO City tatsächlich umgesetzt werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen. Im Pressegespräch nannte der Vorstand weder einen neuen Zeitplan noch einen konkreten Umfang für eine mögliche Weiterentwicklung.
Erster Bauabschnitt der BRAWO Arkaden soll fertig werden
Konkreter ist die Lage bei den BRAWO Arkaden. Den ersten Bauabschnitt will die Volksbank BRAWO nach der bisherigen Prüfung fertigstellen. „Die Analyse ergab, dass wir das selbstverständlich fertig bauen sollten“, sagte Arnoldi. Dies sei auch wirtschaftlich sinnvoll.
Anders sieht es beim zweiten Bauabschnitt aus. Eine Entscheidung darüber soll erst fallen, wenn der erste Abschnitt abgeschlossen ist. „Über den zweiten Bauabschnitt reden wir dann, wenn der erste fertig ist“, erklärte Arnoldi. Die beiden Wolfsburger Vorhaben zeigen den neuen Kurs. Bestehende Projektentwicklungen sollen voraussichtlich abgeschlossen werden. Wesentlich größere neue Projektentwicklungen sollen dagegen nicht begonnen werden.
Immobiliengeschäft belastet die Bank
Hintergrund für die Zurückhaltung sind erhebliche Belastungen aus den bankfernen Geschäftsfeldern. Nach Angaben der Bank stammen 80 Prozent des Bewertungseffekts aus dem Geschäftsfeld Real Estate. Insgesamt seien 96 Prozent des Bewertungsergebnisses den bankfernen Geschäftsfeldern zuzurechnen.
Die Immobilienwirtschaft habe sich 2025 weiter eingetrübt. Gerade in der Region Braunschweig-Wolfsburg seien höhere Bewertungsabschläge notwendig geworden als in den Vorjahren. Als negative Bewertungsfaktoren nannte der Vorstand unter anderem die mögliche Vermietbarkeit von Objekten und die erzielbaren Mieten.
Bereits bei der Vorstellung des Jahresabschlusses hatte Vorstandssprecher Dr. Lars Berkefeld darauf hingewiesen, dass Verzögerungen bei eigenen Immobilienprojektentwicklungen die Profitabilität belastet hätten. Die veränderte Lage zwinge die Bank dazu, Geschäftsmodell und Strategie neu auszurichten.
Rund 15 Immobilien am Markt
Der Rückzug beschränkt sich nicht auf künftige Bauvorhaben. Gleichzeitig will die BRAWO Immobilien beziehungsweise Immobilienprojekte aus ihrem Bestand anbieten. Nach Angaben Arnoldis sollen zunächst etwa 15 Objekte über professionelle Makler am Markt angeboten werden. Darunter befinden sich Projekte in der Heimatregion, aber auch in anderen Großstädten wie Düsseldorf und Hamburg.
Einen Verkauf unter Zeitdruck schloss Arnoldi ausdrücklich aus. Es solle keine „Fire Sales“ geben. Ziel sei eine möglichst wertschonende Vermarktung in dem derzeit schwierigen Immobilienmarkt. Welche Objekte aus der Region konkret angeboten werden, wollte der Vorstand im Pressegespräch nicht nennen. Für einzelne Verkäufe rechnet die Bank mit längeren Verfahren. Bei Immobilien könne ein Veräußerungsprozess sechs, acht oder neun Monate dauern, erklärte Arnoldi. Die Mitarbeiter im Immobilienbereich würden deshalb zunächst weiterhin für das Management und den Betrieb der Objekte benötigt.
Vom Projektentwickler zurück zur Regionalbank
Die Bauprojekte sind Teil einer grundsätzlich größeren Kurskorrektur. Die Volksbank BRAWO will ihre bankfernen Geschäftsfelder verkleinern, Beteiligungen reduzieren und die Unternehmensstruktur vereinfachen. Bereits seien Vermögenswerte identifiziert worden, die nicht mehr zur künftigen Ausrichtung passten; entsprechende Vermarktungsaufträge seien initiiert worden.
Im Mittelpunkt soll künftig wieder das klassische Bankgeschäft mit Privat- und Firmenkunden stehen. Große Immobilienentwicklungen, die in den vergangenen Jahren einen sichtbaren Teil der BRAWO-Strategie bildeten, dürften damit erheblich an Bedeutung verlieren.
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